Ich habe ihn leider auch mit diesem Titel nicht gefunden, den deutschsprachigen Beitrag zum aktuellen "crafty business"-Trend. Nicht, dass der Buchmarkt seit den späten 90ern-frühen 2000ern genug Zeit gehabt hätte. Nein, gute Handbücher, die sich dem Thema "Mach Dein kreatives Hobby zum Broterwerb!" widmen, gibt es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt einfach noch nicht (siehe auch meine Empfehlung zu
Craft Inc.: Turn Your Creative Hobby Into a Business ).
Wer sich als Kreative(r) in die Selbständigkeit wagen will, kommt an den einschlägigen Fachhandbüchern der Einzeldisziplinen Marketing, PR und Steuern nicht herum -- vor dem Hintergrund dieses Titels hier ist die Wahl dreier guter Bücher und die damit verbundenen höheren Kosten aber vorzuziehen. "Kreativ und davon leben" ist nicht zu empfehlen, wenn man gezielten Input zum Aufbau einer kreativen Existenz braucht; das Buch sei aber allen empfohlen, die so gar nicht wissen, was sein soll, und die eher ein Problem damit haben, ihren persönlichen Weg im Leben zu beschreiten. Ob das Hobby nun Hobby bleiben soll, oder ob es zwecks Lebenserfüllung oder auch einfach nur an Mangel an Alternativen zur Einnahmequelle gemacht werden soll, ist zunächst ein Problem psychologischer Natur. Wer allerdings genau weiss, dass das kreative Hobby zum Broterwerb werden soll, und dann natürlich zu einem erfolgreichen, braucht keine Seelenstreichelei, sondern Fakten, Adressen, praxisrelevante Informationen.
Genau damit aber, mit der allzu "businessmässigen" Seite der Existenzgründung scheinen viele so ihre kleinen Problemchen zu haben. Es steckt auf den ersten Blick eben wenig Kreatives in Buchhaltung und Kundenaquise, vom Wissen über Rechtliches und Steuerliches, womöglich noch bei Streitfällen um Copyright und Patente. Aber es ist wichtig und gehört einfach dazu - natürlich kann man sich hier auch vieles schönreden und Zeit darauf verschwenden, keine Frage. Wer aber an eine kreative Selbständigkeit mit Verstand und Verantwortung heranschreitet, kümmert sich ohne Umschweife um diese unbequemen Themen.
Und gerade hier redet "Kreativ und davon leben" leider auch nur drumherum: dem Buch fehlt es neben layouttechnischer Struktur an weiterführenden Adressen, aktuellen Informationen (von der ersten Auflage 2004 bis zur zweiten 2008 wäre genug Zeit zur gründlichen Aktualisierung gewesen), geschweige denn vernünftigen Webadressen speziell für Kreative. Nirgendwo ist es mittlerweile leichter für Kreative, zu netzwerken und die eigenen Produkte auszustellen als im Internet. Dies wird leider vollkommen ignoriert, was aber wiederum Konsequenzen in der Selbstvermarktung mit sich bringt, denn der Autor ignoriert ebenfalls vollkommen, dass Marketing und PR eben nicht mehr nach den Regeln aus der Zeit vor der alten Economy Bubble funktionieren. Und das spiegelt sich letztendlich auch in den Literaturempfehlungen wieder, von denen eher vermutet werden muss, dass sie nur ein Querschnitt des persönlichen Bücherregals des Autoren sind. Keinesfalls sind sie ein Querschnitt aktueller, fachlich kompetenter und relevanter Titel des gegenwärtigen Buchmarktes.
Die Literaturliste führt wohl daher leider auch keine guten Fachtitel zu Steuer, Marketing oder PR, ein Addressenanhang fehlt komplett.
Für einige Passagen im Text würden sich übrigens Fussnoten anbieten, allein schon, um Quellen zu belegen.
Insgesamt ist dieser Titel enttäuschend, und Kreativen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen, ist er trotz des kleinen Preises nicht zu empfehlen. Denn Zeit ist Geld wert, und jede Minute, die Sie sich mit Literatur herumschlagen, die Ihnen fachlich nicht weiterhilft, ist verlorenes Geld.