Mehr als zehn Jahre lang haben Gerhard Seyfried und Franziska Rieman keine Comics mehr herausgebracht. Seyfied allein wie auch mit Ziska lieferten mit ihren Anarcho- und Phantasie-Comics und -Cartoons wie "Wo soll das alles enden?", "Flucht aus Berlin" oder "Future Subjunkies" nicht nur haufenweise zitierfähiges Material ("Atatüv", "Vorsicht Schild"), sondern auch einen politischen und gesellschaftlichen Statusbericht sowie eine Aussicht darauf, wo das alles einmal enden wird, wenn es denn so weitergeht. Seyfried war so links, dass er sogar über die taz und die Hausbesetzer-Anarchos lästerte. Technikwahn, Neonazis, Überwachung - alles hat Seyfried bereits thematisiert, bevor es in die allgemeine Diskussion kam. Mit seinen Zeichnungen und Ideen schoss Seyfried sehr oft übers Ziel hinaus, aber jeder, der das tut, kann sagen, dass er das Ziel dann immerhin erreicht hat. Seine Pro-Hanf-Initiative, seine Achtung-Nazis-Warncomics, seine Politiker-sind-Doof-Poster etwa hatten mit der Zeit etwas Verstaubtes. Man war bereits konvertiert, man wollte den Prediger nicht mehr hören, sondern von ihm die nächsten Schritte gezeigt bekommen. "Starship Eden", das letzte Comicbuch von Seyfried und Ziska, war so etwas. Doch dann verlegten sich Seyfried auf Historienromane und Ziska auf Schlagerpop.
Bis jetzt. Als Zweitausendeins vor drei Jahren sämtliche gezeichnete Werke der beiden in megadicker Buchform wiederveröffentlichte, wurden auch die Rufe nach Neuware laut. "Kraft durch Freunde" bedient sie - und auch wieder nicht. Was es hat: Den typischen Zeichenstil von Gilbert Shelton. Zeitgeistkritik. Was es leider hat: Nur selten die Detailfreude von etwa "Flucht aus Berlin". Nur wenig Humor ("Dr. Schräuble-Locker" ist zu offensichtlich und ein zu erwartbaren Feindbild, die FDP-Farben des Wirtschaftstypen sind da schon subtiler). Junge Mädels in geilen Klamotten, entweder knapp oder durchsichtig - typische Altherren-Elemente. Ein extrem miese PC-Colorierung.
Zwar legt Seyfried in dem Buch offen, dass selten Politiker allein für die Unterdrückung der Bevölkerung verantwortlich sind, sondern nicht minder stark auch die Wirtschaft, und dass deren Unterdrückermacht nur deshalb möglich ist, weil das Volk kaufgeil und politikverdrossen ist. Doch wer das Buch von sich aus liest, gehört zu denen, die das bereits wissen. Derjenige bekommt immerhin bestätigt, dass er mit seinem Denken nicht alleine ist, und dass es noch linke Romantiker auf der Welt gibt. Doch wirklich erhellend ist "Kraft durch Freunde" nicht. Seyfried hat offenbar im Laufe der Jahre seinen Biss verloren. Das ist schade.