Aus der Amazon.de-Redaktion
Zugegeben, etwas verwirrend ist das Ganze schon. Da wäre zunächst einmal der seltsame Bandname. Markscheider, das sind Fachleute aus dem Bergbau, die Schächte und Stollen vermessen, die Welt unter Tage kartografieren und das Vorkommen von Bodenschätzen erkunden. Doch was haben die mit Kunst zu tun? Hm. Wer hinter dem Oktett mit dem kuriosen Namen Musiker aus dem deutschsprachigen Raum vermutet, liegt falsch, denn Markscheider Kunst ist in St. Petersburg zu Hause. Russen also? Wieder daneben, handelt es sich doch um einen bunten Haufen aus Russen, Tataren und Udmurten. Tja, und ein dunkelhäutiger Sänger aus dem Kongo ist auch noch dabei: Soukous-Performer Seraphim Makangila blieb nach dem Ausschluss aus dem Priesterseminar (wegen einer Liebesgeschichte...) bei einer seiner Reisen in der Stadt an der Newa hängen.
Welche Musik darf man von solch einer schrillen Truppe aus dem ehemaligen Leningrad erwarten? Osteuropäische Folklore und volkstümliche Balalaika-Töne jedenfalls nicht. Stattdessen vermischt Markscheider Kunst Spielarten aus aller Herren Länder zum vielfarbigen Multikulti-Mix. In der fetzigen Fetenmusik des Ensembles ist so ziemlich alles möglich, alles erlaubt. Wir hören bläserverstärkten Ska à la Madness ("Reka"), 2-Tone ("Krasivo Sleva") und karibische Soca-Sounds ("Sailor"). Man heizt uns mit heißer Salsamusik ("Tanec") und afrikanischem Highlife ("Sheriti") mächtig ein. Und man rührt auch Latinjazz ("Mokili") und urrussische Klänge ("Kom-po-zi-ci-ya") in das kosmopolitische Gebräu mit ein.
Am Ende enthält der Schmelztiegel eine gut gelaunte Mischung, die auf jeder Party für Stimmung sorgen wird. Wie gesagt: Etwas verwirrend ist das Ganze schon, aber weiß Gott nicht schlecht! Ein Spaß bringender Kessel Buntes! --Harald Kepler