Köln, 1794. Wilhelm Dahmen, Familienvater, zieht in den Krieg. Doch seine Frau, Elisabeth Dahmen will nicht allein mit den Kindern zu Hause um das Leben ihres Mannes bangen und so kappt sie alle Wurzeln in Köln, kauft einen Marketenderwagen, schneidet der vierjährigen Tochter Antonia die Haare kurz und zieht gen Mainz. Antonia wächst fortan als Trossbub Toni und genießt damit auch viele Freiheiten, ist vor allem durch männliche Übergriffe geschützt. Sie erlebt zahlreiche Abenteuer und ist allseits beliebt.
Cornelius von der Leyen bricht zur gleichen Zeit in Köln sein Studium ab und wird daraufhin von seinem Vater verstoßen. Cornelius braucht Geld und dieses 'verdient' er sich durch Kartenspielertricks, die ihn letztlich aber nur mit dem Falschspieler-F, eingebrannt auf der Schulter, an den Pranger und anschließend in Kettenhaft nach Brest bringen.
David van Hoven ist durch familiäre Zwänge beim Militär gelandet, sein Traum wäre der Architektenberuf, doch erstmal muss auch er in den furchtbaren Krieg ziehen.
Der Dombau begann 1248, erlag diversen Neuerungen über die Jahrhunderte und liegt seit 1540 brach, das Geld war einfach nicht mehr da. So beherrschte dreihundert Jahre das Bild des unvollendeten Doms das Kölner Stadtbild. Doch durch die Wirren der französischen Revolution und die anschließenden Kriege sind zahlreiche Kirchenschätze, so auch der Domschatz verschwunden. Diesem Schwund fielen auch die Baupläne zum Opfer.
Toni lernt so bei ihren Ausflügen in die Umgebung David kennen und findet in einer alten Köhlerhütte die Baupläne des Kölner Doms, nichtwissend, welchen Schatz sie in ihren Händen hält. Als ihre Mutter Elisabeth Dahmen ihr in Jena das Geheimnis ihrer wahren Herkunft anvertraut, bricht für Toni eine Welt zusammen ' wer ist sie wirklich? So beschließt sie, nach Köln zu gehen und das Geheimnis ihrer Herkunft aufzudecken. Doch wird der Dreiviertel Junge mit dem Viertel Mädchen ein Zuhause finden, in dem sie sich wohlfühlt? Wird sie David wiedersehen und wie ergeht es Cornelius?
So verworren wie die damaligen Zeiten sind auch anfangs die verschiedenen Erzählstränge. Doch schnell wachsem dem Leser sämtliche Protagonisten ans Herz und ebenso schnell verweben sich auch die Schicksale dieser mit den verschwundenen Bauplänen des Doms. Und mit einem Kunstgriff gelingt es Andrea Schacht noch zum Schluss geschickt, ihre Begine Almut in die Geschichte einzubinden, und wer trifft nicht gern auf alte Bekannte wieder, vor allem, wenn es so unerwartet kommt?!
Mit 'Kreuzblume' ist Andrea Schacht ein Highlight unter den historischen Romanen geglückt. Mit viel Spannung und Charme erzählt sie ein opulentes Werk, das ein detailgetreues und farbenfrohes Bild der damaligen Zeit aufzeigt. Die Geschichte spielt äußerst kurzweilig in der Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts und handelt von Charakteren, die sämtlich Ecken und Kanten haben und damit so real und natürlich wirken. Sprachlich wirkt 'Kreuzblume' nicht altmodisch, nicht modern, der Zeit angepassen. Die vielen kurzen Kapitel, in denen jeweils eine andere Hauptfigur näher beleuchtet wird, versprechen ein flüssiges Lesen. Ein historischer Roman mit einem wunderbaren Einblick in die damalige Gesellschaft. Ein Buch mit Historie, Intrigen, Verrat, Bestechung und natürlich Spannung.
736 Seiten, die 736 Seiten puren Lesespaß versprechen!