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Kreis ohne Meister: Stefan Georges Nachleben. Eine abgründige Geschichte
 
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Kreis ohne Meister: Stefan Georges Nachleben. Eine abgründige Geschichte [Gebundene Ausgabe]

Ulrich Raulff
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 3 (29. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406592252
  • ISBN-13: 978-3406592256
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 15,2 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 309.819 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ulrich Raulff
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Auch Totsein ist eine Kunst", hat der einstige George-Jünger Max Kommerell einmal bemerkt. Stefan George hat diese Kunst meisterhaft beherrscht. Wo andere Dichter eine Rezeptionsgeschichte haben, da hat er ein Nachleben. Eines, das es in sich hat.
Ulrich Raulff legt in seinem fulminant geschriebenen Buch die postume Biographie Georges frei, die es noch zu entdecken gilt. Spannend, kurios, exzentrisch, schräg, zugleich akribisch recherchiert, erzählt es die Geschichte eines einzigartigen Kreises voll illustrer Charaktere, der langsam zerfällt, Allianzen bildet und Feindschaften pflegt, um Deutungshoheit und Treue ringt und dabei vom annus horribilis 1933 bis zum Satyrspiel 1968 beinahe nebenher eine höchst außergewöhnliche Wirkungsgeschichte entfaltet. Eine abgründige Ideengeschichte, eine kaputte Apostelgeschichte und ein Lesevergnügen der exquisiten Art.

Über den Autor

Ulrich Raulff, geb. 1950, Studium der Philosophie und Geschichte. Ab 1997 Feuilletonchef der FAZ; 2001-2004 Leitender Redakteur im Feuilleton der SZ. Seit 2004 Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Träger des Anna-Krüger-Preis des Wissenschaftskollegs in Berlin für wissenschaftliche Prosa (1996) und des Hans-Reimer-Preises der Aby-Warburg-Stiftung (1997).

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Davon können heute nur viele träumen, ein Dichter der einen eigenen Staat gründet, zumindest einen eigenen Hofstatt. Die Rede ist von Stefan George jenes deutsche Dichtergenie und insbesondere seine Jünger rankt sich das Buch "Kreis ohne Meister".

Der Autor Ulrich Raulff war Feuilletonchef der FAZ, leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, seit 2004 ist er Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Sein Buch zu unserem Thema heißt "Kreis ohne Meister" Stefan Georges Nachleben.

In den letzten Jahren hat es über Stefan George in der Darstellung zwei gegensätzliche Publikationen gegeben, zum einen die von Robert Norton, von der heute niemand mehr spricht und die von Thomas Karlauf dessen Biographie "Die Entdeckung des Charisma" alles übertrifft was in den letzten Jahren an literarischen Biographien geschrieben worden ist (s.meine Rezension).

Raulff greift die Bemerkung "Auch Totsein ist eine Kunst" des einstigen, neben Graf Schenk zu Stauffenberg engsten George Jüngers Max Kommerell auf und entwickelt eine abgründige Ideengeschichte, in der der Meister dann leibhaftig nicht mehr auftritt. Die "kaputte Apostelgeschichte" setzt ein, als das Herz von George im Dezember 1933 zu schlagen aufhört. Raulff hat intensiv recherchiert und erzählt eine spannende und zum Teil exzentrische Nachlebensgeschichte, eine fesselnd nachgezeichnete posthume Wirkungsgeschichte, deren Erzählstränge in den Nationalsozialismus, den Widerstand, die Gründungszeit der Bundesrepublik und ins amerikanische Exil führen.

Diese interpretierte Nachgeschichte über die Visionen und Wirkungen Georges, in der sowohl getreue als auch ungetreue illustere Jünger, Allianzen, Feindschaften und Zerwürfnisse in recht unterhaltsamem Stil behandelt werden, entspricht in einer höchsten akademischen Ansprüchen genügenden Darstellung, einer posthumen Biographie Georges. Damit macht der Autor deutlich, dass der "George-Kreis" nicht nur ein esoterischer "Kostümverein" war, sondern ein polarisierendes Zentrum für die deutsche Geschichte mit schicksalhafter Vorsehung.

