Endlich wieder ein reiner Kultur - Roman. Ian Banks hat sich besonnen und ist zurückgekehrt zum unvergleichlichen Kultur Universum. Das es in "Krieg der Seelen" eine Reihe neuer Zivilisationen mit unterschiedlicher Beziehung zur Kultur gibt, finde ich besonders interessant.
Zum Inhalt (Klappentext kann man wie gewohnt vergessen). Es gibt eine Reihe von Handlungsebenen die sich auf verschiedener Art und Weise mit der zentralen Frage - der Konfliktion (ja so heißt das) um die Höllen befassen. Einige höherstehende Zivilisationen haben "unsere" kirchlichen Vorstellungen von der Hölle in die "virtuelle Realität" umgesetzt. Die technologische Möglichkeit, sein Bewusstsein vor dem Tod zu transferieren hat dazu geführt, dass die "Sünder" in einer virtuellen Hölle für ihre Sünden bestraft werden können und dort Qualen aller Art erleiden müssen und das wieder und wieder, sozusagen bis sie gänzlich "von der Festplatte" gelöscht werden. Zivilisationen, die das ablehnen haben dafür die Möglichkeit geschaffen, das Bewusstsein wieder in einen neuen Körper zu transformieren, so dass der Tod quasi überwunden wird.
Banks wäre nicht Banks, wenn der Leser sofort erfährt, worum es in den einzelnen Handlungssträngen geht und auch das Ende ist nicht ganz so, wie es der Leser erwartet - einfach toll, für mich ist es ein offenes Ende, womit eine mögliche Fortsetzung offen bleibt.
Für alle, die die Kultur noch nicht kennen, das Buch lässt sich auch ohne "Kultur-Erfahrung" lesen und verstehen.
Science Fiction ist nur dann echt und lesenswert, wenn man daraus ein Konzept für ein Leben in der Zukunft ableiten kann und das gelingt Banks nicht nur überzeugend, sondern mit einer Genialität, dass man unseren realen heutigen Politikern nur nahe legen kann, sich mal mit Kultur zu beschäftigen und das nicht nur im wahrsten Wortsinne. Dieser Zukunftsentwurf - auch wenn er tausende von Jahren in einer vielleicht nie zu erreichenden Zukunft liegt - ist das Beste was die Science Fiction zu bieten hat. Da kann das Wüstenplanet Universum genauso wenig mithalten, wie Asimovs's Psychohistorie. Die Kultur toppt alles.
Was den Leser allerdings immer wieder schwer fällt, ist sich für eine Seite zu entscheiden - sozusagen mit dem Helden mitzuleben, mitzuleiden ihm/ihr die Daumen zu drücken. Die biologischen Entitäten - auch die gibt es hier - kommen oft nicht ganz so gut weg und die eigentlichen "Helden", die Schiffe der Kultur haben "nicht nur alle Zeit der Welt" sondern sind immer auf der Suche "nach dem Kick".
Das beginnt mit den wahnwitzigen Namen der Schiffe, wie "Meine Wenigkeit ich zähle" oder "Aus dem Rahmen normaler moralischer Restriktionen fallend" und endet mit den lockeren Gesprächen zwischen den Schiffen, die wohl das Witzigste in der Science Fiction darstellen, was ich kenne.
Ich kann und will nicht zu viel über den eigentlichen Inhalt verraten, meine Lobeshymne soll eher animieren, sich unbefangen auf die Kultur und ihre verschiedenen Organisationen wie "Quietus", die "Besonderen Umstände" oder "Restoria" einzulassen. Das hier noch eine ganze Reihe von Zivilisationen mit der Kultur interagieren und wie Banks - typisch auch kriegerisch miteinander verkehren, erhöht eher den Spaßfaktor noch um ein gutes Stück - wie gesagt, verraten sei nichts - einfach nur viel Vergnügen, ein herrliches Buch.