Nach "Krauses Fest" nun "Krauses Kur". Wieder ist der Pfundskerl und Polizeihauptmeister Horst Krause unterwegs in Sachen Menschlichkeit. Zunächst im sonnigen Brandenburg, dann an der Ostsee. Regisseur Bernd Böhlich, bekannt für seine Polizeiruf 110 Filme, setzt gern Geschichten in Szene, die an anderer Stelle unter den Tisch fallen. Böhlich hat ein Gespür für den zweiten Blick, ohne den man Filme wie die über/von Krause schwerlich lieben kann. In "Krauses Kur" führt Böhlich seinen drolligen Dorfsheriff Horst Krause durch alle Höhen und Tiefen eines Beinah-Herz-Infarkt und einer sich anschließenden Kur. Fritzi Haberlandt als junge Dorfärztin rät Krause in einem kleinen Auftritt dringend zur Erholung. Krause ziert sich, schließlich sei er ja gar nicht krank. Und weshalb sollte er sich erholen: "Hier ist es doch schön!" Schließlich macht er sich, so brummig wie liebenswürdig, doch auf den Weg. Mit von der Partie seine beiden Schwestern. C.-M. Antoni und A. Böttger spielen sie als unterschätzte und einfältige Trägerinnen des Kittelschürzenbanners. Wenn die beiden durch die eigene Gaststätte gehen, riecht man förmlich den schweren Duft mehliger Bratensoße. Durch ganz andere Düfte angeregt, durch die Seeluft, zeigt dann die eine Schwester mutig nacktes Bein. Die andere zeigt, dass das Alter nicht vor Schmetterlingen im Bauch schützt. Und Krause? Der entpuppt sich nach und nach als einen, der es schelmisch hinter den Ohren hat. In Bedrängnis schreckt er vor kleinen (Not-)Lügen nicht zurück - gemäß dem Motto: Wenn es der Wahrheit dient, scheue ich vor einer Lüge nicht zurück. Aber das macht diesen Krause noch sympathischer.
Apropos zweiter Blick: Die scheinbar oberflächliche Zeichnung des Dorfalltags verträgt ein genaueres Hinsehen. Gaben sich im Film "Krauses Fest" noch die Gäste die Klinke zum Gasthaus in die Hand, ist die Besucherschar im Film "Krauses Kur" auf einen Gast geschrumpft. Und der trinkt das Bier auf Kosten des Hauses. Herrlich Andreas Schmidt als begriffsstutzigen Gänse-Schlunzke zu erleben.