Vielleicht gibt es so etwas wie eine Stefan George Renaissance, denn in einer Ideengeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert kann man ohne ihn eigentlich nicht auskommen, wozu insbesondere dieses interessante Kreisphänomen beiträgt, nicht allein das Werk und die Gedichte von George, sondern die Bilder die das grauhaarige Dichtergenie im Kreis seiner Jünglinge zeigt. Da gab es diesen Dichter mit einer beträchtlichen Ausstrahlung, eine charismatische Figur, der in der Lage war einen ganzen fabelhaften Kreis von Intellektuellen, Schriftstellern und Wissenschaftlern um sich zu scharen und an sich zu bannen, die auch nach seinem Tod noch lange in seinem Geiste irgendwie weiterwirkten. Was konnte so eine Magie entwickeln, dass reihenweise intellektuelle junge Männer, die auch noch nicht einmal schwul waren, sich in George verliebten? Das ist für Professor Raulff ein faszinierendes Phänomen, wobei er auch betont, dass George natürlich die deutsche Geistesgeschichte durch Jahrzehnte hindurch, fast bis in unsere Tage bestimmt. Diese Tatsache steht im Moment im Zentrum des Interesses, natürlich auch ein paar erotische Charakteristika. Das macht ihn so wahnsinnig interessant für unsere Zeit die eigentlich wenig empfänglich ist für solche Ausstrahlungsphänomene, wenn auch seine Dichtung bis zur möglichen "Auferstehung" noch ein bisschen warten muss.

Es war ein Phänomen der damaligen Zeit, denn es hat ja nicht nur diesen einen bedeutenden Charismatiker gegeben, sondern eine ganze Fülle und eine Reihe von solchen Kreisen, die in historischer und geschichtsphilosophischer Erwartung miteinander verknüpft waren. Man muss fragen was fehlt der Zeit und was sucht sie in diesen Leuten? Es war eine entgötterte, eine entzauberte Welt und da plötzlich tauchen Leute auf, die sehr stark etwas Dämonisches haben, von denen ein Zauber ausgeht und entsprechend hoch ist die Akzeptanz und die Bereitschaft ihnen auch nach dem Tod Gefolgschaft oder Dienste zu leisten.

Wenn man das Buch aufmerksam liest, stellt man fest, dass dieser Georgekreis, dessen Schleier des Rätselhaften und Nebulösen auch mit diesem Buch nur ansatzweise und nicht definitiv genommen wurde, nicht so homogen war, wie das auf den ersten Blick klingen mag. Darin ist auch die Erklärung dafür zu suchen, dass das Verhältnis des eigentlich politisch nicht interessierten George zum Nationalsozialismus in der Auslegung nach 45 sehr ambivalent behandelt wurde. Wenn man sich den Kreis mit Fokus auf das Dritte Reich ansieht, dann erscheint er doch in der Zusammensetzung sehr heterogen, denn es waren Juden darin, die in die Emigration gezwungen wurden, es gab Mitglieder die zwar keine grandiosen, aber doch veritable Nazikarrieren machten und es gab in Berthold Graf Schenk zu Stauffenberg das berühmteste Mitglied, Georges Nacherben und Hitler Attentäter.

