Wer sich Hans Joachim Alpers "Krieg unter Segeln - Europas Mächte im Kampf um die Meere" das erste Mal durchsieht, wird mit Erstaunen feststellen, dass es erstaunlich vielseitig geworden ist. Wer also ein Buch nur über die Britisch-Napoleonischen Seekriege à la Patrick O'Brian erwartet, der wird enttäuscht.
Ein Buch, das ein weites Feld der Seekriegsführung und deren Schiffstypen abhandelt, muss sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen, in vielen Bereichen nicht sehr in die Tiefe zu gehen. Der Autor spannt vor dem geneigten Leser die Anfänge der Antike aus, um bis zum Kampf zwischen Engländern und Franzosen im Wesentlichen über die Rolle Lord Nelsons zu berichten. Auch das Leben an Bord und die Hierarchien unter den einzelnen Mannschaftsteilen werden prägnant wiedergegeben. Der Kenner marinehistorischer Berichterstattung wird hier mit Bedauern feststellen, das es ruhig ein bisschen detaillierter hätte ausfallen können, höchstwahrscheinlich lag das jedoch nicht in der Absicht des Autors. Bemerkenswert ist so gesehen die am Ende befindliche Auflistung aller sowohl bekannter marinehistorischer Autoren von Forrester über O'Brian bis hin zu Alexander Kent - aber auch einiger eher unbekannter Schriftsteller. Die Abbildungen aus manchen Jugendbüchern, die im Buch abgedruckt sind, verderben allerdings so manches Mal den authentischen Charakter.
Trotzdem ist es eine kurzweilige Lektüre für den Einsteiger und denjenigen, der nicht für etwas mehr Geld die britischen Standardwerke (z. B. Men O' War) bestellen will, sondern sich einfach "für Lau" einen annehmbaren Überblick über die Geschichte der Seekriege erwerben möchte. Vor allem dessen sollte man sich vor dem Kauf bewusst sein - es ist eben weniger ein Buch über Schiffe, als denn vielmehr eine recht kurze Geschichte der Kriegsführung zu Wasser.
Fazit: Für den angegebenen Preis lohnt es sich allemal - wenn auch für den Experten gilt: Finger weg!