Die Schauspieler haben sich auf jeden Fall bemüht, Tolstois Meisterwerk mit Leben zu füllen. So manch Fehlbesetzung und schwache schauspielerische Leistung hielten den Film aber auf Serienniveau à la Rosamunde Pilcher.
Clémence Poésy als Natascha, eine der Hauptprotagonisten in diesem Epos, ist eine glatte Fehlbesetzung, ebenso Alexander Beyer als Pierre. Während man bei Poèsy das Gefühl hat, sie versuche zwanghaft in der Figur Nataschas mit Audrey Hepurn in der damaligen Rolle zu überflügeln - was absolut daneben geht - so wirkt Beyer als Pierre einfach nur tölpelhaft und unattraktiv (nicht wegen seines Aussehens, sondern aufgrund seines bemüht (!) trottelhaften Wesens) und er nervt den Zuseher mehr als dass er an seinem Mitgefühl rührt. Da retten auch so manche 1:1 Aussagen aus Tolstois Buch nichts mehr.
Einzige Lichtblicke in dem ziemlich fehlbesetzen Vierteiler sind Ana Caterina Morariu als Sonja, Valentina Cervi als Marja, Dimitri Issajew als Nikolai und Alessio Boni als Andrej.
Mit Boni lebt die Figur des Andrej und wandelt sich vom abweisenden und nicht gerade liebevollen Ehemann in einen empathischen und auch sympathischen Mann, der sein Leben lang unter dem Druck seines kaltherzigen Vaters zu leiden hat.
Hannelore Elsner passt so gar nicht in diese Welt und auch wenn man zweifelsohne ihre schauspielerische Routine und Sicherheit erkennt, wirkt ihre Rolle unglaubwürdig und gestelzt.
Ist die Figur Nataschas durch Audrey Hepurn jugendlich naiv und voller Optimismus und Tatendrang, so wirken all dieselben Gefühle bei Poèsy nur gezwungen und leicht dümmlich. Das Pandant dazu Beyer, der als Pierre einfach nicht als "Mann" zu erkennen ist, sondern lediglich eine naive Marionette abgibt.
Auf andere filmische Fauxpas möchte ich gar nicht eingehen, da dies auch von anderen Rezensenten schon beschrieben wurde (kurioser Wechsel von saftig grüner Wiese zu schneebedeckten Wegen...etc.)
Fazit:
Ausgesprochen schade, da der Film mit großem Aufwand inszeniert wurde. Hätte man die wichtigsten Rollen anders besetzt, hätte dies ein absolut unterhaltsamer und authentischer Film werden können, auch wenn er sicher nie zu den wirklich guten Literaturverfilmungen gezählt hätte. Wer das Buch nicht kennt, keine hohen Ansprüche hat und über die Schwächen so mancher Schauspieler hinwegsehen kann, wird gut unterhalten werden. Wer Tolstoi verfilmt erleben möchte und vielleicht noch dasselbe Niveau wie das des Buches sucht, sollte von diesem Vierteiler die Finger lassen!