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Marius van Vlooten ist ein brillanter Musikkritiker, ein blinder Mann, der sich trotz einer tragischen und unerfüllten Liebe in seiner Jugend nach etlichen Jahren neu verliebt: Suzanna Flier, Musikerin und eine ausgesprochene Schönheit, spielt die erste Geige in einem Quartett. Janáceks "Kreutzersonate" soll beiden zum Verhängnis werden.
Es ist ein ganz stilles Buch, das Margriet de Moor da geschrieben hat, gleichzeitig ist es auch ein atemberaubendes Buch für alle Sinne. Ein alternder Mann, der einem mit ihm reisenden jungen Musikwissenschaftler Szenen seines Lebens anvertraut. Rückblenden, Erinnerungen, Momente. Aber neben allem kontinuierlichen "Piano" im Erzählstil der Autorin, hört man ganz unverkennbar das erschreckende und unvermeidliche "Furioso" zwischen den Zeilen heraus, ahnt schnell, welchen fatalen Weg diese ganz außergewöhnliche Beziehung zweier Menschen gehen wird.
"...meine Eifersucht riss unsere Liebe, die an tausendundeinem Ding festgemacht war, los und verwandelte sie in eine Wolke von hin und her schießenden Stechfliegen", gesteht van Vlooten -- und erlebt damit nichts anderes, als die musikalische Geschichte der 1923 von Janácek komponierten Sonate, die wiederum auf einer Tolstoi-Novelle basiert: das Schicksal eines Mannes, dem seine Eifersucht zum Verhängnis wird. Ein uraltes Thema, verfilmt, vertont, beschrieben und erlebt.
Wunderbar versponnen ist Margriet de Moors Version dieses zeitlosen Themas. Gefangen nehmend die Verflechtungen von Fakten und Fiktion. Ein sinnlicher Text voller klingender Noten. Wer Janáceks Kreutzersonate kennt, spürt, dass die Zeilen richtig mitklingen, wer sie nicht kennt, sollte sie spätestens nach der Lektüre hören und die Geschichte nachhallen lassen. --Barbara Wegmann
Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Die Kreutzersonate
OT Krejcerova Sonata OA 1891 DE 1890Form Erzählung Epoche Realismus
Die Kreutzersonate gilt als eine der wichtigsten und zugleich umstrittensten Erzählungen von Lew N. Tolstoi. 188789 entstanden, gehört sie dem Alterswerk eines Schriftstellers an, der sich im Lauf seines Schaffens immer mehr zu einem rigorosen Moralisten entwickelte.
Entstehung: Der authentische Fall eines Mannes, der seine Frau aus Eifersucht getötet hatte, lieferte Tolstoi 1887 die Idee für eine Novelle über die Ehe und die zerstörerische Kraft der Sexualität. Noch im selben Jahr begann er mit der Niederschrift der ersten Fassung, die er jedoch bis zur Fertigstellung der letzten Version 1889 zahlreichen Veränderungen unterwarf.
Inhalt: Den Handlungsrahmen bildet die zufällige Bekanntschaft des Ich-Erzählers mit einigen Mitreisenden in einem Eisenbahnabteil. Unter ihnen befindet sich der zunächst schweigsame, ein wenig nervös erscheinende Wasilij Posdnyschew. Erst als sich eine lebhafte Diskussion über Liebe, Ehe und Scheidung entspinnt, erwacht auch Posdnyschews Interesse am allgemeinen Gespräch. Wie er den anderen erklärt, glaubt er weder an eine Liebe jenseits des sinnlichen Begehrens noch an die Institution Ehe, die ein Betrug sei. Ein Betrug, bei dem es um nichts anderes gehe als darum, den Geschlechtstrieb ungehindert ausleben zu können. Gleichzeitig bedeute die Ehe, sobald das sinnliche Begehren schwinde, für die meisten Menschen die Hölle auf Erden. Er selbst habe, so eröffnet er seinen Zuhörern schließlich, seine Ehefrau ermordet.
Mit dem Ich-Erzähler allein geblieben, berichtet Posdnyschew während der nächtlichen Fahrt, wie es zu der Tat gekommen ist. Durch die Ehe mit einem in seinem Sinne anständigen Mädchen hoffte er den Ausschweifungen seiner Jugendjahre ein Ende zu setzen. Dass diese Heirat eine Fehlentscheidung war, erkennt das Paar schon bald nach seiner Trauung. Zunehmend voneinander enttäuscht, schlägt ihre erste oberflächliche Verliebtheit in Gleichgültigkeit und später in Hass um.
Nach acht Ehejahren und der Geburt von fünf Kindern raten die Ärzte Posdnyschews Gattin, keine Kinder mehr zur Welt zu bringen. Mit Sorge beobachtet Posdnyschew, wie seine Frau, der ständigen Vereinnahmung durch ihre mütterlichen Pflichten allmählich entledigt, aufzublühen beginnt. Er verficht die Ansicht, dass die Zeugung von Kindern der einzig haltbare Grund sei, dem Geschlechtstrieb nachzugeben.
Eines Abends, als Truchatschewskij, ein entfernter Bekannter Posdnyschews, zu Besuch kommt, bemerkt dieser eine starke Anziehungskraft zwischen seiner Frau und seinem Gast. In der Folgezeit beobachtet er mit wachsendem Argwohn die musikalischen Zusammenkünfte seiner Frau mit Truchatschewskij. Es kommt zu einer Aufführung der einstudierten Stücke, darunter auch der Kreutzersonate von Ludwig van Beethoven, die einen verstörenden Eindruck auf Posdnyschew hinterlässt. Insbesondere das aufwühlende erste Presto erscheint hier in seiner Wirkung als ein Sinnbild angestachelter Leidenschaft.
Während einer Geschäftsreise, die Posdnyschew zwei Tage später antritt, verfolgt ihn der Gedanke, dass diese Musik Ausdruck der Beziehung zwischen seiner Frau und Truchatschewskij sei, und er bricht seine Reise vorzeitig ab. Als er zu vorgerückter Stunde zu Hause eintrifft und den Mantel seines Rivalen im Vorzimmer entdeckt, wird er von rasender Eifersucht gepackt, stürzt sich auf seine Frau und tötet sie.
In einem Nachwort zur Kreutzersonate fasste Tolstoi die wichtigsten Lehren dieser Erzählung zusammen, indem er die voreheliche und eheliche Enthaltsamkeit als das kaum erreichbare, nichtsdestoweniger erstrebenswerte Ideal einer moralisch sich weiterentwickelnden Gesellschaft beschrieb.
Wirkung: Obwohl viel gelesen, war die Erzählung seit ihrem Erscheinen umstritten. Die Verfilmungen wurden unter Wegfall der moralisierenden Passagen weltweit erfolgreich. B. S.