1. Krieg ist ihr Beruf
Im Jahre 1526 erhalten die seit über 30 Jahre andauernden Kriege um die Herrschaft in Norditalien eine neuerliche Wendung. Kaiser Karl V. ist seinem Verbündeten Papst Clemens VII. (Giulio de' Medici) zu mächtig geworden, so dass dieser die Seiten wechselt und sich dessen schärfsten Rivalen, dem französischen König Franz I., zuwendet. Dem Bündnis von Kirchenstaat und Frankreich treten am 22. Mai Florenz, Mailand und Venedig zur "Liga von Cognac" bei. Zur Verteidigung seiner Interessen beauftragt Karl V. den Söldnerführer Georg von Frundsberg mit der Aufstellung eines Heeres. Als Frundsberg mit seinen Landsknechten in der Lombardei ankommt, trifft er auf die Kompanie des päpstlichen Condottiero Giovanni de' Medici. Entgegen dem Befehl zum Rückzug, kann der Großneffe des Papstes Frundsberg durch einen Überfall auf dessen Nachhut am Zusammenfluss von Mincio und Po zunächst zurückschlagen. Am 25. November gerät "Giovanni dalle Bande Nere" (so genannt, weil er nach dem Tode Papst Leos X. die päpstlichen weiß-lila Standarten schwarz zu färben ließ) jedoch bei der Ortschaft Govèrnolo in einen Hinterhalt. Durch den Schuss eine Falkonetts am rechten Bein schwer verletzt, verstirbt er nach einer Amputation infolge Wundbrandes am 30. November 1526 im Palazzo von Luigi Gonzaga in Mantua.....
.....diese historischen Ereignisse aus der Renaissance werden von Ermanno Olmi, der sich neben der Regie auch für das Drehbuch seines 2001 veröffentlichten Films "Il mestiere delle armi" (Originaltitel) verantwortlich zeichnet, nahezu 1:1 umgesetzt. Seine100minütige düstere Inszenierung bietet einen Rückblick auf die letzten Tage des Söldnerführers Giovanni di Giovanni de' Medici (1498 - 1526). Die zu Beginn des Films namentlich mit Titel und z. T. mit Geburts- und Sterbedaten vorgestellten Akteure wie der Markgraf von Mantua, Federico Gonzaga, der Herzog von Ferrara, Alfonso D'Este oder der Herzog von Urbino, Francesco Maria della Rovere u. a. erweisen den Thesen ihres Zeitgenossen Niccolò Machiavelli (1469 - 1427) alle Ehren.....
....daneben erhält der Zuschauer Einblicke in die Kriegsgeschäft, -taktik, Waffentechnik und medizinischen Möglichkeiten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Bezahlte Söldner kämpfen für denjenigen, der am besten zahlt. Bleiben Zahlungen aus, holen sich die Berufssoldaten selbst, was ihnen zusteht, was Frundsbergs Feldzug schließlich in der "Sacco di Roma" am 6. Mai 1527 gipfeln lassen wird. Im Film wird ein Kirchengestühl samt lebensgroßem Kruzifix von Kriegsknechten kurzerhand zu Brennholz gemacht, was jene - Strafe folgt auf dem Fuß - an den Galgen bringt. Die Bedeutung einer gepanzerten Infanterie, die mit Pikenieren sogenannte Gevierthaufen bildet, wurde vom "Vater der Landsknechte", wie auch Frundsberg genannt wurde, perfektioniert. Mit wesentlichen Neuerungen auf dem Gebiet des Kanonengusses erlangten auch die mit ihren 6 bis 8 cm kleinkalibrigen Falkonetten oder Feldschlangen an Bedeutung. Im Film wird ihre verheerende Durchschlagskraft anhand eines Probeschusses auf eine schwere Plattenrüstung gezeigt. Die Brünierung (Schwärzung durch Oxidation) der Panzerung dient der Tarnung für nächtliche Aktionen. Die ritterliche Kampfform des Mittelalters gehört nunmehr der Vergangenheit an. Eine Ironie des Schicksals ist, dass auch sein Familienname (Plural von Medicus) Giovanni nicht retten konnte. "medizinische Versorgung" beschränkt sich auf Blutegel, Skalpell und Knochensäge standen keine weiteren medizinischen Gerätschaften zur Verfügung.
Für die italienisch-französisch-deutsche Koproduktion wurden mit Christo Jivkov (Giovanni de' Medici) und Desislava Tenekedjieva (Caterine de' Medici) zwei Hauptrollen mit bulgarischen Akteuren besetzt und auch einige Szenen in Bulgarien gedreht. Hauptdrehorte sind jedoch Ferrara, Soncino, Cremona und Mantua. Die Rolle einer verheirateten Adligen aus Mantua und Geliebten des Giovanni de' Medici wurde mit der italienischen Aktrice Sandra Ceccarelli besetzt. Alle Darsteller wirken überzeugend.
Auffällig ist, dass Frundsberg (Nikolaus Moras) unter einem schwarz-weißen Banner reitet, das an den Beaucéant der Tempelritter erinnert. Statt eines roten Tatzenkreuzes, weist es jedoch zwei gekreuzte rote Schwerter vor. Aber trotz eines DVD-Covers mit einem hochmittelalterlichen Ritter in Kettenhemd, mit Topfhelm und einem Schild, der ein rotes Kreuz trägt, hat der Film weder mit (Kreuz)Rittern zu tun, den deren Zeit war schon lange vorbei.
