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Krieg in Kamerun: Die deutsche Kolonie im Ersten Weltkrieg
 
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Krieg in Kamerun: Die deutsche Kolonie im Ersten Weltkrieg [Broschiert]

Uwe Schulte-Varendorff
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Von den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkrieges außerhalb Europas ist kaum die Rede. Dabei wurden gerade unter den europäischen Kolonialmächten zum Teil brutale Stellvertreterkriege in der "Dritten Welt" ausgetragen, zumeist mit fürchterlichen Folgen für die einheimische Bevölkerung. So auch in der deutschen Kolonie Kamerun, die mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges von Franzosen und Engländern angegriffen wurde. Uwe Schulte-Varendorff hat sich mit diesem sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der wissenschaftlichen Literatur kaum gewürdigten Kriegsschauplatz beschäftigt. Er schildert die grausame Art der Kriegsführung, die Leiden der Afrikaner und die Auswirkungen auf die sogenannten Kolonialdeutschen. Das schließt auch die kritische Überprüfung der Legende von den "treuen Askari" ein, also das Verhältnis zwischen den einheimischen Soldaten und der deutschen Truppe. Ein erhellendes und zugleich bedrückendes Buch.

Über den Autor

Uwe Schulte-Varendorff, Jahrgang 1966, studierte Geschichts- und Literaturwissenschaften an der Universität Osnabrück. Seit 1994 ist er als freiberuflicher Geschichtswissenschaftler tätig. 1999 arbeitete er bei der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht in Osnabrück mit. Er hält zahlreiche Vorträge unter anderem zur deutschen Kolonialgeschichte.

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine solide Darstellung... 26. September 2011
Von Biographiensammler TOP 500 REZENSENT
hat Uwe Schulte-Varendorff mit dem Buch "Krieg in Kamerun. Die deutsche Kolonie im Ersten Weltkrieg" in der Reihe Schlaglichter der Kolonialgeschichte" vorgelegt.

Das Buch bietet einen sehr guten Überblick über den Verlauf des I. Weltkrieges in der damaligen Kolonie Kamerun und ist, trotz der ab und an sehr moralisierenden Wertungen des Autors der für meinen Geschmack den Pfad des beschreibenden Historikers beizeiten verlässt und sich als wertender Richter betätigt, gut lesbar und vermittelt ein anschauliches Bild der militärischen Auseinandersetzungen und des damaligen Lebens in der Kolonie. Unterstützt wird dies durch die Abbildung zahlreicher zeitgenössischer Photographien noch unterstützt wird. Schulte-Varendorffs Buch ist in neun Kapitel unterteilt und stellt die Gewalt gegen die einheimische Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt der gesamten Beschreibung.

Zunächst wird einführend (7 S.) der gewaltsame Aufbau der deutschen Kolonialherrschaft kurz skizziert und im Anschluss daran den Verlauf der Kriegshandlung zwischen Englischen, Französischen und Deutschen Kolonialstreitkräften darzustellen (20S.). Die Auseinandersetzungen sind in aller Kürze dargestellt und lassen sich auf der beigefügten Karte auch geographisch nachvollziehen. Da der Krieg im Dschungel sich deutlich von den Schlachtfeldern des I. Weltkrieges in Europa unterschied, von letzterem sind durch zahlreiche Bücher und Filme Vorstellungen vorhanden, hätte ich mir diese Beschreibung etwas tiefgehender gewünscht. Insbesondere die Problematik des Transportes durch Nachschub auf beiden Seiten in dem infrastrukturell kaum ausgebauten Gebiet, der ausschließlich durch den erzwungenen Einsatz von einheimischen Trägern erfolgte wird nur angerissen.

Das nächste und meiner Ansicht nach schwächste Kapitel (17. S) beschäftigt sich mit der Person des deutschen militärischen Befehlshabers und ist ein biographischer Abriss der Person mit dem Schwerpunkt von dessen Einsatz in der Kolonie bis zu Beginn des I. Weltkrieges. Hier findet sich auch die Masse der moralisierenden Wertungen.

Die zwei folgen und beide ausgezeichneten Kapitel gehen auf die brutale Kriegführung unter Missachtung der Haager Konvention beider Seiten untereinander (17S.) und vor allem gegen die einheimische Zivilbevölkerung (38 S.) ein, die, wie leider üblich im Kriege, am meisten zu leiden hatte. In diesem Falle wirkte sich noch verschärfen aus, das die einheimische Zivilbevölkerung Opfer von Kriegsparteien wurde, die sich als Weiße" als höherwertig ansahen und daher noch weniger Rücksicht nahmen.

