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Krieg ohne Fronten
 
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Krieg ohne Fronten [Gebundene Ausgabe]

Bernd Greiner
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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""Ich hatte meine Waffe auf Automatik gestellt. Deshalb kann man nicht sagen, wie viele man erschossen hat. Ich habe vielleicht 10 oder 15 von ihnen erschossen."-"Männer, Frauen und Kinder?"-"Männer, Frauen und Kinder."-"Und Babys?"-"Und Babys."-"Sind sie verheiratet?"-"Ja."-"Kinder?"-"Zwei."-"Wie alt?"-"Der Junge ist zweieinhalb, das Mädchen anderthalb."-"Dann drängt sich doch die Frage auf, wie der Vater von zwei kleinen Kindern Babys erschießen kann."-"Keine Ahnung. Es kommt halt vor."-"Wie viele Menschen wurden an diesem Tag erschossen?"-"Ich schätze an die 370."So beschrieb Paul Meadlo in einem 1969 von CBS ausgestrahlten Interview das Massaker von My Lai. Die Bilder der zerstörten Dörfer, der von Napalm verbrannten Kinder, von einem Land, auf das mehr Bomben geworfen wurden als auf alle Schauplätze des Zweiten Weltkrieges zusammen, prägen die Erinnerung an den Vietnamkrieg und die Jahre zwischen 1965 und 1975.

Bernd Greiner beschreibt die Geschichte hinter diesen Bildern. Er geht der Frage nach, weshalb sich die USA überhaupt auf diesen Konflikt einließen und warum sie den Krieg selbst im Wissen um eine unausweichliche Niederlage weiter führten. Wie viele Gräueltaten in Vietnam verübt wurden, wird sich nie beantworten lassen. Deutlich wird indes, dass sie keineswegs die Ausnahme waren und mitnichten nur auf das Konto vereinzelter Exzesstäter gingen. Ausführlich werden Einheiten wie die"Tiger Force"und andere Todesschwadrone porträtiert und Operationen wie"Speedy Express"geschildert, in deren Verlauf knapp 11000 Menschen getötet, aber nur 750 Waffen erbeutet wurden.
An diesen Beispielen wird deutlich, wie Absicht und Zufall, Planung und Unvorhersehbares zusammenwirkten und zu einer Radikalisierung kriegerischer Gewalt führten - wie aus regulären Verbänden marodierende Haufen wurden, wie Routineeinsätze in Massakern endeten. Nicht zuletzt kommen die Reaktionen von Politikern, Militärs und der Öffentlichkeit zur Sprache und mit ihnen die Art und Weise, wie in den USA über Kriegsvölkerrecht diskutiert wurde - ein Thema, dessen Echo bis in unsere Tage nachhallt.
Diese Annäherung an den Krieg war nur auf Grundlage eines Aktenbestandes möglich, der zwar seit 1994 zugänglich ist, aber bis dato kaum Beachtung gefunden hat: der riesige Bestand der"Vietnam War Crimes Working Group"und der"Peers-Kommission".

Bernd Greiner legt die weltweit erste Buchpublikation vor, die mit diesen Ouellen arbeitet und rekonstruiert mit ihrer Hilfe die hintergründige Aktualität des Vietnamkrieges - eines asymmetrischen Krieges zwischen vermeintlich starken und vorgeblich schwachen Kontrahenten, die sich mit grundverschiedenen Mitteln und vor allem mit einer diametral entgegen gesetzten Strategie bekämpften. So gesehen, gewinnt auch der historische Ort des Vietnamkrieges eine unerwartete Kontur: Er wird als"Brücke"zwischen den heißen Kriegen im Kalten Krieg und den"kleinen Kriegen"unserer Gegenwart wie absehbaren Zukunft kenntlich."

