Einseitige Haltungen, Streß (z.B. auch durch Mobbing), Dauerbelastung und traumatische Erfahrungen zeigen sich, gemäß der Autoren Kurt und Reiner Mosetter, in unserem Körper und setzen sich dort fest. Als Folge spürt man häufig eine verspannte (verkürzte) und schmerzende Muskulatur oder weist bestimmte Krankheitsbilder (Bluthochdruck, Tinitus etc.) auf. Durch die vorgestellten KiD (Kraftentfaltung in Dehnung) Übungen, wird der Körper wieder zur Selbstregulation und Prävention angeregt. Im Vordergrund der Übungen stehen dabei nicht einzelne Muskeln, sondern Muskelgruppen und -ketten.
Dieses Buch stellt dabei nicht nur das Thema Streß, sondern auch traumatische Erfahrungen in den Vordergrund. In der Psychotherapy erarbeitet der Therapeut/die Therapeutin mit dem Klienten einen Punkt, an dem der Klient erkennt, dass die Bedrohung, die er bzw. sie während des Traumas erlebt hat, nicht mehr real ist und die Angst nicht mehr angebracht ist. Obwohl der Klient dies weiß, fühlt er sich dennoch bedroht. Dies liegt daran, daß die seelische Erfahrung im Körper gespeichert wurde und sich dort festgesetzt hat. Der Betroffene spürt somit auch nach dem Trauma immer noch die Angst.
Auf Gefahr, so die Autoren, reagieren Lebewesen mit Schreckreflexen (Zusammenzucken, Sich-Ducken, Beuge-Schutz-Bewegungen, Sich-klein-Machen), um sich dann zu verteidigen oder zu fliehen. Besteht die Möglichkeit einer Verteidigung (z.B. bei Kindesmißhandlungen, Vergewaltigung, Naturkatastrophen, Autounfälle, Flugzeugabstürze) nicht, so führt das Erleben, daß es in dieser Situation keinen Ausweg mehr gibt und man sich hieraus nicht befreien kann, zu einer abgebrochenen Handlung, einem sogenannten Trauma. In so einer Extremsituation reagiert man neben den Schreckreflexen auch mit Totstellreflexen, d.h. der Organismus wird schmerz- und empfindungslos und es kann zu abgespaltenen (dissoziativen) Erfahrungen kommen (man fühlt den Körper nicht mehr richtig). Eine solche Anspannung bleibt also im Körper auch noch nach Jahren erhalten.
Hier setzen die KiD Übungen an. Sie werden jeweils mit Fotos und einer Anleitung, wie die Übungen auszuführen sind, dargestellt. Gleichzeitig werden die gedehnten Muskelgruppen und die dazugehörigen Meridianbahnen aufgeführt, sowie Indikationen und entsprechende Ausgleichsübungen. Es gibt mehrere Listen mit entsprechenden Beschwerden und den dazugehörigen Übungen.
Die Autoren weisen daraufhin, daß durch die Dehnübungen ein Muskelkater entstehen kann und man außerdem an die unbewußten Gefühle wieder herangeführt wird. Dies kann ich bestätigen. Bei den ersten Übungen zu meinem Beschwerdebild kamen sehr starke Gefühle wieder hoch. Die sich dann aber nach Verharren in der Bewegung und bewußtem Atmen entspannten. Nach den Übungen fühlte ich eine starke Dehnung im Körper, sowie eine große Leichtigkeit im seelischen und körperlichen Bereich und eine starke Aufrichtung meiner Wirbelsäule. Ich hätte nicht gedacht, daß diese Übungen eine solche Wirkung haben. Bei einigen Übungen z.B. dem Pavian habe ich eine sehr starke Bewegungseinschränkung (durch die Verkürzung der Muskulatur aufgrund der Computerarbeit festgestellt). Aber mit zunehmenden Übungen konnte ich langsam stärker in die Bewegung rein gehen.
Natürlich sollte man die Übungen täglich ausführen. Da sie aber zeitlich nicht sehr aufwendig sind, ist dies gut möglich. Dennoch muß man sich natürlich ein wenig diszipliniert verhalten. Der Erfolg dieser Übungen ist aber enorm. Ich bin wirklich überrascht, daß dieses Buch noch so wenig bekannt ist. Ich kann es jedem empfehlen, der unter irgendwelchen Schmerzen (körperlich, seelisch) leidet. Die Übungen helfen wirklich. Mein Dank gilt den Autoren, die ein phantastisches Buch zur Selbsthilfe geschaffen haben.