"....zur Rechten sieht man wie zur Linken,
einen halben Türken heruntersinken...."
(Ludwig Uhland, 1787 -1862)
Im August 1302 sammelt der Abenteurer Rutger von Blum, (1266-1305) die nach dem Frieden von Caltabellotta im Königreich Sizilien arbeitslos gewordenen katalanischen Almogàvers, um eine neue Söldnertruppe aufzustellen. Mit seiner sogenannten "katalanischen Kompanie" tritt er im September 1303 in Konstantinopel in den Dienst des Basileus Andronikos II. Palaiologos, um das Byzantinische Reich gegen die anstürmenden Rum-Seldschuken zu verteidigen. Roger de Flor, wie sich der Glücksritter nun nennt, wird vom Imperator zum "Cäsar" erhoben, zum Großherzog und Oberkommandierenden von Armee und Flotte ernannt und mit einer seiner Enkelinnen verheiratet. Nachdem sich Roger mit seinen Männer in Kämpfen bewährt und sein Winterlager nach Kyzikos bezogen hat, gelingt es ihm im Mai 1304 die Stadt Philadelphia zurückzuerobern. Danach verfolgt er weniger die Ziele des Kaisers, als seine eigenen. Seinem Versuch ein eigenes Fürstentum zu errichten, begegnet die byzantinische Bevölkerung mit einem Aufstand. Aufgrund der niedrigen Entlohnung, die ihm Andronikos II. gewährt, lässt der zweitgeborenene Sohn des deutschen Falkners Richard von Blum (der einst im Dienste Kaiser Friedrich II. stand) seine Söldner plündern. Daraufhin wird Roger auf kaiserlichen Befehl nach Adrianopel zitiert, wo er am 4. April 1305 auf Geheiß des jungen Mitkaisers Michael IX. Palaiologos ermordet wird....
....185 Jahre später wird 1490 in Valencia der zum Großteil von Joanot Martorell geschriebene, von Marti Joan De Galba vollendete Roman "Tirant lo blanch" veröffentlicht. Der in altkatalanischer Sprache geschriebene Roman erzählt von einem bretonischen Ritter namens Tirant. Der europäische Abenteurer wird vom oströmische Kaiser um Beistand im Krieg gegen die Türken ersucht. Nachdem "der weiße Ritter" Tirant den Auftrag angenommen, das oströmische Reich gerettet und weitere Abenteuer im Mittelmeerraum bestanden hat, muss er jedoch sterben, bevor er die schönste Frau des Reiches heiraten kann. Bereits hier ist der historische Roger de Flor zu einer literarisch-fiktiven Fantasiegestalt mutiert....
....dem spanischen Regisseur und Drehbuchautor Vicente Aranda gelingt es mit seinem am 30. März 2006 in Valencia uraufgeführten "Tirante el Blanco" jedoch die romantisierende Erzählung ganz und gar zu einer unhistorischen Märchenstunde zu genieren. Die Rolle der intriganten und mannstollen Hexe Viuda Reposada wird von Victoria Abril verkörpert. Ein Übriges hierzu leistet (sich) die deutsche Synchronisation.
Der Filmsprecher lässt den zerlumpten Haufen Tirants am 29. März 1401 unter rot-gelb-gestreiften katalanischen Fahnen in Byzanz einziehen, zu einem Zeitpunkt als dieser bereits lange der Geschichte angehörte. Ausstattung, Personen, Dialoge und Szenarien des angeblich 14 Millionen Euro teuren Streifens sind aus historischer Sicht betrachtet nicht nur falsch, sondern auch albern und lächerlich. Neben dem Protagonisten sind sämtliche auftretenden Akteure Fantasiegespinste. Angefangen bei der frühreifen, ständig unter Nasenbluten leidenden Prinzessin Carmesina über ihre als "Pleasure-of-my-life" genannte Hofdame bis hin zu Hipólito, dem Lover der Kaiserin. Auch die genannten Grotürken Mohammed III., einen Prinz Michael, einen Alexander XII. Und eine Spephanie von Makedonien hat es zu dieser Zeit nicht gegeben.
Die Dialoge sind gespickt mit Fehlern und sprachlichen Anachronismen. Beispielsweise spricht byzantinische Basilea vom "Heiligen Katholischen Glauben", der orthodoxe Gottesdienst (nicht in griechischer, sondern einer unverständlichen Sprache abgehalten), wird als "Messe" und die Männer Tirants als "Raubauken" (ein Begriff der erst um 1900 entstand) bezeichnet. Die "spanische Brille" aus deren Sicht der Film gedreht wurde offenbart sich z. B., wenn die Rede von "Mauren" ist, einem Begriff der sicherlich von keinem Byzantiner jemals gebraucht wurde. Die andalusische Sierra Nevada und die Alhambra von Granada sind sicherlich beeindruckende Kulissen, für dieses Thema jedoch vollkommen fehl am PLatze. Neben den fantasievollen Kopfbedeckungen, vor allem der ärztlichen Quacksalber, sind auch die prähistorisch anmutenden runden Hackmesser der Almogàvers äußerst fragwürdig. Die feindlichen Truppen kommen mit ihrer Rüstung und Bewaffnung eher als andalusische Mauren daher, denn als Kämpfer des sogenannten "Großtürken". Von Janitscharen ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür gibt es unhistorische hellgrüne Fahnen mit gelben Schriftzeichen, die weder bei den Osmanen noch sonstwo damals in Gebrauch waren.
Im weitesten Sinne könnte man Tirant und seine Truppe zwar als fiktive Kreuzritter bezeichnen. Mit dem von der MIG Filmgroup gewählten DVD-Cover eines bärtigen und langhaarigen Kämpen mit rotem Tatzenkreuz auf einem ehemals weissen Waffenrock vor der Silhouette des Schlosses Neuschwanstein (Baubeginn 1869) haben jedoch auch sie nicht im geringsten etwas zu tun.
"Kreuzritter 8 - Der weiße Ritter" ist nach timediver®'s Dafürhalten ein Märchenfilm mit einigen Softsex- und Brutaloszenen, der auch nicht zu einer unhistorischen Allergorie taugt. Die MIG Filmgroup hat damit zusammen mit "Kreuzritter 6" den mit Abstand schwächsten Film ihrer zusammengeschusterten Kreuzritter-Reihe vorgelegt.
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