Die Gitarre beginnt die Klänge herauszugeben, deutlich in solistischer Prägnanz, die ihr Spieler intoniert- Gerhard Gundermann- Seine raue, lebenserfahrene Stimme verleiht den gewählten Worten und vielschichtigen Zeilen eine unbefangene Ehrlichkeit, den Ohren die geduldige Aufmerksamkeit. Die Form, der ästhetische Ausdruck, der ganze Stil verleugnet zu keinem Zeitpunkt den Ursprung und die Herkunft. An Ereignisse und Begegnungen setzt er die Zeitdiagnose an, nicht anmaßend, vielmehr mit latenten Spiegelungen und Assoziationen; anderorts taucht er in sehnlichster Innigkeit ins Meer der Erinnerungen, in die erste, vergessenste Vergangenheit. An diesen Passagen kehren eigene Träume in den Zuhörer zurück, die angesehen werden, denen man sich erfreut, kostet und weiderholt Abschied nimmt. Durch unzählige, geschickte Lockungen geht man ins Nachdenken über wirkliche Freundschaft und glückverheißender Liebe, sucht, misst und erkennt den eigenen Lebensstandort, sinnt über die zu sehr fertige und vorgezeichnete Zukunft, und führt durch Gundermanns Abbildungen hindurch und über seine Anregungen hinweg den nötigen Selbstdialog. In 2.01.01 Stunden durchstreift er in einem unersättlichen Reichtum an Bildern, Gedanken und Erinnerungen alle basalen Lebensregungen und -gefühle, gibt einen phantastischen wie auch weitgeführten Kanon unseres Lebens. Geht der Streifzug zu Ende, wirkt er umso stärker nach, verzweigt sich- Dieser letzte vertraute Klang, die letzte Spur seiner Stimme, sein letztes Konzert.
Ich muss deshalb an dieser Stelle und mit diesem letzen Satz der Empfehlung dieser CD Nachdruck geben, weil ich selbst erst durch dankbare Anregung Gundermann entdecken konnte.