Das Grundgefühl des Buches ist der Ekel, bzw. dessen Faszination.Die Welt der High-High-Society wird als grundlegend amoralisch beschrieben, wo einer den anderen über beide Ohren haut.Der "Held" der Geschichte hat mit seinem eigenen entgrenzten Verhalten durchaus seine Probleme, weiß sich aber nur durch immer neue perverse Handlungen zu helfen.Jeder kriegt sein Fett weg in dieser Geschichte: Männer,die sich die Frauen und auch sonst alles kaufen, Frauen, die meinen, durch ihre dämliche Unterwürfigkeit die Männer beherrschen zu können. Auch der moderne Kunstbetrieb wird in aller Deutlichkeit drastisch beschrieben, wo tatsächlich Scheiße produziert wird, die zur Versteigerung kommen soll. Die Handlungsorte sind Wien und Venedig (die man beide mit Morbidität assoziiert) und die Business-Städte Zürich (eher konservativ) und London (buntes Chaos).Es werden kenntnisreich Original-Schauplätze, In-Lokale,Läden etc. beschrieben,was das Buch zusammen mit der aktuellen Sprache als Zeitdokument gelten lässt. Es erscheinen viele, zur Zeit gerade hippe Ausdrücke. Die Sprache wird oft so gehalten wie sich ein Gedanke entwickelt: erst grob ins Unreine gesprochen, noch ohne passendes Verb, das einem erstmal nicht einfällt und das auch zuerst auch gar nicht wichtig ist. Diese Schreibweise finde ich grandios ! Revolutionär finde ich geradezu den Mut als Frau über genaue sexuelle Empfindungen als Mann zu schreiben (Virginia Woolf als einsames Vorbild).Schriftsteller nahmen das für sich schon immer heraus, festzustellen, was Frauen denken und empfinden.
Wer Erbauungsliteratur sucht,ist hier natürlich fehl am Platze. Das Buch zwingt einen in seine eigenen Abgründe zu schauen. Das kann man nur , wenn es einem einigermaßen gut geht. Wer selbst genug Probleme hat, liest vielleicht besser einen Roman,der die Welt in einem helleren Licht erscheinen lässt.
An der Schriftstellerin Marlene Streeruwitz scheiden sich die Geister: Manche finden sie richtig, richtig gut und andere können wiederum gar nichts mit ihr anfangen. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Ich liebe sie !