Einmal Pflichtlektüre:
Csikszentmihalyi, der mit seinem Flow-Konzept weltweit berühmt wurde, hat für dieses Buch 91 herausragende Menschen interviewt, um so zu entdecken, "wo und wie Kreativität entsteht und wie es jedem gelingen kann, seine ganz persönliche Kreativität zu entdecken und zu fördern." So steht's zumindest im Klappentext.
Csikszentmihaly unterscheidet zwischen drei Gruppen von Kreativen:
- Menschen mit ungewöhnlichen Ideen oder einem besonderen Talent ("brilliante Menschen")
- Menschen mit ungewöhnlichem und orginellen Welterleben und möglicherweise wichtigen Entdeckungen ("persönliche Kreative")
- Menschen, die unsere Kultur durch ihre Ideen und ihr Wirken auf einem Gebiet verändert haben (die "Kreativen" ohne Einschränkung)
Mit so einem Konzept sind dann auch die Auswahl der Interviewpartner keine große Überraschung mehr:
1. Die Person musste einen bedeutenden Beitrag zu einer wichtigen "Domäne" (Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft oder das Wohl der Menscheit) geleistet haben.
2. Die Person musste nach wie vor aktiv in dieser Domäne tätig sein.
3. Die Person musste über 60 Jahre alt sein.
Wenn dann das Grundgerüst und die eigentümliche Sprache Csikszentmihalyis geklärt sind, kämpft man sich durch die Lebensgeschichten und die Domänen der Interviewten, ehe dann schließlich auf den Seiten 488-530 die wesentliche Essenz kommt.
Nein, zu Beginn des letzten Teils war ich etwas erschrocken über den Satz: "Diese [folgenden] Erkenntnisse bieten keine Aussicht auf bahnbrechende kreative Errungenschaften." ... ja, wenn nicht jetzt - wann dann??
Aber es kommt ja doch noch ein kleines bißchen wirklich Neues: einige kurze Seiten über den Zusammenhang von flow und Kreativität, grundlegende Empfehlungen zur Ideenfindung (auch für den Alltagsgebrauch) und motivierende Worte, wie man Probleme einmal anders angehen kann.
Fazit: Anfang und Ende super, Mittelteil zähflüssig. Dennoch ein Gewinn, für den Leser, der sich grundlegend mit Kreativität beschäftigen will.