Ich gebe zu: von Romanen fühle ich mich oft nicht unterhalten. Ich langweile mich, so bald die Absicht des Autors klar ist. Es sei denn, er (oder sie) kommt schnell zur Sache und weiß in klug gewählten Worten und gewagten Satzstellungen spannendes zu erzählen. Auf wen trifft das zu? Nun ja - zum Beispiel auf die Kurzgeschichten von Clive Barker, die Stories von Dennis Cooper und Klaus Mann. Epische Werke mit hunderten von Seiten an gefühlvollen Einführungen der Haupt-Protangonisten sind nicht so meins (ohne jetzt Namen von sympathischen Zeitgenossen zu erwähnen, die spannende Stories in leider viel zu dicke Wälzer verpacken). Was Herr Burroughs gut kann: seltsame und abgedrehte Ereignisse in guten Häppchen verabreichen, manchmal mit, manchmal ohne Pointe, häufig ein Lachen auf den Lippen, manchmal ein Tränchen im Auge - ja tatsächlich passiert das bei "Krass" ("Running with scissors") zuweilen. Vor allem bei Leuten, die vielleicht Ähnliches, wenn auch nicht ganz so "krass" wie der Autor, es erlebt haben. Inzwischen wissen wir: die Geschichte ist wahr. Der Autor leibt und lebt mit seinem Freund und vierbeinigen Begleitern in New York, hat weitere Bücher geschrieben, die (unter Anderem aber natürlich nicht nur aufgrund der Aufmerksamkeit, welcher "Running with scissors" zuteil wurde)und das Buch wurde zu einem Film verarbeitet, der mit wirklich guten Darstellern aufwartet, aber - so ist es nun mal meistens - nicht mit dem Buch mithalten kann. Es klingt abgegriffen, aber die besten Geschichten schreibt nach wie vor das Leben selbst. So wie diese. Wer will schon "normal" sein? ;o)