Das mir vorliegende Buch ist das erste Prosastück, mit welchem ich mich befasst habe.
Frau Kirsch ist in Limlingerode im südharz geboren, also nicht allzu weit von meiner Heimat entfernt. Schon immer wollte ich einmal ein Werk von ihr lesen und jetzt - zu ihrem 75. in diesem Jahr - hatte ich beim DVA-Verlag ein für mich interessantes Büchlein entdeckt, welches ich gelesen und genossen habe.
Aber erst einmal eine Erklärung zum Begriff PROSESTÜCK :
Das Prosastück ist eine seit Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommene literarische Form der Kurzprosa, die, ähnlich der Prosaskizze, dem Feuilleton nahe steht. Von der Kurzgeschichte unterscheidet es sich dadurch, dass es meist wenig handlungsorientiert, sehr subjektiv und skizzenhaft ist. Das Prosastück greift Elemente der Anekdote, manchmal auch der Parabel auf.
(Quelle: wikipedia)
die Autorin:
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Sarah Kirsch ist Jahrgang 1935 und ist im Jahre 1977 in den Westen übergesiedelt. Wie oben erwähnt ist ihr Geburtsort Limlingerode, wo man auch noch ihr Geburtshaus besuchen kann.
Sie lebt heute als freie Schriftstellerin und Malerin in Schleswig-Holstein.
Schon zahlreiche Preise wurden ihr für ihre Werke verliehen. (Johann-Heinrich-Voß-Preis, Jean-Paul-Preis, Georg Büchner Preis)
Inhalt und meine Meinung:
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Man kann sagen, dass es sich um ein Tagebuch handelt. Teilweise werden Gefühle preisgegeben, die die Autorin in ihrem Leben auf dem Lande oder bei Lesungen überkommen, aber es sind auch teilweise Aneinanderreihungen von Erlebnissen, die die Autorin während ihres privaten und beruflichen Lebens erfahren durfte.
Es sind aber nicht nur die persönlichen Erlebnisse, die Sarah Kirsch ihren Lesern preisgibt, sondern sie verbindet diese perfekt und eindrucksvoll mit den politischen Begebenheiten der damaligen zeit der 80er Jahre. Sie schaut zurück auf ihren Alltag in dieser Zeit und gibt so einen Einblick zum einen in ihre Gedankengänge, ihre Erlebnisse, z. B. mit ihren Tieren oder der Natur überhaupt oder Erlebnisse während Lesereisen usw., aber andererseits schaut sie sozusagen zurück und entdeckt klar und deutlich warum alles so war und gekommen ist, wie es passierte.
Poetisch und gleichzeitig kritisch betrachtet sie ihre damaligen Erlebnisse und das finde ich einfach genial verbunden. Es liest sich sehr flüssig und man hat beim Lesen Zeit - sollte sich diese nehmen, um vielleicht selbst Rückschau zu halten ...
kurze Leseprobe:
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30. Julius 1985, Dienstag
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An warmen Sommerabenden ist es berückend schön auf dem Deich. Das neu hinzugekommene Stück, das zum Wasser hin nicht eingezäunt ist, macht einen verwunschenen Eindruck in seiner besonderen Beleuchtung von Westen her. Eine bühne, eingeschlossen von den Mirabellenriesen. Der Storch flog drüber und ein paar Schwäne, ich hörte Brachvögel schrein (kein Fehler, ist ohne "e" geschrieben). Die Schafe und besonders der Esel lieben dieses Deichstück. Bilbo ist gern unter Bäumen. Versucht sie allerindgs anzuknabbern. Doch die Mirabellen haben schützende Stacheln. Er kommt als Esel hier oftmals hinter mir her und rührt mit seinem weichen Maule mich an ...
ZEIT:
Der Leser erfährt die Gedanken und Erlebnisse Sarah Kirschs vom 7. März 1985 bis zum 15. Dezember 1987.
Schreibweise:
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Es ist mein erstes Buch von Frau Kirsch und ich kann nicht vergleichen, ob die Schreibweise der der Vorgängerbücher gleicht oder ähnelt, aufgefallen ist mir, dass die Autorin in einer etwas eigenartigen Art schreibt, zum einen sehr poetisch, aber teilweise auch mit grassen Ausdrücken, die aber zum Thema und der beschiebenen Szene passen. Immer schreibt sie aber in einem Stil aus fernen und alten Zeiten, was sehr gut mit dem Inhalt harmoniert.
Die Art und Weise wie die Autorin z. B. die Natur beschreibt ist einfach wunderschön poetisch. Sie bedient sich zahlreicher Adjektive und Erklärungen, die aber sehr poetisch und überhaupt nicht einfach sind, sondern äußerst bildhaft. Aufgefallen sind mir hier u.a. besonders die triefenden Nebellaken, die mir besonders gefallen haben. Auf solche bildhaften Erklärungen muss man erst einmal kommen, das setzt schon viel literarisches Talent voraus, das Sarah Kirsch in diesem Buch gekonnt unter Beweis stellt.
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Die Abschnitte (Tage) sind recht kurz, sodass man auch, wenn man mal weniger Zeit zum Lesen hat, sehr gut in das Buch reinschauen kann.
Umschlaggestaltung:
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Das abgebildete Aquarell auf dem Umschlag ist von Sarah Kirsch persönlich gemalt worden.
So finde ich abschließend, dass es eine tolle Huldigung ihrer Leistungen ist, gerade zu ihrem 75. Geburtstag in diesem Jahr, dieses Buch herausgebracht zu haben.