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Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam
 
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Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam [Broschiert]

Bernd Greiner
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Was Bernd Greiner in Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam detailgenau schildert, lässt den Leser im wahrsten Sinne des Wortes erschauern und an der menschlichen Vernunft zweifeln. Greiner schreibt schonungslos offen und direkt, er analysiert die dargelegten Fakten scharfsinnig und es gelingt ihm auf intelligente Weise, die tiefgründige Aktualität des Vietnamkrieges zum Vorschein zu bringen. Greiner beweist: Man kann aus der Geschichte lernen. Allerdings erfordert dies eine solche genaue Untersuchung, wie sie nun mit seinem Buch vorliegt. Leset und lernet! Das will er wohl sagen.« (Thomas Hummitzsch, Freitag)

»Greiner hat mit seinen amerikanischen Kollegen eine Begabung gemein, die unter deutschen Historikern und Politikwissenschaftlern leider noch zu wenig ausgeprägt ist: Geschichte zu erzählen. So hat er nicht nur eine luzide Analyse von Gewaltmechanismen in einem asymetrischen Konflikt vorgelegt, sondern zugleich eine historische Reportage, die das Kriegsgeschehen in Vietnam vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt und ihm zugleich eine fundierte Einordnung der Ereignisse an die Hand gibt.« (Thomas Speckmann, Rheinischer Merkur)

»Mit Krieg ohne Fronten legt der Hamburger Historiker nun eines der bedeutendsten Bücher vor, die bislang über diesen Krieg geschrieben wurden.[…] Im Zentrum steht nicht die Anklage, sondern die Analyse der Ursachen und Voraussetzungen der amerikanischen Kriegsverbrechen in Vietnam.[…] Die methodische Stärke der Studie liegt darin, dass sie die Logik des Militärischen ernst nimmt und auf allen Hierarchieebenen konsequent durchdekliniert.« (Manfred Berg, sehepunkte)

Kurzbeschreibung

Nominiert für den Grawemeyer Award for Ideas Improving World Order 2011 Willi Paul Adams Award 2009 für das beste nichtenglischsprachige Buch zur amerikanischen Geschichte verliehen von der Organization of American Historians (OAH). Ausgezeichnet als bestes historisches Buch des Jahres 2008 im Wettbewerb des Magazins DAMALS Ausgezeichnet als bestes Buch in der Kategorie außereurpäische Studien im Buchwettbewerb von H-Soz-u-Kult SZ-Bestenliste des Monats November 2007, Platz 1 »Ich hatte meine Waffe auf Automatik gestellt. Deshalb kann man nicht sagen, wie viele man erschossen hat. Ich habe vielleicht 10 oder 15 von ihnen erschossen.« »Männer, Frauen und Kinder?« »Männer, Frauen und Kinder.« »Und Babys?« »Und Babys.« »Sind Sie verheiratet?« »Ja.« »Kinder?« »Zwei.« »Wie alt?« »Der Junge ist zweieinhalb, das Mädchen anderthalb.« »Dann drängt sich doch die Frage auf, wie der Vater von zwei kleinen Kindern Babys erschießen kann.« »Keine Ahnung. Es kommt halt vor.« »Wie viele Menschen wurden an diesem Tag erschossen?« »Ich schätze an die 370.« So beschrieb Paul Meadlo in einem 1969 von CBS ausgestrahlten Interview das Massaker von My Lai. Die Bilder der zerstörten Dörfer, der von Napalm verbrannten Kinder, von einem Land, auf das mehr Bomben geworfen wurden als auf alle Schauplätze des Zweiten Weltkrieges zusammen, prägen die Erinnerung an den Vietnamkrieg und die Jahre zwischen 1965 und 1975. Bernd Greiner beschreibt die Geschichte hinter diesen Bildern. Er geht der Frage nach, weshalb sich die USA überhaupt auf den Konflikt einließen und warum sie den Krieg selbst im Wissen um eine unausweichliche Niederlage weiterführten. Wie viele Gräueltaten in Vietnam verübt wurden, wird sich nie beantworten lassen. Deutlich wird indes, dass sie keineswegs die Ausnahme waren und mitnichten nur auf das Konto vereinzelter Exzesstäter gingen. Ausführlich werden Einheiten wie die »Tiger Force« und andere Todesschwadronen porträtiert und Operationen wie »Speedy Express« geschildert, in deren Verlauf knapp 11 000 Menschen getötet, aber nur 750 Waffen erbeutet wurden. An diesen Beispielen wird deutlich, wie Absicht und Zufall, Planung und Unvorhersehbares zusammenwirkten und zu einer Radikalisierung kriegerischer Gewalt führten wie aus regulären Verbänden marodierende Haufen wurden, wie Routineeinsätze in Massakern endeten. Nicht zuletzt kommen die Reaktionen von Politikern, Militärs und der Öffentlichkeit zur Sprache und mit ihnen die Art und Weise, wie in den USA über Kriegsvölkerrecht diskutiert wurde ein Thema, dessen Echo bis in unsere Tage nachhallt. Diese Annäherung an den Krieg war nur auf Grundlage eines Aktenbestandes möglich, der zwar seit 1994 zugänglich ist, aber bis dato kaum Beachtung gefunden hat: der riesige Bestand der »Vietnam War Crimes Working Group« und der »Peers-Kommission«. Bernd Greiner legt die weltweit erste Buchpublikation vor, die mit diesen Quellen arbeitet, und rekonstruiert mit ihrer Hilfe die hintergründige Aktualität des Vietnamkrieges eines asymmetrischen Krieges zwischen vermeintlich starken und vorgeblich schwachen Kontrahenten, die sich mit grundverschiedenen Mitteln und vor allem mit einer diametral entgegengesetzten Strategie bekämpften. So gesehen, gewinnt auch der historische Ort des Vietnamkrieges eine unerwartete Kontur: Er wird als »Brücke« zwischen den heißen Kriegen im Kalten Krieg und den »kleinen Kriegen« unserer Gegenwart wie der absehbaren Zukunft kenntlich.

