Kaum weniger Bammel als vor dem Vaterwerden hatte ich immer vor der Aussicht, in den Folgejahren ständig mit Kindermusik beschallt zu werden. Irgendwo hatte ich mal einen Reisebericht gelesen, in dem einen Vater mit seinem Sohn mehrere Tage lang einen amerikanischen Highway entlang fuhr und nur eine einzige Kinderkassette dabei hatte. Den Sänger, ich weiß nicht mehr, ob es D. J. oder R. Z. war, nannte er am Ende des Textes "den Anti-Christen'"
Nun ist aber doch noch alles anders gekommen. Christiane Weber kannte ich bereits von der Bühne, wo sie als Musik-Kabarettistin mit ihrem Pianisten extrem lustige und gefühlvolle Lieder über die Liebe und andere Katastrophen singt. Da war ich natürlich neugierig, als ich hörte, sie habe eine Kinder-CD aufgenommen.
Lustig und gefühlvoll sind auch ihre Kinderlieder. Die handeln natürlich nicht von Beziehungskatastrophen ... und wenn doch, dann von einer Dreiecksgeschichte zwischen einem Ritter namens Regenschirm, einem Drachen und der Prinzessin Wohnzimmergardine. Ein Hahn kräht Höniponi, ein Hase kann vor lauter Schnupfen nur noch hupfen, und - ganz toll - "17 kleine Elefanten", die mit ihren Verwandten Apfelmus kaufen wollen. Tausenderlei Ideen hat Christiane Weber in ihre Songs gepackt. '"Für die Kleinsten"' ist als Altersangabe vielleicht etwas vage, aber unser Zweijähriger kriegt schon eine ganze Menge mit. Und dreht sich beim Hören ständig im Kreis. Da wird er sicher noch ein paar Jahre Spaß dran haben.
Erfreulich ist aber auch die musikalische Umsetzung mit Gitarre, Bass und ein wenig Schlagwerk. Anders als der synthetische Einheitsbrei, der so viel schlechte Kindermusik als eine Schwundstufe von Schlagermucke entlarvt, bleiben hier die Akkorde bis zum letzten Klang originell. Viele Melodien sind richtige Ohrwürmer.
Zwar wünscht man sich gleich nach dem ersten Hören eine Fortsetzung, aber bis die irgendwann erscheint, werden wir 'Krümelmucke' gut und gerne(!) noch 7000 Mal hören wollen.