Johannes Kreisler ist Hoffmanns alter ego, wenn man es positivistisch-biographisch haben möchte; ein exzentrischer romantischer Künstler, dessen Leiden an der Welt und der von ihr hervorgebrachten schlechten Musik sich gerne in scharfer Ironie äußert. Ein bißchen eleganter ist Kreisler vielleicht, als Hoffmann sich selbst vorkam; für den Leser ist er jedenfalls eine Sympathiegestalt. Im "Kater Murr" (dessen voller Titel lautet: "Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern") hat Hoffmann Kreislers weitere Schicksale in Romanform gebracht; die "Kreisleriana" sind kürzere Skizzen, in denen sich der geplagte Komponist und Musiklehrer nicht nur über das bei geselligen Tees und anderen Musikveranstaltungen herrschende musikalische Unverständnis ärgert, sondern auch seiner Begeisterung für Beethoven und Bach wortgewaltigen Ausdruck verleiht (Hoffmann, im wirklichen Leben, war ja der Erfinder der Musikkritik). Verblüffend ist eigentlich nur, daß Kreisler-Hoffmann immer so genau weiß, welches die wahre Musik ist und welches die zu Unterhaltungszwecken korrumpierte; denn das Gefühl, das er für sich zur Unterscheidung in Anspruch nimmt, läßt sich ja kaum objektivieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)