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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
My Lai 10. Oktober 2009
Von Dr. Jens P. Becker TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
Dies ist die Paperbackausgabe des Buches, das vor zwei Jahren erschienen ist und das inzwischen auch in einer englischen Ausgabe bei der Yale University Press erschien. Man kann dem Buch des Hamburger Historikers Bernd Greiner nur weltweite Verbreitung wünschen. Greiner hat sich bei seiner Untersuchung auf Quellen gestützt, die bisher von Historikern kaum genutzt wurden. Die nach einer zwanzigjährigen Sperrfrist 1994 zugänglich gewordenen Akten der "Vietnam War Crimes Working Group" bieten für Historiker eine Goldgrube. Dies ist die erste Untersuchung, die sich dieser (und anderer Akten) bedient, um eine schonungslose Innenansicht dieses schmutzigen Krieges am Beispiel der Kriegsverbrechen geben und präsentiert so eine etwas andere als die geläufige Rekonstruktion des Kriegsalltags. "and though it is not really war, we'll send a fifty-thousand more", sang damals Phil Ochs. Ist es ein richtiger Krieg? Gilt die Haager Landkriegsordnung? Dieses Buch stellt die Fragen nach Recht und Gesetz, nach Kriegsrecht und militärischer Rechtskultur. Vielleicht sollte jeder Politiker, der sich zu Afghanistan äußert, ob in den USA oder in Deutschland, einmal dieses hervorragende Buch lesen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Bernd Greiner beschreibt in seinem Band "Krieg ohne Fronten" die Dynamik von asymmetrischen Kriegen anhand der Greultaten in Vietnam. Wer verstehen will, warum die Kriege der heutigen Zeit - Afghanistan, Irak etc. - so ausarten, erhält hier die Antworten.

