Über Zeichen wurden ja schon viele kluge Bücher geschrieben. Und einige sind noch heute unübertroffen. Zumindest was die analytische Brillanz betrifft. Beim Bildmaterial haperte es jedoch oft. Entweder weil es zu sparsam eingesetzt wurde, oder weil es zu alt oder zu abgehoben war. Weil Markus Hanzer dies wesentlich besser macht und mit seinem reichhaltigen Anschauungsmaterial eine Lücke füllt, erhält sein Buch von mir die Maximalnote. Ob akademische Semiotiker oder mehr praktische orientierte Zeichendeuter, beide Fraktionen werden diese Bildersammlung dankbar entgegennehmen. Denn die Beispiele decken nicht nur eine große Themenpalette ab, sondern geben auch Varianten verschiedenster Kulturen wieder.
Markus Hanzer, Wiener Designer, Dozent und Mitbegründer der Agentur mira4, hat seine gesammelten Spuren urbaner Räume nach folgenden Kapiteln geordnet: Kriegsparteien & Waffengattungen - Optimierung der Medientechnik - Wodurch Zeichen Macht ausüben - Kampf der Kulturen - Historische Dimensionen - Raumordnung und Schlachtfelder - Kampf um Kunden - Information & Orientierung - Kampf gegen das Vergessen - Verteidigung privater Positionen - Friedensverhandlungen - Optische Heimat. In jeder dieser Schubladen hat es zahlreiche Unterabteilungen, zu denen der Autor sich verlautbaren lässt. Bei vielen dieser Texte fragte ich mich allerdings, ob Markus Hanzer inzwischen allzu viel Hochschulluft eingeatmet hat. Oder vielleicht liegen gewisse Längen auch am Konzept, zu jedem Unterkapitel mindestens eine Seite lang zu sprechen. Jedenfalls wäre mir manchmal ein glasklarer und einziger Satz lieber gewesen als Hanzers Erläuterungen. Kommentare hätte ich mir dafür bei der Literaturliste gewünscht, auf der ich einige interessante Titel vermisste. Vor allem nachdem ich feststellen musste, dass der zur Webseite führende Link nicht funktionierte. Aber wie man sieht, können diese kleinen Mängel meine Freude an Hanzers Bildersammlung nicht schmälern. Und wem empfehle ich, die vierzig Euro zu investieren? Sicher allen Grafikern, die sich im Spurenlesen weiterbilden wollen, Zeichen auch als sichtbare Ergebnisse des Unbewussten sehen und daran interessiert sind, wie so genannte Laien offene und geschlossene Räume, gewöhnliche und merkwürdige Objekte, Worte und Sätze gestalten. Empfehlen kann ich es zudem Lesern, die an Semiotik interessiert sind und vorhandenes Wissen durch neue Texte ergänzen wollen. Und wer einfach Spaß an einer ungewöhnlichen Sammlung menschlicher Kreativität hat, kommt ohnehin auf seine Rechnung.
Mein Fazit: Alles, was der Klappentexter verspricht, verrät Markus Hanzer und seine Bilderwelt zwar nicht. Aber allzu Vollmundiges glaubt ja ohnehin fast niemand mehr. Mir gefällt das Buch vor allem, weil mich die Fülle an Bildern beeindruckt und dazu ermuntert, weiterhin selber nach Spuren menschlicher Orientierungslust oder -pflicht zu suchen.