Gegenüber seinem italienischen Originaltitel und dessen französischer und englischer Übersetzung wird der von der Filmvertriebsfirma MIB gewählte Titel "Der Medici-Krieger" dem Anliegen des Films nur zum Teil gerecht. Schade ist auch, dass die ursprüngliche Version um 10 Minuten gekürzt wurde. "Il mestiere delle armi" wurde für 20 verschiedene italienische, französische, polnische und europäische Filmpreise nominiert, von denen er 15 gewinnen konnte.
Die seit 1911 fünfte Verfilmung des Wirkens "Giovanni dalle Bande Nere", der schon zu Lebzeiten als Nationalheld verehrt wurde, ist ein niveauvoller Geschichtsunterricht, bei dem auch die Spannung nicht auf der Strecke bleibt. Ein besonderer Film, der mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.
2. Weder Kreuzritter, noch Könige
Im September 1593 erlangte der 35jährige Ban von Craiova, Mihai, mit Hilfe des osmanischen Sultans Murad III. das Woiwodenamt der Walachei. Zwei Jahre später wurde er freiwillig zum Vasallen des ungarischen Fürsten von Siebenbürgen, Zsigmond Báthory, um von ihm im Gegenzug militärische Unterstützungen zu erhalten. In einem Feldzug konnte er kurzzeitig einige starke Festungen der Osmanen an der Donau einnehmen. Nach einem siegreichen Gefecht am 13. August 1595 gegen das 40.000 Mann starke Heer unter dem Befehl des Großwesirs Sinan Pascha bei Calugareni, musste sich Mihai ins Gebirge zurückziehen, weil Zsigmond Báthory und sein Heer erst verspätet eintrafen. Während von den 17.000 Männern Mihais etwa 1.200 fielen, beliefen sich die Verluste der Osmanen, die über die Donau zurückgedrängt wurden auf ca. 3.000 Mann. Sinan Pascha entkam nur knapp dem Tod. Während er der Landflucht in der verwüsteten Walachei durch eine Verschärfung der Leibeigenschaft entgegenwirkte unternahm er zur Entlohnung seines Söldnerheeres mehrere Razzien in die osmanischen Gebiete südlich der Donau. Als Verbündeter Kaiser Rudolfs II. errang Mihai am 18. Oktober 1599 in der Schlacht von Selimbar einen Sieg gegen Kardinal Kardinal András Báthordy, der kurzzeitig von seinem Vetter Zsigmond Báthory die Herrschaft übernommen hatte. Nachdem er als kaiserlicher Gubernator über Siebenbürgen eingesetzt worden war, vertrieb Mihai den moldauischen Woiwoden Ieremia Movila samt seinen polnischen Verbündeten und brachte dadurch auch das dritte walachische Fürstentum unter seine Herrschaft. Die Vereinigung von Tara Romaneasca, Transilvania und Moldova, währte jedoch nur kurze Zeit, denn bereits im Herbst 1600 besiegte ein polnischen Heer unter Jan Zamoyski Mihai und den mit ihm verbündeten habsburgerischen General Georg Basta in der Schlacht von Miriszló. Nachdem Mihai und Georg Basta die siebenbürgischen Stände unter Zsigmond Báthory am 3. August 1601 bei Gorószló besiegt hatten, ließ der habsburgische Feldherr seinen walachischen Rivalen ermorden.....
.....soweit die historischen Fakten, die der Regisseur Sergiu Nicolaesco in seinem Filmepos von 1970 beinahe 1:1 umgesetzt hat. Hinzu kommen zahlreiche Details, wie die Hochzeit Maria Christinas von Habsburg mit Zsigmond Báthory in Alba Julia, der Kampfeintritt der Szekler auf Mihais Seite und die Präsenz der katholischen Kirche. Echte, grandiose Schlachtenszenen, ohne Computeranimationen, jedoch mit tausenden von Komparsen, vor faszinierenden Landschaftsbildern. Während der Einsatz von Kanonen und Schusswaffen zeitgemäß ist, ist ein hochmittelalterlicher Tjost zwischen Zsigmond Báthory und Mihai im Jahre 1595 ein krasser Anachronismus. Demgegenüber machen auch die Kulissen des Pra¸ský hrad, der transilvanischen Törzburg und der Stadt Alba Iulia weitere Faszinationen dieses rumänischen Nationalepos über "Michael den Tapferen" aus. Sein Mythos ließ König Ferdinand I. von Rumänien im Jahre 1916 mit dem "Ordinul Mihai Viteazul" die höchste rumänische Tapferkeitsauszeichnung stiften. Dass der im Jahre erstmals 1972 in Deutschland ausgestrahlte Film auch den ideologischen Zielen des kommunistischen Diktators Nicolae Ceausescu (z. B. rumänische Vorrechte auf Siebenbürgen gegenüber den Ungarn) dienen sollte, schmälert das cineastische Erlebnis in keiner Weise. Das Weglassen der für Mihai schmachvollen Niederlage in der Schlacht bei Miriszló und seine Ermordung ist daher auch verständlich.....
.....vollkommen unverständlich ist jedoch, warum der deutsche Vertreiber des Films den Originaltitel "Mihai Viteazul" ohne Not in "Die Kreuzritter. Der Kampf der Könige" umbenannte und das DVD-Cover mit Bildern einer Kavallerieattacke Deutscher Ordensritter bei der Schlacht von Tannenberg (1410) aus dem 10 Jahre älteren polnischen Film "Die letzte Schlacht der Kreuzritter" versehen hat.
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