'Jedem Menschen steht kreatives Schreiben offen, es bedarf keiner besonderen literarischen Fähigkeiten, denn in jedem ist sprachliches Ausdrucksvermögen vorhanden.' Mit dieser Ermutigung vom Klappentext geht man an die Lektüre des Buchs 'Kreatives und therapeutisches Schreiben' der Autorin und Medizinerin Silke Heimes. Und wenn man sich mit dieser Aufforderung im Hinterkopf ans Werk macht, ist die Lektüre in jedem Fall ein Gewinn.
'Wie jede kreative Tätigkeit lebt auch das Schreiben von einer positiven Haltung sich selbst und dem Schreiben gegenüber. Jeder schreibt täglich, Einkaufslisten, Notizen, Briefe und anderes. Diese Voraussetzungen reichen für die Poesietherapie', schreibt Silke Heimes. Sie ermuntert den offenen Leser und unterstreicht die Vorteile dieser Form der Selbstannäherung. Schreiben könne zum Ordnen und Formen von Gedanken, Gefühlen und Ideen beitragen. Der kreative Akt stehe in einem engen Zusammenhang mit dem Unbewussten, 'wobei im Prozess des Schaffens, also der Arbeit am Kunstwerk und der eigenen Person, eine Bewegung von der Oberfläche des Bewusstseins zum komplexen Unbewussten und zurück stattfindet'.
In der therapeutischen Praxis erscheint die Arbeit mit der Literatur eher fremd. Umso entscheidender lesen sich Sätze wie: 'Das Papier bietet einen Schutzraum, in dem Probedenken und Probehandeln möglich sind, so dass schriftlich versuche unternommen werden können, die im Handeln vielleicht unmöglich wären. Schreiben kann als eine Reise an Orte verführerischer, aufständischer Wünsche verstanden werden, als eine Reise, auf die sich der Schreibende suchend und neugierig einlässt, um Grenzen zu erfahren und diese zu überschreiten, schreibend und handelnd.'
Man kommt während der Lektüre des Buchs 'Kreatives und therapeutisches Schreiben' auf den Geschmack. Dies verhindert auch nicht der umfassende Ansatz, den Silke Heimes vertritt. Denn um den Weg zum Schreiben finden zu können, schlägt sie dem Schreibenden vor, Achtsamkeitsübungen, Imaginationsübungen sowie Mal-und Schreibübungen vor. Schliesslich sei das Leben des Menschen 'eine kreative Auseinandersetzung mit der Welt, bestehend aus Anpassungsleistungen auf der einen und gestaltender Veränderung auf der anderen Seite'.
Gerade diese Hintergründigkeit des schmalen Arbeitsbuchs 'Kreatives und therapeutisches Schreiben' ist eine besondere Leistung der Autorin. Sie stellt das Schreiben in einen Zusammenhang mit dem schöpferischen Menschen, mit Ideen zu Kreativität und Spiel. Dies müsste auch zunehmend als Argument akzeptiert werden, sich an das Wagnis des therapeutischen Schreibens zu machen. Bevor dies geschieht, gibt es sicher die Möglichkeiten des therapeutischen Lesens. Also pragmatisch denken, praktisch handeln.