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Mit "Krankheit als Sprache der Seele" setzt Rüdiger Dahlke sein vor mehr als zehn Jahren mit Thorwald Dethlefsen veröffentlichtes Buch "Krankheit als Weg" fort.
Der Arzt und Psychotherapeut beschreibt in diesem Buch viele Krankheitsbilder, die in das erste Buch nicht aufgenommen worden sind. Ziel ist es wiederum, daß der Leser selbst die Symptome deuten und mit den seelischen Ursachen in Beziehung setzen kann.
Die Darstellung einer neuen Psychosomatik, mit "Krankheit als Weg" begonnen, erhält mit "Krankheit als Sprache der Seele" die von Betroffenen und Fachkreisen geforderte Ergänzung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Ruediger Dahlkes Werk "Krankheit als Sprache der Seele. Be-Deutung und Chance der Krankheitsbilder" (Bertelsmann, München 1992), zu dem ich diesen Erfahrungsbericht schreibe, ist die Fortsetzung und Weiterführung der 1983 zusammen mit Thorwald Dethlefsen im selben Verlag herausgegebenen Veröffentlichung "Krankheit als Weg".
Der erste Band hatte mit dem neuen psychosomatischen Konzept sofort sehr viel Anklang bei Laien und (später zunehmend auch) in medizinischen Fachkreisen gefunden. Es ging und geht nun auch in diesem zweiten Teil um ein Krankheitsverständnis, in welchem Form und Inhalt, Körper und Seele wieder - wie im frühesten Wissen der Menschheit - vereinigt sind.
Beide Bände beruhen auf einer in unserem gesellschaftlichen Bewußtsein weithin unbeachteten Theorie, die ich in folgenden Thesen zusammenfassen möchte:
1. Es gibt nicht verschiedene Krankheiten, so wie es auch nicht verschiedene "Gesundheiten" gibt; wir befinden uns entweder im Zustand der Gesundheit oder im Zustand der Krankheit. Befinden wir uns in letzterem, so ist niemals nur ein Organ oder ein Körperteil krank, sondern immer der ganze Mensch.
2. Krankheit bedeutet den Verlust einer Ausgewogenheit, einer ausbalancierten Ordnung im Bewußtsein des Menschen, der sich als Symptom im Körper zeigt. Krankheitssymptome sind demzufolge stets Ausdrucksformen seelischer Konflikte.
3. Manifestiert sich im Körper ein Symptom, so zwingt es den Menschen, seine gewohnte Lebensführung zu unterbrechen und aufmerksam zu werden auf die in der Bewußtseinsebene liegende Ursache der Störung.
4. Das Krankheitssymptom ist nicht, wie die heutige Schulmedizin (im Gegensatz zu Hippokrates) meint, ein mehr oder minder zufälliges Ereignis ohne tiefere Bedeutung, sondern ein Signal, das auf seinen eigentlichen Sinn für den Menschen aufmerksam machen will.
(Dazu benutzt Dahlke einen, wie ich finde, einleuchtenden Vergleich: Wenn am Armaturenbrett des Autos eine Kontrollampe aufleuchtet, so würde es nicht genügen, sie zu entfernen, damit das Signal aufhört; man muß herausfinden, auf welchen verborgenen Fehler im Fahrzeug sie hinweist.)
5. Krankheit läßt sich nicht aus einer Kausalkette von äußeren Ursachen in der Vergangenheit erklären
(Warum habe ich eine Erkältung? Weil ich infiziert worden bin. - Warum bin ich infiziert worden? Weil mein Immunsystem schwach ist. - Warum ist mein Immunsystem schwach? Weil ich es von meinen Eltern so geerbt habe. - Irgendwann, so Dahlke, würde man mit dieser Fragetechnik beim Urknall ankommen),
sondern aus einer Absicht, die in der Zukunft liegt.
(Der Leichtathlet läuft nicht nur deshalb los, weil er das Startsignal gehört hat, sondern hauptsächlich wohl, weil er gewinnen will.)