Wo stand George im Hinblick auf 1933 bis 1945? Er selbst lebte nach der Machtergreifung durch die Nazis nur noch 10 Monate. Er hat viele Attraktionskräfte benötigt, um die junge Männerschar nach 1930 zu bändigen. Er selbst hatte sehr viele jüdische Freunde, die nach 1930 schon sehr stark marginalisiert waren. Sein letzter Kreis, die Jungen der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre waren die Stauffenbergs, Max Kommerell und Frank Mehnert. Die meisten von ihnen tendierten, mit nur einer einzigen Ausnahme, nach rechts. George wollte diese Jungen nicht verlieren, wusste genau, ein böses Wort gegen die Nationalsozialisten und sein letzter "Liebeskreis" wäre mit einem Schlag zerstört worden. Dieses Risiko wollte er nicht eingehen. Daraus erklärt sich sein merkwürdiges Verhalten, die vielen Ambiguitäten, die schon immer seine Spezialität waren. Eigentlich ist George ein Dezisionist und so verhielt er sich den Nazis gegenüber, nämlich "eindeutig uneindeutig". Das machte es für die Zeitgenossen sehr schwer ihn einzuordnen, so schrieb Klaus Mann im Sommer 1933 "Georges Schweigen ist das lauteste was in Deutschland zu hören ist". Er legte dieses Schweigen als einen Akt des Widerstandes gegen die Nazis aus. Aber das war wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt eine Wunschdeutung von Klaus Mann, denn niemand wusste mit Bestimmtheit gegen wen oder was oder für wen oder was George wirklich schwieg.

Goebbels bot George die Präsidentschaft einer neuen Akademie der Künste an. Dieses Angebot lehnte George ab. In der Absage heißt es "die Ahnherrschaft der neuen nationalen Bewegung leugne ich durchaus nicht und schiebe auch meine geistige Mitwirkung nicht beiseite". Es folgt der nächste Satz "die Gesetzte des Geistigen und Politischen sind sehr verschieden. Wo Geist herabsteigt zum Allgemeingut kann ich den Herren der Regierung so nicht in den Mund legen". Ob es sich bei seiner Reise in die Schweiz um einen vorübergehenden Genesungsurlaub oder um ein Exil handelte ist nicht bekannt.

Die Figur, die fraglos auch mit der Renaissance Georges zu tun hat ist Stauffenberg. Er war sicher zeitlebens sehr eng mit George verbunden und auch über den Tod des Meisters hinaus hielt er ihm in irgendeiner Weise geistig die Treue und blieb mit vielen Freunden aus dem ehemaligen Kreis in ganz enger Verbindung. Es gibt Briefe in denen Stauffenberg die Feldzüge in einer Weise beschreibt wie es sich "georgianischer" kaum denken lässt. Das ist merkwürdig, aber dennoch lässt sich nach Meinung des Autors das Attentat vom 20. Juli eher mit charakterlichen, moralischen und historischen Dingen und dem was Stauffenberg von dem verbrecherischen Krieg wirklich weiß erklären als über seine "georgianische" Prägung.
.
Intrigen, Konflikte und Affären der George Jünger werden in dem spannenden Buch ebenso fokussiert wie der Einfluss den das Netzwerk der ehemaligen Mitglieder des George Kreises auf die Entstehungsgeschichte der Bundesrepublik bis in die 68 er Jahre hatte.

Geheimbundroman, kulturhistorischer Thriller oder tiefsinnige Nachläufergeschichte, ein Buch das packend und atmosphärisch dicht geschrieben ist, illusionskritisch, mit viel Intelligenz in einer sehr erfrischenden Diktion, die die unterschiedlichsten Leseinteressen bedienen kann und dabei das mögliche Nachleben Georges glaubhaft vermittelt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von NN TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ulrich Raulff reitet im Wechselgalopp zwei ganz unterschiedliche Steckenpferde: Stefan George (Raulff ist Vorstandsmitglied der Stefan-George-Gesellschaft) und Michel Foucault (als Übersetzer und Herausgeber). Zumindest seiner George-Arbeit merkt man die poststrukturalistische Schule an, in ihrer versuchten Subversivität ebenso wie in den heimlichen Dekonstruktionsversuchen eines scheinbar monolithischen Kreises.

Nur George hatte unter den erstrangigen Poeten des letzten Jahrhunderts ein Nachleben und das hat er dem Kreis, seinen Jüngern, zu verdanken. Doch entpuppt sich bei genauerer Hinsicht die post-mortem-Geschichte als die eines Zerfalls, den zu beschreiben es einiger methodischer Kapriolen, der Nutzung "schmutziger Quellen", viel Imagination und Misstrauens bedarf. So gelingt es Raulff aus einer Überfülle an Material ein doch gut lesbares Buch zusammenzubasteln, ohne der Versuchung zu erliegen, durch einen roten Faden, durch eine ordnende unsichtbare Hand zu viel Struktur, und damit Botschaft, hinein zu tragen. Dass das Buch also mitunter wirr wirkt, ist vermutlich intendiert und kann angesichts der Vielfalt auch fast nicht anders sein.

