Eigentlich muss man nur mäßig schlau sein um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Gewalt, Krieg und Folter immer nur neuen Hass erzeugt.
Ein Paradebeispiel des Scheiterns für die Konfliktlösung durch neue Gewaltanwendung ist der israelisch - palästinensische Konflikt. Drewermann schreibt dazu, auf Seite 21: Die Politik hat nicht zu rächen, was gesehen ist, sondern dafür zu sorgen, dass es nicht wieder geschieht. Und weiter auf Seite 75: Seit rund 35 Jahren schlagen die israelische Armee und der Geheimdienst fast täglich auf Steine werfende Kinder und Selbstmordattentäter ein - ohne Erfolg. Der Gaza Streifen ist nicht einmal so groß wie die Stadtfläche von Berlin. Wenn es nicht möglich ist, mit der mächtigsten Armee der Region den Terrorismus der Verzweifelten zu unterdrücken, wann eigentlich will man dann lernen, dass Gewalt gegen Gewalt nur die Quadratur der Gewalt ist, aber nicht deren Auslöschung bedeutet?
Drewermann schreibt auf Seite 68: Man greift nicht ein ganzes Land an, um einige Terroristen zu fangen, man riskiert nicht tausende von Toten als Kollateralschäden wenn man wirklich Menschen helfen will . . .
Drewermann empört sich zurecht darüber, wie der Begriff Verantwortung im Sinne der Realpolitik verwendet wird um den Krieg als politische Option als unausweichlich darzustellen. Pazifisten sind demgemäss blauäugige Tagträumer, betroffenheitsethische Wirrköpfe oder einfach nur neurotische Weicheier, Drückeberger und Weggucker. (Seite 32)
Für Drewermann ist Frieden keine Utopie, sondern ein ganz realistische Möglichkeit. Er verweißt dabei auf Nelson Mandela. Auf Seite 25 schreibt er: Ein wunderbares Beispiel bietet Südafrika unter Nelson Mandela. Er und sein Freund Erzbischof Desmond Tutu riefen 1995 eine Wahrheits- und Versöhnungskonferenz aus. Opfer wie Täter aus den jahrzehnten der Apartheid sollten öffentlich einander sagen, was sie erlebt hatten. Es würde keine Strafen geben, denn sonst versänke Südafrika in Blut. Man würde miteinander leben lernen. Alle Beschuldigten mit ihren zum Teil monströsen Vergehen würden sich auf den Weg machen müssen, um gütlich zusammenzuleben. Nur so verhinderte man eine drohende Explosion von Massaker, Terror und Lynchjustiz.