6. Insofern ist Krankheit auch nicht ein zufälliges, lästiges Schicksal, sondern eine Chance: Sie enthüllt uns eine Botschaft über uns und eine Aufgabe, die uns gegeben ist. Krankheit will uns zu einer Weiterentwicklung verhelfen und bekommt dadurch Sinnhaftigkeit.
7. Dieser Sinn, den es zu finden gilt, drückt sich in Symbolen aus, die zu deuten sind.
(Unsere Sprache weist naturgemäß auf diesen Zusammenhang zwischen Psychischem und Physischem hin: Ärger schlägt mir auf den Magen, ein Konflikt geht mir an die Nieren; eine Enttäuschung nehme ich mir zu Herzen usw.)
Das Buch enthält nach einer Einführung in Dahlkes Lehre interessante Gedanken zu Ritualen in unserer Gesellschaft (Übergangsrituale, Rituale in der alten und in der modernen Medizin, Krankheit als Ritual), gibt praktische Hinweise zur Symptom-Deutung und wendet sich im Hauptteil dann der exemplarischen Bearbeitung von Krankheitsbildern zu.
In 24 Kapiteln werden Deutungsversuche häufig vorkommender Erscheinungsformen von Krankheit vorgestellt, so unter anderem: Krebs, Tinnitus, Nasenbeinbruch, Gehirnerschütterung, Schüttellähmung, Schlaganfall, Epilepsie, Querschnittslähmung, Gürtelrose, Achillessehnenriß, Fußpilz, Alzheimersche Krankheit.
Der Autor versäumt es dabei jedoch nicht, immer wieder darauf hinzuweisen, daß mit der Deutung von Krankheitsbildern sehr verantwortungsbewußt umgegangen werden muß, um Patienten nicht zu verunsichern, und daß keine Schuldgefühle bei ihnen hervorgerufen werden und sie keinesfalls vom Arztbesuch abgehalten werden dürfen. Diese Hinweise halte ich für besonders wichtig, zumal ich befürchte, daß Leser(inne)n, die Dahlkes Anliegen nicht im vollen Umfang verstehen, in ihrem Verhalten gegenüber eigener und fremder Krankheit leicht Einschätzungsfehler unterlaufen können.
Zwischen den einzelnen Kapiteln sind Fragen zur Selbstkontrolle eingefügt, die ich sehr nützlich finde, weil sie ein gründliches weiteres Nachdenken herausfordern. Ein umfangreicher Anmerkungsteil und ein ausführliches Register sowie eine Liste der Veröffentlichungen Dahlkes komplettieren diesen Band von 447 Seiten.
Mich hat die Durcharbeitung dieses sehr anspruchsvollen Buches einerseits viel Mühe gekostet, andererseits aber auch reich belohnt mit interessanten Denkanstößen und wertvollen Erkenntnissen. Nicht allem, was darin steht, kann ich rückhaltlos zustimmen, aber es hat meinen Horizont geweitet und ist mir eine unschätzbare Diskussionsgrundlage im privaten wie im professionellen Bereich geworden.
Ich kann es jedem aufgeschlossenen, bildungshungrigen und unvoreingenommenen Leser, der gern Lesevergnügen mit Lesemühe verbindet, nur sehr empfehlen!
Der Autor Rüdiger Dahlke stellt in "Krankheit als Sprache der Seele" sein Verständnis von Krankheit dar, nämlich daß Krankheit (oder besser körperliche Symptome) als Signal des Menschen (oder des Schicksals) an sich selbst zu verstehen ist, daß etwas aus dem Lot geraten ist und Aufmerksamkeit auf einen Bereich des Lebens gerichtet werden muß um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Im weitesten Sinne ist dieses Prinzip jedem untder dem Begriff Psychosomatik vertraut, jedoch bezieht Dahlke es auf jegliche Art von Symptom, sei es nun Kopfschmerz, ein Knochenbruch oder eine Warze an der Fußsohle (um nur einige zu nennen). Das Buch entspricht damit in Aussage und Inhalt grob dem ca. 15 Jahre früher veröffentlichten "Krankheit als Weg", wurde diesmal aber nicht mit Thorwald Detlefson sondern mit andern Co-Autoren zusammen geschrieben.
