Aus der Amazon.de-Redaktion
Krieg, Politik und Diplomatie ist eine längst zum Klassiker avancierte Essaysammlung, die der amerikanische Historiker und Deutschland-Experte Gordon A. Craig erstmals 1966 (deutsch 1968) und nun in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe vorgelegt hat. Zu den neu aufgenommenen Beiträgen gehört neben einem Aufsatz über "Konrad Adenauer und seine Diplomaten" ein ausgesprochen interessantes Lehrstück, das dem Thema Presse und internationale Beziehungen, genauer gesagt der "Chequers-Affäre von 1990" gewidmet ist.
In Chequers, dem Landsitz der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und auf deren Einladung traf sich am 24. März 1990 eine prominent besetzte Runde von Historikern und Politikern zu einem, wie es in der Einladung hieß, "sehr informellen Gespräch (mit der Premierministerin) über die Lehren, die aus der Geschichte Deutschlands für die Behandlung der deutschen Vereinigung und des vereinigten Deutschland (...) gezogen werden können".
Zunächst fand dieses Treffen in der (deutschen) Presse kaum Widerhall, obwohl deren gut unterrichtete Kreise nachweislich über die Zusammenkunft und auch über manche Einzelheit des Treffens sehr wohl informiert waren. Einige Monate später aber überschlug man sich anlässlich einiger ungewöhnlich schroff antideutscher Äußerungen des britischen Handelsministers Nicholas Ridley in einer verspäteten Berichterstattung über das nun plötzlich angeblich nach manchem Bericht gar "geheime" Chequers-Treffen, mit dem die Äußerungen freilich eigentlich gar nichts zu tun hatten. Doch weil man vermutete, Ridleys Auffassungen spiegelten die Meinung Margaret Thatchers und ihrer gesamten Regierung, glaubte man Chequers in einem völlig neuen Licht interpretieren und kommentieren zu müssen. Zu Unrecht, wie Craig als Teilnehmer der Tagung einigermaßen überzeugend argumentiert.
Doch wie dem auch sei: Der Fall macht das Dilemma auch des Wissenschaftlers deutlich, der sich mit Fragen der neuesten Geschichte beschäftigt. Auch für ihn sind -- zumal während der Geheimhaltungsfristen von Regierungsakten -- Presseberichte oft wesentliche Quellen. Dass man diesen Quellen äußerst kritisch begegnen muss, dafür ist Chequers ein schlagendes Beispiel. --Andreas Vierecke
Pressestimmen
"Gordon A. Craig ist einer der besten Kenner der deutschen Geschichte." Volker Ullrich, Die Zeit "Fair im Urteil und frei von Überschwang." Wolf Lepenies, SZ "Ein Meister der historischen Vermittlung." Michael Jeismann, F.A.Z. "Craig beherrscht die große Kunst, das Frage- und Antwort mit der Geschichte so zu betreiben, daß der Leser merkt: Hier will jemand wirklich etwas mitteilend in Erfahrung bringen." Michael Jeismann, F.A.Z. "Die Sammlung ... wird auch für den lediglich allgemein interessierten Leser ein großer Lektüregewinn sein. Der Grund dafür ist in der präzisen Anschaulichkeit wie der elegant-lässigen Manier zu entdecken, mit der Gordon A. Craig schreibt und seine profunden Kenntnisse auszubreiten versteht." Johannes Willms, Süddeutsche Zeitung, 7./8.4.01