Aus der Amazon.de-Redaktion
Politik als Fortsetzung ökonomischer Interessen mit anderen Mitteln -- so könnte man die Praxis der gegenwärtigen amerikanischen Regierung nach der Lektüre des neuesten Buches des französischen Journalisten und Nahost-Kenners Eric Laurent am prägnantesten beschreiben.
In der unheilvollen Tradition dieses Politikverständnisses erscheint George W. Bush als Erbe einer jener typischen Dynastien, die das wirtschaftliche und politische Leben der USA beherrschen. Obwohl als Geschäftsmann mittelmäßig, gelingt es ihm immer wieder, sich lukrativ aus der Affäre zu ziehen. Dabei profitiert er jeweils von den internationalen Netzwerken seines Vaters. Es überrascht dabei kaum, dass in diesem Sumpf auch die Namen Bin Laden und Saddam Hussein auftauchen.
Letztgenannter wurde in den 80er-Jahren von Ronald Reagan und George Bush systematisch mit Krediten und Waffen -- auch chemischen -- versorgt. Der langjährige Familienfreund der Bushs, Donald Rumsfeld, fädelte damals als Sonderbotschafter die Geschäfte mit dem irakischen Diktator ein, mit dem er sich "auf einer Wellenlänge" fühlte. Beziehungen der Bushs zum Bin-Laden-Clan bestehen ebenfalls seit mehr als 20 Jahren, und sie wurden vermittels der politisch einflussreichen Investmentfirma Carlyle stetig gefestigt. Nicht nur war George W. Bush dort jahrelang Mitglied des Aufsichtsrates, sondern die Bin Ladens bis zum 11. September auch finanzstarke Aktionäre.
Das sind nur einige der von Eric Laurent dargestellten Verflechtungen von privaten, industriellen Interessen und amerikanischer Politik. Vieles davon mag bereits bekannt sein. Die Stärke des Buchs besteht indessen darin, diese Zusammenhänge ebenso systematisch wie detailliert darzustellen und die Logik aufzuzeigen, die schließlich in das Abenteuer eines Krieges führen sollte. Man kann es in einem Atemzug mit den zahlreichen, imperialistische Züge der US-Politik entlarvenden Schriften Noam Chomskys (Menschenrechte und Schurkenstaaten oder Neoliberalismus und globale Weltordnung) nennen. Eine unerlässliche Lektüre zum richtigen Verständnis des neuesten Krieges der US-Amerikaner. --Jens Kertscher
Literaturtest.de
Ist George Bush junior ein religiöser Eiferer? Ist er ein Moralist oder Moralapostel, der für seine politischen Überzeugungen kämpft, ohne Rücksicht auf andere Kulturen und gefeit gegen Kritik und Selbstkritik? Eric Laurent, ein französischer Nahost-Experte, legt eine andere Deutung nahe: Es sind wirtschaftliche Interessen, die George W. Bush antreiben -- genau wie seinen Vater, den Ex-Präsidenten, und seinen Großvater. Schon Opa Bush hatte Geschäftsbeziehungen mit einem Schurkenstaat -- dem Deutschland der Nazizeit.
Der Klappentext verspricht etwas irreführend Antworten auf ungeheuerliche Fragen: Warum haben die USA den Irak illegal aufgerüstet? Warum gibt es noch immer Geschäftsbeziehungen zwischen Bin Laden und Bush? Laurent hat darauf nur eine Antwort: Die Familie Bush habe immer die eigenen wirtschaftlichen Interessen über die politischen Interessen gestellt. Dabei wiederholt Laurent freilich Stereotypen und macht aus seinem Ressentiment gegenüber den Bushs keinen Hehl: Arrogant sei George W., dumm. Nie habe er etwas ohne seinen Vater erreicht, und wirtschaften könne er eigentlich auch nicht.
Sieht man von diesen eher banalen Erkenntnissen und bisweilen schwachen Belegen, zum Beispiel in Bezug auf den Großvater Bush, einmal ab, liefert dieses Buch wichtige Informationen über die Urheber eines tragischen Konflikts. Es ergänzt zum Beispiel Bob Woodwards eher neutrale bis wohlwollende, aber immerhin wohl präziseste Innenschau (Bush at war) um ein wichtiges Detail: Es sind auch (und vor allem?) wirtschaftliche Interessen, die die Bushs und ihre Adlaten wie Rumsfeld so und nicht anders handeln lassen. --Mathias Voigt