Norbert Treuwein hat dieses Buch über das Säure-Basen-Gleichgewicht geschrieben, in welchem er auf die Entstehung der Übersäuerung, deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper und dessen Seele hinweist, sowie Hilfestellungen anbietet, um das Gleichgewicht bei sich selbst zu prüfen und gegebenenfalls wieder herzustellen.
Sein Anliegen verpufft allerdings, wenn man Rückfragen an das Buch stellt und aufmerksam liest. Die von ihm aufgestellte Theorie wird kaum belegt, das angehängte Literaturverzeichnis ist mehr als dürftig (7 Literaturangaben). Wenn jemand ohne weitere Belege schreibt, dann sollte die Theorie zumindest nachvollziehbar sein, denn Nachlesen an anderer Stelle ist durch seine fehlenden Hinweise nicht möglich. Aber nachvollziehbar ist vieles leider eben nicht. So schreibt er z.B. daß das Trinken von destilliertem Wasser "ein klarer Unfug" ist (man beachte seinen versuchten Sprachwitz an dieser Stelle!), weil dem Körper dadurch Mineralstoffe entzogen werden. Diese Behauptung macht allerdings nur Sinn, wenn das mineralfreie Wasser in Magen und Darm nicht mit Mineralstoffen in Berührung käme, die aus der Nahrung oder der Verdauung stammen (Stichwort Magensäure). Und wenn ich nicht gerade am Fasten bin, dann wird das Wasser immer sofort mit Mineralstoffen gemischt werden. D.h. auch wenn ich destilliertes Wasser trinke, erfolgt keine Auslaugung des Körpers, weil die Nahrung aus dem mineral-freien Wasser sofort mineral-haltiges Wasser macht.
Diesem Beispiel folgen noch eine Reihe anderer, bei denen der Autor zu erkennen gibt, daß er entweder nicht genau genug nachgedacht oder gar auf Hören-Sagen reagiert und dies in seinem Buch mit verarbeitet hat. So auch seine Behauptung, daß man Pilze nicht wieder aufwärmen dürfe, da sonst schädliche Stoffe entstehen könnten. Diese Behauptung hält sich sehr hartnäckig, ist aber naturwissenschaftlich nicht zu belegen (oder hat der Autor irgendwo einen gefunden?).
Seine beiden Anfangskapitel über die Verdauungsvorgänge und die Säure im Körper sind allerdings sehr schön und gut geschrieben (auch wenn hier, wie sonst auch, fast nichts belegt wird). Mir drängt sich jedoch der Verdacht auf, daß er seine Informationen aus dem Buch von Friedrich Sander (Der Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Organismus und sein Zusammenspiel mit dem Kochsalzkreislauf und dem Leberrhytmus) hat. Daher empfehle ich einem interessierten Leser eher dieses Buch.
Norbert Treutwein verschafft einem einen Überblick mit seinem Buch, aber für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema scheint es mir ungeeignet zu sein.