Von 1965 bis 1973 führten die Vereinigen Staaten einen Krieg in Vietnam, um den Vormarsch der Kommunisten zu stoppen. Die USA waren nämlich von der Angst besessen, dass falls Südvietnam in die Hände des Vietcong fallen würde, dies einen Dominoeffekt ausgelöst hätte und der Kommunismus sich alsbald in der Region unaufhaltsam ausbreiten würde. Die USA planten einen schneller Sieg, doch der Krieg wurde für die USA zu einem Desaster und tausende von Menschen starben bei den Kriegshandlungen. Den 50.000 getöteten US-Soldaten stehen etwa 440.000 Vietnamesen gegenüber. Hinzu kommen noch über 600.000 getötete Zivilisten. Damit gilt der Vietnamkrieg als einer der gewalttätigsten Kriege und niemals zuvor oder danach wurden so viele Vernichtungsmittel eingesetzt wie hier. "Amerika gewinnt die Kriege, die es anfängt."
Warum waren die militärisch weit überlegenen Amerikaner nicht in der Lage die Truppen des Vietcong zu besiegen? Wie konnte es überhaupt zu so einer hohen Zahl an getöteten Zivilisten kommen? Warum wurden die Greultaten lange Zeit verschwiegen?
Dies sind nur einige der Fragen die der Hamburger Historiker und Politologe Bernd Greiner in dem Band "Krieg ohne Fronten" beantwortet. Der Vietnamkrieg war ein asymmetrischer Kriege. Bei dieser Art von Kriegsführung kämpft ein starker Gegner gegen einen schwachen. Diese Art von Kriegen finden zur Zeit viele statt, sei es in Afghanistan oder Irak. Immer erhofft sich die starke Partei eine schnelle Entscheidung durch ihre militärische Übermacht. Doch wie auch die jüngsten Beispiele zeigen, gelingt es nicht. Einer der Fehler, der Kriegsmächte ist, wie Greiner darlegt, dass diese Kriege mit Schlachtplänen aus der Vergangenheit begangen werden. Denn was damals funktionierte, sollte auch heutzutage zum Erfolg führen. Doch asymmetrische Kriege haben eine eigene Dynamik und verlangen andere Strategien.
Bei einem asymmetrischen Krieg kann die stärkere Partei nur gewinnen, wenn sie schnelle Erfolge vorweisen kann. Je länger der Krieg dauert, desto besser ist es für den schwachen Gegner. Da die Bevölkerung in demokratischen Ländern zusehends den Krieg hinterfragt, vor allem wenn immer mehr eigene Landsleute fallen.
In Vietnam bestand die Taktik des Vietcong in gezielten Vorstößen, die die Amerikaner aus der Reserve locken und in unsinnige Manöver verstricken sollten. Viele der Kriegsplätze waren hart umkämpft, im Grunde waren sie aber unbedeutend. "Vietnam als solches war nicht bedeutend. Was am Beispiel Vietnam zählte, war, dass Freunden und Verbündeten demonstrativ amerikanische Unterstützung und unseren Feinden amerikanische Willensstärke vor Augen geführt wurde."
Obwohl den Amerikanern schnell klar wurde, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, bestanden die verschiedenen US-Präsidenten auf einer Fortsetzung des Krieges. "Wir mussten die Sache durchstehen...In Vietnam geht es zu 70 Prozent darum, nicht gedemütigt zu werden."
Nachdem es erste Berichte über Massaker - My Lai - durch amerikanische Soldaten gab, führte das Verteidigungsministerium umfangreiche Untersuchungen durch. Diese Akten wurden dann zwanzig Jahre unter Verschluss gehalten und erst 1994 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Greiner ist einer der ersten, der in mühsamer Arbeit tausende von Archivboxen gelesen und ausgewertet hat. In mehreren Kapiteln erklärt er zunächst die Dynamik von asymmetrischen Kriegen und behandelt dann die Absichten und Handlungen der Generäle, Offiziere und einfacher Soldaten. Diese iefen oft tagelange ziellos durch den Dschungel und empfanden immer mehr Wut auf alle Vietnamesen. Diese Wut wurden zudem von den Offizieren gefördert und die Soldaten fühlten sich als Versuchskaninchen ihrer Vorgesetzten. Es sollte eine Grenze gezogen werden zwischen Them and us. Deshalb erhielten die Vietnamesen abwertende Spitznamen und bald wurde kaum noch Unterschieden zwischen Kämpfern des Vietcong und Zivilisten.
Für die Oberbefehlshaber der Armee war ein Krieg nur erfolgreich, wenn es einen hohen Body count gab. Deswegen wurden viele getötete Zivilisten im Nachhinein als Soldaten deklariert. Es wurde wahllos geschossen, geplündert, vergewaltigt. Die amerikanischen Soldaten empfanden das Töten als eine Erleichterung, als ein Triumph über den Tod. "Ich sah nichts falsches, sonst hätte ich doch Gewissenbisse gehabt."
