Ich schließe mich den Worten der ersten hier veröffentlichten Beurteilung Rahns Buchs an. Trotz Rahns jugendlicher (sehr früher, für ihn noch nicht absehbarer, bereits in den 20er Jahren entstandenen) Einbindung in die SS, trotz seiner (im Geist seiner Zeit) teilweise sehr stark esoterischen Aufarbeitung der Thematik, trotz einer Fülle kleiner historischer Fehler ist dieses Buch das beste, das je über das Lebensgefühl, die Toleranz gegenüber jedem Glauben, jeder Rasse, der Gleichberechtigung der Geschlechter, das gegenkirchliche, gegendogmatische Denken des Languedoc des Hochmittelalters geschrieben wurde. Beschreibt ein Mittelalterbild, das konträr zu den heutigen klischeehaften Vorstellungen des „dunklen" steht. Malt so eindringlich die Blüte der Hochkultur Okzitaniens des 11., 12. Jahrhunderts, dass ihr Duft noch im Jahr 2001 betört und führt damit den Leser zurück in die Wiege der europäischen Kultur. Zurück zu seinen eigenen kulturellen Wurzeln. Zu einem Geist, den man verbrannte und erhängte, da er gefährlich in seinem freien Denken war. Einen Geist, gegen den Rom die Institution der Inquisition erschuf. Für jeden, der sich für das Hochmittelalter interessiert, ein unbedingtes Muss. Das seine Einschätzung ändern, Klischees beseitigen und ... Zorn und Trauer aufkommen lässt über das, was man dem Menschsein nahm.. Ein in seinen historischen und politischen Grundlagen wahres, ein poetisch mitreißendes Buch. In dem die Poesie, die Denk- und Gefühlswelt der Minnehöfe Okzitaniens, speziell des Hofes von Carcassonne, Foix und Toulouse, bereits durch Rahns Form der hingebenden Beschreibungen zum damaligen wahren Leben wieder erweckt wird. Während man heute in Deutschland Rahn seine SS-Mitgliedschaft vorwirft (bis heute ist nicht geklärt, ob es nicht die SS selbst war, die ihn umbrachte, als er erkannte und austreten wollte), und daher sein Buch über 60 Jahre meist einzig einen entsprechenden esoterischen „Geist" ansprach, sieht man ihn im Languedoc selbst ganz anders. Er war ein begeisterungsfähiger, zunächst unkritischer junger Mann, ein Schwärmer im deutschen Geist des Schwärmens - und da gab es viele ... Die gab es immer ...Noch heute - der auf eine Welt stieß, die ihn gefangen nahm: Auf den Geist und die Freiheit des Denkens des hochmittelalterlichen Languedoc. Ein Geist, der sich übrigens bis heute nicht geändert hat! Was Rahns Homosexualität angeht? Wer sich daran stört, wird die Toleranz des hochmittelalterlichen Languedoc nie verstehen und sollte sich das Geld für dieses Buch sparen und sich lieber einen saftigen blutrünstigen deutschen Ritterroman einverleiben. Die Neuauflage dieses Buches wird, so hoffe ich, bei vielen ihr Klischeedenken zerbröckeln lassen. Schade nur, dass sowohl die Person Rahns, als und besonders sein Buch von so vielen „Gralssuchern": missbraucht wurde. Besonders von denen, die den Gral des esoterischen Nazidenkens suchten ...und wieder suchen.