Wer sich mit weißen Wänden nicht zufrieden gibt und nach Ideen zur kreativen Umgestaltung sucht, hat inzwischen eine große Auswahl. Vielleicht stellt die englische Chefeinkäuferin bei Harrods und Selfridges, Geraldine James, deshalb die rhetorische Frage, ob die Welt wirklich ein Buch über Wände brauche. Tut sie natürlich nicht. Daher richtet sich die Autorin gezielt an Menschen, die "angesichts der Weißen Leinwand regelrecht entmutigt sind." Ihr Buch soll aber auch ein Beweis ihrer Theorie sein, Stil sei zu hundert Prozent persönlich. Fett gedruckt steht in der Einleitung daher, dass die gezeigten Wände nicht bloß kopiert werden sollen, sondern als Inspiration für die eigene künstlerische Reise gedacht sind.
Inspirationen liefert Geraldine James tatsächlich viele. Allerdings ist der Untertitel ihres Buches auch Programm. Wer also nach Ideen sucht, für deren Umsetzung es Pinsel und Farbe, Klebefolien oder Eingriffe am Mauerwerk braucht, wird in diesem Ratgeber nicht fündig. Bei Mrs. James kommen Sammler auf ihre Rechnung. Sogar solche wie ich, die im Laufe ihres Lebens so viele Bilder gekauft haben, dass es an den Wänden kaum Platz für neue Exponate gibt. Denn Geraldine James führt ihre Leser auch in Badezimmer, Küchen und Arbeitsräume. Und sie entdeckt jede Nische, die noch irgendein Objekt aufnehmen könnte. Tipps, die mir etwas brachten, betreffen denn auch eher die Gestaltung von Ablageflächen und Hohlräumen.
Im ersten Kapitel "Clevere Ideen" stellt die Autorin vor, wie sich Objekte durchdacht arrangieren lassen, ohne gekünstelt oder konstruiert zu wirken. Weiter sind wir zu Gast bei einem Londoner DJ, der seiner Wohnung mit Vintage-Objekten und großen Lieblingsfotos einen maskulinen Touch geben will. Spannend fand ich, wie sich alte Läden aus einem französischen Schloss verwenden lassen und ein Badezimmer Erinnerungen an Badeferien wecken kann.
Die Kapitel, nach denen die vielen Ideen geordnet werden, hätte man sogar weglassen können, ohne dass dies zu großer Verwirrung führen würde. Aber da sich die Autorin für ein Ordnungsmuster entschieden hat, gebe ich es im Folgenden wieder: Clevere Ideen - Pure Magie - Sammlungen - Erinnerungen - Ohne Hammer und Nagel - Themen, Ideen & Inspirationen, Kinderzimmer & Studentenbuden.
Fest steht, dass die Autorin ihr Versprechen einlöst, viele inspirierende Beispiele kreativer Wände zu liefern. Wenn ich mich trotzdem nicht für die Maximalbewertung entschließen konnte, liegt dies an der inhaltlichen Gewichtung der Texte. Denn Geraldine James beschreibt meist, was der Betrachter ohnehin sieht. Und statt der Hintergrundinformationen über die Herkunft der Objekte hätten ich lieber konkrete Tipps für die eigene Umsetzung gehabt. Denn oft kann Wissen über Befestigungsarten, spezielle Materialien oder praktische Werkzeuge nützlich sein, wenn Laien sich ins Gebiet der Innenarchitekten und Bastler vorwagen.
Mein Fazit: Nebst bekannten Gestaltungsvorschlägen der eigenen vier Wände finden sich in diesem Buch ganz viele neue Ideen. Und weil Geraldine James ihre Leser vor allem inspirieren will, verzichtet sie auf Tipps, die handwerklichen Charakter haben. Wer also möchte, dass Marmorbruchstücke ihren neuen Platz nicht eigenmächtig verlassen oder Vergrößerungen von Lieblingsfotos lange haften bleiben, muss in anderen Büchern nach Ratschlägen suchen. Weitere Anschaffungen kann sich sparen, wer ohnehin zu den Do-it-yourself-Typen gehört, aber im kreativen Bereich Lücken hat. Und blutige Anfänger im Sammeln erfahren, wo und wie sie coole Objekte ergattern können.