Über den Autor

Bernd Greiner ist Leiter des Arbeitsbereichs "Theorie und Geschichte der Gewalt" am Hamburger Institut für Sozialforschung und Professor am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Universität Hamburg.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Apocalypse now 24. Januar 2008
Diese Schilderung des Vietnamkriegs mit besonderer Betonung des Massakers von My Lai, den Voraussetzungen dazu und dessen Verarbeitung in der amerikanischen Bevölkerung ist eine hervorragend recherchierte und dokumentierte Bearbeitung dieses schwierigen Themas. Es ist aber noch mehr. Zum ersten Mal wird wirklich klar und verständlich, wo die für die US Soldaten unlösbare Aufgabe dieses Krieges lag, nämlich in der Umsetzung einer absurden Strategie. Die Amerikaer operierten auf Südvietnamesischem Boden. Den Bodenkrieg nach Nordvietnam zu tragen, wagte man aus Angst vor einer direkten Konfrontation mit den benachbarten Chinesen nicht. Man beschränkte sich auf Luftangriffe. In Südvietnam wurde die südvietnamsiche Guerilla und die einsickernde nordvietnameische Armee bekämpft. Ein Sysiphos-Krieg, der von der Bevölkerung nicht mitgetragen werden konnte. Um die Kriegsführung zu "vereinfachen", wurden in Grenznähe zu Nordvietnam ganze Landstriche durch Umgesiedlung entvölkert, um ein Vakuum zu erzeugen, das wiederum Nordvietnams Soldaten anlocken sollte. Diese wurden dann - auf südvietnamesischem Boden - vernichtet, mit dem Endziel, den Gegner so zu schwächen, dass er kapitulieren müßte. Die US Soldaten wurden nach "body count" bewertet, was auf Dauer dazu führte, dass fallweise jeder, der in diesen Zonen angetroffen wurde, ob Mann, Frau oder Kind, als Zuträger der Nordvietnamesen exekutiert wurde. Viele Bauern wollten ihre Dörfer nicht verlassen und besiegelten damit ihr Schicksal. Ein Buch, dass - obwohl es wissenschaftlichen Charakter hat und daher mit vielen Zitaten und Fußnoten ausgestattet ist - spannend zu lesen ist und einen umfassenden und plastischen Einblick gewährt, auch noch Jahrzehnte nach dem Geschehen.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mythos Vietnam 21. Oktober 2007
Von Martin I.
Apocalypse Now, Platoon und andere Kriegsfilme waren die bittere Realität, real, wie es Todesschwadronen bzw. Einheiten des Colonel Kurtz gab, sinnlose Zerstörungen und Aktionen wie des Lieutenant Colonel Bill Kilgore, Verhörmethoden wie 'airborne interreogation', Folter und Vergewaltigung ohne Feindeinwirkung. Der Glaube, Massaker wie My Lai wären in Vietnam die Ausnahme gewesen, revidiert der Autor bis in kleinste Detail, sofern man ihm überhaupt Zugang zu den Quellen gestattete. 26 Millionen Bombenkrater in Vietnam, mehr als 2 Millionen tote Vietnamesen bei 58.000 eigenen Opfern zeigt, dass hier die Militärische Führung und die Politik die Genfer Konventionen nicht nur nicht eingehalten sondern bewusst durch oberste Direktiven dagegen verstoßen hatte.
Kriegsverbrechen, und das ist die Tragik, wurden entweder vertuscht, durch militärische Vorgesetzte wenn überhaupt 'nur' abgemahnt, die Beschuldigten aus der Armee entlassen um kein Militärgerichtsverfahren anstrengen zu können oder lächerliche Urteile vollzogen wie z.B. gegen den Hauptbeschuldigten bei My Lai mit 44 Monaten Hausarrest.

'Man muss bedenken', so der verhandelnde Richter Robert Elliot, 'dass Krieg eben Krieg ist ... das war in der Geschichte schon immer so. So war es auch, als Joshua in biblischen Zeiten Jericho einnahm ... Und Joshua wurde nicht wegen des Gemetzels unter den Zivilisten von Jericho angeklagt. Sondern der Herr war mit Joshua.'

Ein Krieg ohne Fronten und dies zeigt der Autor mit bestechender Schärfe auf, führt immer zu einem Angleichen der Methoden. Es gibt dann keine 'Guten'.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie soll man anfangen eine Rezension zu schreiben, wenn man noch total gefesselt und vereinnahm ist von diesem Buch. Zum Inhalt möchte ich gar nichts hinzufügen oder wiederholen, dazu kann man sich einfach die Inhaltsangabe durchlesen.
Es ist kein Buch welches man einfach im kreise der Familie am Kaminfeuer liest, oder einfach zur Hand nimmt wenn man mal 5 Minuten Zeit hat. Bei jeder Seite wird man vom Autor gefordert und dies zurecht, die schwere des Krieges war zu enorm. Sollte man hier allerdings ein Buch erwarten welches polemisch gegen die USA vorgeht, ist man hier falsch. Dieses Buch klärt auf, macht traurig und manchmal habe ich mich auch dabei ertappt, wie man aber auch Verständnis für die GI's und die Zivilbevölkerung gleichzeitig hatte.
Im gleichen Zeitraum habe ich die Filme Platoon und Apokalypse now gesehen, teilweise sogar im Zusammenhang mit dem Buch und habe am eigenen Körper den Wechsel der Sichtweise erlebt.

In Vietnam gab es von allem mehr...Bitte auch mehr von Bücher dieser Art
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