Roland Voggenauer: Kreuzweg
Heimatgeschichte - das klingt in vielen Ohren nach biederer Volkstümelei. Doch die Priener Anwältin Sylvia Staudacher und ihr Mann Matthias sind Heimatkundler der etwas anderen Art. Mit kriminalistischem Gespür decken sie ebenso spannende wie finstere Geheimnisse der Vergangenheit auf. Und ermitteln jetzt bereits zum dritten Mal im schönen Chiemgau.
Gar nicht schön ist dagegen der Mord, der hier vor 25 Jahren geschah. Ein Priester wird auf dem Schachenberg grausam getötet, ja geradezu gekreuzigt. Was seinen Mörder zu dieser Tat getrieben hat, erfährt der Leser bei einer komplexen Reise in die Vergangenheit.
Zeitgleich mit diesem Mord verschwindet eine Nonne spurlos aus dem Kloster auf der Fraueninsel. Dass beide Fälle etwas miteinander zu tun haben könnten, enthüllt sich für Sylvia und Matthias nur allmählich. Aber was sie entdecken, zieht sie so in den Bann, dass sie sogar ihre Eheprobleme vergessen. Um den Fall zu lösen, müssen sie aber nicht nur auf eine Zeitreise in die 70er gehen, sondern ihre Recherchen führen sie zurück bis zum Ersten Weltkrieg. Gemeinsam ergründen sie ein tieftrauriges Familiengeheimnis und zugleich einen unrühmlichen Teil ihrer Heimatgeschichte: Ein hiesiges Kinderheim war die Keimzelle des Vereins Lebensborn, der die Durchsetzung der NS-Rassenideologie vorantreiben wollte. Kein guter Ort für die polnische Nonne, die hier ihr tot geglaubtes Kind wiederfindet, es aber nicht vor den Grausamkeiten des Heimleiters schützen kann.
Zwar ist der vielschichtige Fall frei erfunden, doch der Autor hat gut recherchiert. Hier stimmen Lokalkolorit und geschichtlicher Hintergrund, und die fatale Doppelmoral der Gottesdiener ist heute leider aktueller denn je. Genau so könnte es gewesen sein.