Es sind dabei vor allem drei Hauptfragen, die Raulff bewegen: Was ist das das Geheimnis des "Geheimen Deutschlands", wie ist Georges Schweigen zum frühen Nationalsozialismus zu deuten und welchen Einfluss übten und üben seine Apostel im Nachkriegsdeutschland aus? Erstens: ein Geheimnis in Form einer "mitteilbaren Lehre oder kryptischen Substanz" habe es nicht gegeben, das eigentliche Geheimnis sei das Haben und Gehabe eines Geheimnisses gewesen. Zweitens: George inszenierte sich selbst als "Dezisionist der Ambiguität" und machte sich letztlich durch sein mystisches Schweigen schuldig. Und drittens schließlich verteilten sich die äußerst heterogenen Jüngerscharen wie unterirdische Schwarmbeben auf dem ganzen Globus und versuchten durch gelegentliches internes Rumpeln und Pumpeln den Lauf der Welt zu beeinflussen. Dies gelang ihnen der Natur der Dichte entsprechend besonders beeindruckend in Deutschland! Hier entpuppt sich nun die Subversivität des Werkes, gewollt oder ungewollt, denn was als Zerfallsgeschichte angekündigt wurde, offenbart sich, wenn man sein Ohr nur nah genug an die Richterskala hält, als eine verblüffende Influenz- und Virulenzgeschichte des bundesdeutschen Kultur-, Politik-, Erziehungs-, Medien- und Universitätsbetriebes bis in die heutige Zeit! Hundert Jahre nach Veröffentlichung der wesentlichen Werke Georges, zumeist in Kleinstauflagen und nie dem Mainstream angehörend, ist das doch eine beeindruckende Leistung.

Bezeichnenderweise fehlt die Philosophie in Raulffs Rechnung, als hätte es einen Heidegger, Klages oder Gadamer nie gegeben (Lediglich Adorno erhält einige Aufmerksamkeit (das ist jedoch schon wieder eine ganz andere Geschichte). Aber auch eminente Kreis-Namen wie Karl Wolfskehl oder Norbert von Hellingrath kommen allzu kurz weg, von ephemeren Figuren wie Rudolf Pannwitz, Alfred Schuler u. a. ganz zu schweigen. Wie diese seltsamen Lücken zu erklären sind, bleibt des Autors Geheimnis, das gelieferte Material macht diese Defizite allemal wett.

Was allerdings wirklich stört, das ist (neben der fürchterlichen Umschlaggestaltung) die oft laxe und lapidare Sprache, das sind die zahlreichen Neologismen, Anglizismen, die Anleihen aus der IT-Welt. Da ist von "cooler Mystik" oder "One-World-Sound" die Rede, da wird gecoacht und self-fashioning betrieben etc., letztlich ein Vokabular benutzt, das prinzipiell fragwürdig scheint, im Kontext George aber regelrecht impertinent klingt. Und das soll es natürlich sein, denn Raulff will sich jedes Verdachtes entledigen, er könnte der Faszination Georges erlegen sein, also glaubt er, den Text immer wieder mal diskursfremd brechen zu müssen - Foucault lässt grüßen. Nur so ist die Nutzung solch despektierlicher wie unpassender Vokabeln wie "Metastase" entschuldbar, wenn es um die entsprechenden Zirkel "Eingeweihter" geht.

Zugegeben, am Gesamtbild ändern diese Schönheitsfehler nichts. Ein unbedingt notwendiges, materialreiches und vor allem einfühlsames Buch - selbst der Meister kommt an den gelungensten Stellen mit seinen Ängsten, Sorgen, Vorlieben, Idiosynkrasien, Schwächen und Voreingenommenheiten menschlich herüber -, das übrigens viel voraussetzt und für George-Novizen nicht ganz einfach zu lesen sein dürfte.

