Rechtzeitig zum hundertsten Todestag des Dichters Lew Nikolajewitsch Tolstoi am 20. November liegt eine Neuübersetzung von "Krieg und Frieden" durch Barbara Conrad vor. Seit fünfzig Jahren die erste - und zwingend notwendig. Sowie in hohem Maße überzeugend.
Diese Übersetzung folgt einzig dem Original. So ist der Text nicht mehr wie in früheren Übersetzungen geglättet, dem Leser mundgerecht gemacht. Er kommt machmal sogar etwas spröde und kantig daher. Auch mutet Barbara Conrad dem Leser zu, die Passagen, die Tolstoi auf Französisch geschrieben hat, im Original zu lesen, sodass eine hohe Authentizität gegeben ist. Ganz im Sinne von Tolstoi, der "das gesuchte Französisch, in dem unsere Vorfahren nicht nur redeten, sondern dachten" als Kolorit der Epoche erhalten wissen wollte. Lediglich, dann aber leserfreundlich, wird in der Fußnote jeweils eine Übersetzung geboten.
So erscheint dieses großartige Epos in neuem Glanz. Durch die Übersetzung von Barbara Conrad erfährt der Leser stärker und mehr als bisher von Lebens- und Liebesgeschichten, von Krieg und Frieden und den jeweiligen Folgen, von einer Welt, in der Weltgeschichte geschrieben worden ist. Auf unvergleichliche Weise werden so einmal mehr die Napoleonischen Kriege und der Russlandfeldzug gegenwärtig. Hilfreich dabei auch das ausführliche und kenntnisreiche Nachwort der Übersetzerin, die die historischen Hintergründe des Werks und seine Entstehungsgeschichte dokumentiert. Monumental das Werk des russischen Dichters, hervorragend die Vermittlung in unsere Zeit durch die Übersetzung von Barbara Conrad.