"Krawumm", ein Buchtitel, der auf den ersten Blick kaum seriöse Wissenschaft vermuten lässt, wobei der Untertitel "Ein Plädoyer für den Weltuntergang" diesen Eindruck nicht mindert. Doch welch ein Irrtum: Der promovierte Astronom und als Wissenschafts-Blogger sehr bekannte Florian Freistetter vermittelt in seinem Buch durch und durch ernsthafte wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Physik, Astronomie und Kosmologie, wobei der Text sich nicht nur durch hohe Verständ- und Anschaulichkeit auszeichnet, sondern auch mit einer guten Portion Humor und gelegentlich erfrischender Ironie - siehe Buchuntertitel - zu großem Lesevergnügen führt.
Freistetter beschreibt die höchst spannende Geschichte der Entdeckungen der Naturgesetze und der Astronomie; er erklärt diese auch für Nichtphysiker gut verständlich und erläutert deren aktuelle Entwicklungen (z.B. Experimentalphysik im CERN). Das Buch vermittelt, wie letztendlich unser gesamtes Universum mit all seinen Erscheinungen als Folge immer wiederkehrender und auch höchst notwendiger Kollisionen - Krawumm! - zu verstehen ist. Kollisionen im atomaren Bereich verdanken wir die uns das Leben schenkende Sonnenenergie, Kollisionen im Makrobereich die Entstehung unseres Sonnensystems, unserer Erde, des Mondes und der meisten Eigenschaften und Erscheinungen des Universums. Kollisionen, die uns und unseren Planeten jederzeit vernichten können, sind dafür verantwortlich, dass es uns überhaupt gibt; ".....wenn nicht ab und zu zwei Dinge ineinanderkrachen würden, wäre das Universum ein dunkler, lebloser und langweiliger Ort....".
Um diese Aussage zu verstehen, werden die physikalischen, chemischen und erkenntnistheoretischen Grundlagen unseres Weltverständnisses bis zu den "Absonderlichkeiten" der Quantenphysik und Stringtheorie dargestellt; Begriffe wie Raumzeit, Kernfusion, Massendefizit, Wahrscheinlichkeitswelle und Tunneleffekt, Vakuumfluktation, Frauenhoferlinien, Gravitationskollaps, Protoplanetare Scheiben, Gravitationslinsen, Pauli-Prinzip, Chaostheorie des Sonnensystems, Nemesis-Theorie usw. usw. und sogar die "Blasphemie des Anaxagoras" werden erläutert, reale Auswirkungen (wieso funktioniert z.B. der Röhrenfernseher nur dank der speziellen Relativitätstheorie, oder warum findet man Gold in der Erdkruste) und praktische Anwendungen (z.B. Altersbestimmungen durch radioaktive Isotope) anhand vieler Beispiele beschrieben.
Wie es sich für einen Autor, der Astronom ist, geziemt, wird natürlich auch die Entstehung - und das Vergehen - von Sternen, Kugelsternhaufen, Galaxien mit all den daraus resultierenden Erscheinungen - Elementebildung, Supernovae, Weiße Zwerge, Schwarze Löcher und ein "Outcast" - ausführlich dargestellt; sogar den Kollisionen - "ohne Rums" - zwischen Galaxien ist ein eigenes Kapitel gewidmet, wobei natürlich auch dem Wirken von und Wissen um Dunkle/r Materie breiter Raum eingeräumt wird.
Was passiert, wenn zwei Universen zusammenstoßen? Gibt es mehrere Universen? Das letzte Kapitel des Buches ist den verschiedensten Theorien und Hypothesen der modernen Physik und Kosmologie gewidmet; sie erlauben den Blick auf das, was vor der Entstehung des Kosmos war und was eventuell sein wird, wenn er nicht mehr besteht; einen Blick auf ein Universum, das nur ein kleiner Teil eines großen Multiversums ist. Das Kapitel beschreibt die spannende Suche nach der "Theorie von allem", die das Universum in seiner Gesamtheit beschreiben kann - von Einsteins Erkenntnissen bis zu den heute aktuellen String-Theorien (M-Theorie). Aus letzteren kann abgeleitet werden, dass der Urknall durch die Kollision unseres (ekpyrotischen) Universums mit einem anderen Universum ausgelöst wurde, wobei keine der bis heute gemachten Beobachtungen und Experimente dieser These widersprechen.
Und wie sieht es mit dem Weltuntergang aus? Obwohl nach derzeitiger Kenntnis über 8.000 Asteroiden - davon ca. 1.000 mit gefährlicher Größe von über 1 km Durchmesser - unseren Globus "erdnah" umkreisen, ist die Gefahr, zumindest was "außerirdische Impacts" betrifft, nicht hoch einzuschätzen; Abwehrmöglichkeiten, die z.B. aus dem Jarkowski-Effekt resultieren, können einem (vom Homo "sapiens" ausnahmsweise nicht selbst verschuldeten!) Untergang entgegenwirken (für weiteren Wissensdurst sind Euro 23.54 gut angelegt!).
Der Schlusssatz gehört wiederum dem Autor: ".....Zumindest einer dieser Planeten beherbergt lebendige Wesen, die intelligent genug geworden sind, die Schönheit des Universums wahrzunehmen, sie zu verstehen und zu erforschen. Ohne Kollisionen wären wir dazu nie in der Lage gewesen."