Thumbs up!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Biene Maya 2013 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
...die Stefan George ziemlich gut beherrscht haben muss, denn immerhin wurde er ohne zu murren insgesamt drei Mal umgebettet...

Den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Sachbuch hat Ulrich Raulff zu Recht erhalten, denn "Kreis ohne Meister" ist ein Buch, das sowohl den akademischen Diskurs bereichert, als auch interessierte Nicht-Wissenschaftler unterhalten kann.

Stefan George, gemeinsam mit Rilke und Hofmannsthal der bekannteste deutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts, war nicht nur zu Lebzeiten eine gefeierte Persönlichkeit. Sein Nachleben ist vor allem im Zusammenhang mit dem Kreis von Intellektuellen und Künstlern, die er um sich geschart hatte von Interesse.
Dieser Geschichte des Nachlebens, einer "Gespenstergeschichte für Erwachsene" (Aby Warburg) widmet sich Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach/Neckar und ehemaliger Feuilletonchef der FAZ.

Alles fängt mit einem Ehrensäbel an, der einem rheinischen Museum übergeben worden ist. Raulff, damals noch Feuilletonchef, sollte exklusiv darüber berichten, denn der Säbel hatte keinem Geringeren als Oberfähnrich Schenk Graf von Stauffenberg gehört. Und der Hitlerattentäter gehörte ebenso wie Ernst Kantorowicz, Ernst Gundolf, Ludwig Klages und einige mehr, dem "geheimen Deutschland" an, jenem exklusiven Kreis um den Dichter Stefan George.
Raulff erzählt nun vom Fortleben des Meisters George nach seinem Tod. Und damit beginnt die Geschichte am 4.Dezember 1933 (das wäre übrigens Rilkes 58. Geburtstag gewesen). An diesem Tag verstarb George in Anwesenheit einiger seiner Jünger. Und bereits der Anfang ist spukhaft und voller Geheimisse. Fortan treten die Mitglieder des Kreises ein schweres Erbe an, denn die Botschaft des charismatischen Meisters will tradiert und ausgelegt sein.
Hier geht es also um einen versprengten Haufen von Künstlern und Intellektuellen, die ganz nach Maßgaben des Meisters (an welche er sich selbst allerdings nicht immer hielt) leben wollen. Sie frönen dem Gedächtniskult um ihren verstorbenen Messias und kriegen sich dabei gegenseitig oft ganz schön in die Wolle.
Besonders interessant ist, dass Raulff in seinem Buch auch auf "Abtrünnige", wie z.B. Rudolf Borchardt eingeht.
Es ist faszinierend, den Ausführungen des Autors zu folgen, denn vor unseren Augen entfaltet er ein schillerndes Panorama deutscher Geschichte - und zugleich wird der Leser hervorragend unterhalten.
Raulff räumt auf mit der Verklärung Georges. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der Lyriker zu Lebzeiten ein arger Wüterich sein konnte und bisweilen geschimpft hat "wie ein Rohrspatz"?
"Kreis ohne Meister" ist vor allem aber auch die Geschichte eines Zerfalls, denn in den sechziger Jahren löste sich der Kreis schließlich auf. Der Tod von Ernst Kantorowicz 1963 markierte dabei einen wichtigen Punkt, der 100. Geburtstag Georges 1968 ist schließlich das Ende - "George ist tot". Und hundert Jahre nach seiner Geburt, wird schließlich auch Kritik am Meister laut. Dreißig Jahre nach ihrer Entstehung werden Rudolf Borchardts Jamben veröffentlicht und schnell wird klar, was diese Gedichte haben - und George stets gefehlt hat, "eine klare, unmissverständliche Absage an den Nationalsozialismus".

Raulff schreibt lebendig und äußerst charmant. Es ist eine große Freude, sich intensiv in das Thema einzulesen.
Besonders hervorzuheben sind übrigens auch die über 80 Fotos, die vom Treiben des "geheimen Deutschland" zeugen.
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