Diese Schilderung des Vietnamkriegs mit besonderer Betonung des Massakers von My Lai, den Voraussetzungen dazu und dessen Verarbeitung in der amerikanischen Bevölkerung ist eine hervorragend recherchierte und dokumentierte Bearbeitung dieses schwierigen Themas. Es ist aber noch mehr. Zum ersten Mal wird wirklich klar und verständlich, wo die für die US Soldaten unlösbare Aufgabe dieses Krieges lag, nämlich in der Umsetzung einer absurden Strategie. Die Amerikaer operierten auf Südvietnamesischem Boden. Den Bodenkrieg nach Nordvietnam zu tragen, wagte man aus Angst vor einer direkten Konfrontation mit den benachbarten Chinesen nicht. Man beschränkte sich auf Luftangriffe. In Südvietnam wurde die südvietnamsiche Guerilla und die einsickernde nordvietnameische Armee bekämpft. Ein Sysiphos-Krieg, der von der Bevölkerung nicht mitgetragen werden konnte. Um die Kriegsführung zu "vereinfachen", wurden in Grenznähe zu Nordvietnam ganze Landstriche durch Umgesiedlung entvölkert, um ein Vakuum zu erzeugen, das wiederum Nordvietnams Soldaten anlocken sollte. Diese wurden dann - auf südvietnamesischem Boden - vernichtet, mit dem Endziel, den Gegner so zu schwächen, dass er kapitulieren müßte. Die US Soldaten wurden nach "body count" bewertet, was auf Dauer dazu führte, dass fallweise jeder, der in diesen Zonen angetroffen wurde, ob Mann, Frau oder Kind, als Zuträger der Nordvietnamesen exekutiert wurde. Viele Bauern wollten ihre Dörfer nicht verlassen und besiegelten damit ihr Schicksal. Ein Buch, dass - obwohl es wissenschaftlichen Charakter hat und daher mit vielen Zitaten und Fußnoten ausgestattet ist - spannend zu lesen ist und einen umfassenden und plastischen Einblick gewährt, auch noch Jahrzehnte nach dem Geschehen.