Das Buch besteht (wie übrigens fast alle Dahkle Bücher) aus zwei Teilen, nämlich einem 70-seitigen Einführungsteil, der die "Theorie" und Herangehensweise an Krankheiten erklärt und einem 370-seitigem Symptomteil, in dem verschiedene Krankheiten und Symptome aufgerollt und in ihrer Symbolik entschlüsselt werden. Die Themenkomplexe des zweiten Teils sind: Krebs, der Kopf (Augen, Geruch, Ohren/Gehör, Nebenhöhlen, etc.), Nervensystem, Hals (Kehlkopf, Schilddrüse), Wirbelsäule, Schultern, Arme, Hände, Brust, Bauch, Becken, Beine, Füße und Altersprobleme. Jedes Unterkapitel dort (z.B. Schilddrüse im Kapitel Hals ist mit einer Fragenliste abgeschlossen, die helfen soll, die individuelle Symbolik zu entschlüsseln).
Bewertung (subjektiv):
Zunächst einmal ist das Buch deutlich weniger dogmatisch und verkniffen als "Kranheit als Weg", was primär daran liegen dürfte, daß Thorwald Detlefson, der ein ein meinen Augen äußerst starres und mechanisches Weltbild vertritt (siehe sein "Schicksal als Chance"), nicht mehr daran mitwirkte. Dadurch wird das Buch meines Erachtens dem Menschenbild der heutigen Zeit wesentlich besser gerecht und ist damit auch etwas leichter verdaulich für all jene, die intensiver christlich orientierter Argumentation und Geheimwissenschaften nicht viel anfangen können.
Der Grundton, daß jeder krank sei, Gesundheit also bestenfalls ein Fernziel und Krankheit der Normalzustand dieser Welt ist, ist zwar noch im Einleitungsteil erkennbar, aber deutlich weniger prominent als im früheren Buch und damit weniger störend (zumindest für diejenigen, die diese Sichtweise überhaupt stört).
Leider ist der Einführungsteil im Vergleich zu "Krankheit als Weg" um die Hälfte geschrumpft, so daß es für Leser, für die das Buch den Erstkontakt der Dahlke'schen Psychosomatik darstellt, nicht unbedingt überzeugend wirken dürfte, da die Grundprinzipien zwar aufgezählt aber nicht wirklich logisch aufgebaut werden. Die Prinzipien werden aber um neue Gedanken, nämlich "Rituale" und "Muster" erweitert, die für Kenner des früheren Dahlke-Materials eine lohnenswerte Erweiterung darstellen dürften. In der Softwaretechnik könnte man das Buch als Update zum früheren bezeichnen.
Der Symptomteil ist dagegen gut strukturiert und gut gelungen auch wenn ich persönlich die kürzeren Beschreibungen aus "Krankheit als Symbol" bevorzuge, da sie durch die Kürze besser als Sprungbrett dienen und mehr zur Eigenleistung beitragen statt sich auf die langen Erklärungen Dahlkes zu verlassen. Allerdings ist der Vorteil der längeren Erklärungen hier der, daß man ein gutes Gefühl dafür bekommen kann, wie Symbolik und Symptom zusammenhängen.
Fazit:
Lohnenswert für alle, die "Krankheit als Weg" bereits kennen und die darauf aufbauen wollen. Empfehlenswert als Geschenk an Menschen, die bereits eine Idee von Psychosomatik haben, für die aber "Krankheit als Weg" wegen des etwas starren, mechanischen Weltbilds und des latent vorhandenen Grundtons von Schuld und Sünde als unpassend erachtet wird.
Leser die nur an einem umfassenden Symptom-Lexikon interessiert sind, sollten allerdings stattdessen "Krankheit als Symbol" von Dahlke in Erwägung ziehen.
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