Ebenfalls gut ist die anschließende sehr kritische Auseinandersetzung (17 S.) mit der späteren Verklärung der afrikanischen Soldaten, die zum Beleg der beliebten deutschen Kolonialherrschaft herangezogen wurde. Schulte-Varendorff weist nach, dass die Mythos kaum haltbar ist und es auch hier Desertation oder sogar Meutereien gegen die deutschen Offiziere gab.
Im Folgenden widmet er sich einem bisher kaum betrachteten Teil der militärischen Auseinandersetzung, der völkerrechtswidrigen Internierung und Deportation zivilen Kolonialdeutschen" , die als feindliche Staatbürger von den Alliierten aus der Kolonie abtransportiert wurden eine diplomatische und propagandistische Auseinandersetzung beider Seiten auslösten und einmal mehr belegen, dass die Zivilisten die größten Opfer im Krieg zu leisten haben.
In den beiden abschließenden Kapiteln gibt Schulze-Varendorff einen Überblick über die militärischen Auseinandersetzungen in den deutschen Kolonien (10 S.) und betrachtet die Nachkoloniale Zeit(12 S.) kritisch.
Insgesamt gesehen ein nicht nur für den kolonialgeschichtlich Leser ein durchaus empfehlenswertes Buch, das dabei hilft die heutigen brutal geführten Krieg in Afrika zu verstehen, die überwiegend die Folge einer verfehlten Kolonialpolitik aller europäischen Kolonialmächte und des brutalen Vorgehens gegen die einheimische Bevölkerung sind. Leider haben die Europäer, vor allem auch in Deutschland, vergessen, welches verhängnisvolle Erbe sie hinterlassen haben. Erst in den letzten Jahren folgte der früheren Verklärung der Kolonialzeit in Deutschland die kritische Aufarbeitung zu dem dieses Buch einen weiteren Beitrag leistet.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
"In Fällen, die von den geschriebenen Regeln des internationalen Rechts nicht erfasst sind, verbleiben Zivilpersonen und Kombattanten unter Schutz und der Herrschaft der Grundsätze des Völkerrechts, wie sie sich aus den feststehenden Gebräuchen, aus den Grundsätzen der Menschlichkeit und aus den Forderungen des öffentlichen Gewissens ergeben."
(Martens'sche Klausel der Haager Konventionen)

Die militärischen Auseinandersetzungen in den ehemaligen deutschen Kolonien (1914 - 1918) stellen innerhalb des Ersten Weltkrieges nur eine Episode dar, die letztendlich keinerlei Auswirkungen auf Europa nach sich zog. Diese eurozentristische Blickwinkel mag dazu geführt haben, dass diese Nebenkriegsschauplätze bis heute in der Forschung zur Geschichte des Ersten Weltkrieges und den deutschen Kolonien vernachlässigt wurde. Dies gilt besonders für die oftmals gravierenden Auswirkungen auf die afrikanische Zivilbevölkerung, die der Kriegsverlauf und die Kriegshandlungen nach sich zogen. Alleine anhand biographischer Forschungen zu General Paul Emil von Lettow-Vorbeck, dem letzten Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika, erlangte man - wenn auch nur oberflächlich - Einblicke in die damaligen Ereignisse. Mit nur 200 weißen Offizieren und 2500 Askaris konnte der aus einem pommerschen Adelsgeschlecht stammende General dank seiner Guerilla-Taktik einer mehr als 100fachen Übermacht der Entente auch nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11.11.1918 im Salonwagen in Compiègne noch Widerstand leisten. Erst zwei Wochen später legte er auf Weisung Berlins die Waffen nieder. Bei seiner Rückkehr in die Reichshauptstadt im März 1919 wurden ihm und den überlebenden 143 deutschen Soldaten ein triumphaler Empfang bereitet. Später versuchte der NS-Staat vergeblich den lebenden Heldenmythos Lettow-Vorbecks zu instrumentalisieren. Im Zuge einer kritischen Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands, wurden nach der Jahrtausendwende nach Lettow-Vorbeck benannten Straßen und Einrichtungen umbenannt....

Uwe Schulte-Varendorff hat bereits in seinem 2006 erschienenen Band "Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck - Mythos und Wirklichkeit" einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung geleistet und der - teilweise bis zum heutigen Tage vorherrschenden - verklärten und damit falschen Sichtweise auf die deutsche Kolonialgeschichte und ihren legendären Hauptprotagonisten eine klare Absage erteilt.

Fünf Jahre nach seinem ersten Buch, das als fünfter Band in der Reihe "Schlaglichter der Kolonialgeschichte" erschienen ist, hat der engagierte Osnabrücker Geschichtswissenschaftler Schulte-Varendorff nun mit Band 13 "Krieg in Kamerun" ein weiteres Kapitel einer für alle Parteien unrühmlichen Kolonialgeschichte aufgeschlagen. Der Krieg um Kamerun dauerte vom 5. August 1914 bis in den März 1916 und stellt somit nach den Kämpfen in Ostafrika, die zweitlängste militärische Auseinandersetzung in den einstigen deutschen Kolonien während des ersten Weltkrieges dar. Auch für seine zweite, breit angelegte Analyse der historischen Ereignisse hat sich der Autor erneut einer sehr großen Zahl von Quellen bedient, was alleine durch dem Umfang der aufgeführten Anmerkungen (35 Seiten) und ein 18seitiges (!) Quellen und Literaturverzeichnis, zu dem auch unveröffentlichte Quellen des "Reichskolonialamtes", der "Deutschen Kolonialgesellschaft" und anderer Institutionen gehören, deutlich.

Schulte-Varendorffs kritische Auseinandersetzung mit den Gewalterfahrungen deutscher Kolonialherrschaft und dem schmutzigen Krieg (der verbrannten Erde) gegen die afrikanische Zivilbevölkerung wird sicherlich, wie auch die Infragestellung einer Treue bis in den Tod seitens der afrikanischen Soldaten der Schutztruppe, manchem Leser sicherlich nicht gefallen. Dennoch ist dem Autor auch diesmal ein wichtiger Beitrag zu einer Aufarbeitung und einer neuen Orientierung des Gedenkens gelungen.

Eine ganze Reihe - teilweise seltener - schwarzweißer Fotos und Abbildung, wie ein die Luftaufnahme vom Gefecht um Garub im Jahre 1915 bieten eine hervorragende Visualisierung des Textes. Ein Landkarte zeigt, dass die spanische Kolonie Rio Muni damals eine neutrale Enklave innerhalb Kameruns bildete, in der sich große Teile der Schutztruppe flüchten konnten. Ein Orts- und ein Personenregister bilden den Abschluss einer wissenschaftlichen Pionierarbeit, die mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.
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