Als Arzt im Krankenhaus und später in der Praxis ist man von vielen (oft selbst auferlegten) Zwängen in seinem Arbeiten eingeengt. Die Patienten werden daher nur in dem dort möglichen Rahmen betreut: Chemotherapie, Operation, Strahlentherapie. Jeder von uns hat im Studium etwas über Psychosomatik gehört und ahnt auch als Nicht-Psychologe Zusammenhänge, die außerhalb unseres beruflich gesteckten Horizontes liegen. Genaues Wissen darüber haben wenig Ärzte. Es gäbe wohl sog. Krebspersönlichenkeiten ("die hätten vielleicht sogar selbst Schuld...?") und auch wissenschaftlich wenig gesicherte alternative Methoden von Suggestion bis Misteltherapie. Würden Patienten daran glauben, so kann man ihnen "väterlich" zu verstehen geben, daß man daran zwar nicht so recht glaube, es aber vielleicht auch nicht besonders schaden würde. Sicher vermischen sich häufig sinnvolle und absurde Therapien auf "dem Markt". So verbleiben wir normalen Ärzte also bei der professionellen zeitlich begrenzten und fachlich orientierten freundlichen Zuwendung. Wir tun unser Bestes. Für andere Belange mögen Psychologen, Sozialarbeiter, Esoteriker u.a. zuständig sein.
Herr Susen räumt auf den wenigen Seiten ohne Polemik und wissenschaftlich fundiert mit den üblichen Mißverständnissen und Unwissenheiten auf, führt in knappen Worten in eine methodisch gut durchdachte Arbeit mit Krebspatienten ein, die Heilungschancen und subjektives Wohlbefinden der Kranken - parallel zur sog. "üblichen" Therapie - deutlich verbessern.
Ich wünsche dieses Buch allen Chemotherapeuten, Operateuren und Strahlentherapeuten. Wenn sie auch selbst keine Zeit finden mögen, sich in die Technik einzuarbeiten, so können sie vielleicht Kontakte knüpfen mit Psychologen / Psychosomatikern / Hypnotherapeuten und ein gemeinsames Konzept der Behandlung entwerfen. Wer diese Chance unterläßt, den möge sein ärztliches oder religiöses Gewissen plagen.
Für die wenigen Seiten erscheint das Buch etwas teuer. Der Gehalt an klar verständlichen Informationen hebt den Nachteil etwas auf. Außerdem können gestreßte Ärzte das Buch an einem WE lesen. Patienten kann das Buch auch empfohlen werden, wenn sie sich über die Möglichkeiten einer "ergänzenden" Therapie informieren möchten.