Doch nicht nur die Amerikaner töteten unschuldige Zivilisten, auch der Vietcong benutzte die Menschen als Schutzschilde und setzte sie gezielt dem amerikanischen Hass aus. Und die Amerikaner standen unter einem hohen Erfolgsdruck, war der Krieg doch ein Stellvertreterkrieg im kalten Krieg zwischen den USA und Russland. "Im Falle einer Niederlage in Vietnam wird das amerikanische Volk sich nie wieder an anderen Orten behaupten."
Auch der Frage nach der Strafverfolgung der Kriegsverbrechen geht Greiner nach. "Es wurde vertuscht, weil es im Interesse des Landes war."
Bernd Greiner hat ein wichtiges, bedeutendes Werk geschaffen. Es ist sehr informativ und seine Aussagen werden durch viele Belege verifiziert. Wobei der Autor die Befürchtung hat, dass die Akten, die er eingesehen hat, demnächst wieder unter Verschluss gehalten werden. Mit seinem veröffentlichten Buch aber vieles nie mehr vergessen wird. Wer asymmetrische Kriege verstehen will und warum Soldaten zu Massakern neigen und Unschuldige töten, wer die Bilder von den amerikanischen Soldaten in Abu Ghraib gesehen hat und sich fragt, wie es so weit kommen konnte, muss das Buch lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ewald Judt HALL OF FAME REZENSENT TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
Bernd Greiner, Professor an der Universität Hamburg, der auch als Historiker und Politikwissenschafter am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig ist, hat über 40 Jahre nach Ende des Vietnamkriegs mit Krieg ohne Fronten - Die USA in Vietnam" (Hamburger Edition, Hamburg 2007) weniger ein Buch geschrieben, das die Geschichte des Vietnamkriegs aufzeigt, sondern insbesondere wie es zu dieser Art des asymmetrischen Krieges ohne Fronten und ihrer Gräuel und Massaker kam. Viele Jahre nach Ende des Vietnamkriegs hat er nach umfassender Forschung seine scharfsinnige Analyse der dort stattgefundenen Kriegsverbrechen vorgelegt. Interessant findet er, dass die Presse, die im Gegensatz zu nachfolgenden Kriegen ungehinderten Zugang zur Kriegsszene hatte, die Art des Krieges und das Sterben insbesondere vietnamesischer Zivilisten lange Jahre ignorierte und erst in einem späten Stadium - aufgerüttelt vor allem durch das My Lai-Massaker - darüber berichtete. Das Verdienst hiefür- das stellt Greiner klar - gehört Seymour M. Hersh, der über den Dispatch News Service der Berichterstattung über die Kehrseite des Vietnamkriegs den Durchbruch verschaffte. Der Grund, woher die überschießende Gewalt im Vietnamkrieg herrührt, sieht Greiner in der Dynamik eines asymmetrischen Krieges, eines Krieges wo die Konfliktparteien mit qualitativ anderer Ausrüstung, mit unterschiedlich geschulten Kämpfern und einem im Grundsatz verschiedenen Verständnis von Krieg aufeinandertreffen. Und all das traf in Vietnam zu: eine Konfrontation einer vermeintlich starken und einer vermeintlich schwachen Kriegspartei, wobei materielle Überlegenheit nicht von Vorteil sein muß, sondern oft ein Fluch ist. In einem solchen Kriegsmilieu sieht Greiner eine hohe Bereitschaft zu exzessiver Gewalt. Nach einer Einleitung beschreibt Greiner in 5Kapiteln die Rollen der Kriegsherren", der politischen Befehlshaber, der Generale, der Offiziere und der Krieger" und der Richter. Eingeschoben sind Kapitel über die die Hintergründe der bekanntesten Kriegsverbrechen - 1967: Die Todesschwadronen in den nördlichen Provinzen; 1968: Die Massaker von My Lai" und My Khe", 1968-71: Abnutzungskrieg in den südlichen Provinzen. Insgesamt ist Krieg ohne Fronten - Die USA in Vietnam" nicht nur ein spannend zu lesendes, sondern mit vielen Fußnoten und einem großen Literaturverzeichnis auch überzeugendes wissenschaftliches Werk. Es zeigt darüber hinaus, dass dieser/der Krieg völlig untauglich Mittel war/ist, um politische Ziele zu erreichen. Es wäre interessant zu wissen, was wohl in 40 Jahren Wissenschafter über Gräuel und Massaker in den Kriegen in Afghanistan und dem Irak schreiben werden. P.S.: Eine Zusammenschau dieses Krieges, seiner Vor- und seiner Nachgeschichte hat Marc Frey in der Geschichte des Vietnamkriegs", die mittlerweile beim C.H.Beck Verlag in 8. Auflage vorliegt, vorgenommen.
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