Nicht erst seit dem phänomenalen Erfolg des Bandes "Die souveräne Leserin" ist der britische Dramatiker Alan Bennett zu einer Art Kultautor geworden. Ein Status, den der jetzt vorliegende kleine Band mit tragisch-komischen Geschichten bestätigt.
Eigentlich ist Alan Bennett Dramatiker. Und so lesen sich auch die sechs Monologe, die Bennett 1987 für den BBC geschrieben hat, wie kleine menschliche Dramen, die auch als Theaterstücke, als "szenische" Monologe voller Unmittelbarkeit durchgehen könnten. So erfindet ein Autor also sechs Hauptfiguren (fünf Frauen, einen Mann): Muttersöhnchen und Stubenhocker in den Wechseljahre, trauernde Witwen, Staubsüchtige und übereifrige Briefschreiberinnen.
In einer symbiotischen, fast eheähnlichen Beziehung ("Ein Splitter im Zucker") leben der etwas gestörte Graham und seine demente Mutter. Diese Beziehung gerät durch die Begegnung der Mutter mit dem Jugendfreund Mr. Turnbull etwas aus dem Gleichgewicht. Der Lauf der Ereignisse ist nicht ohne Tragik, so als sich herausstellt, dass Mr. Turnbull eigentlich ein Betrüger ist. Die Mutter, die "bloß ein blaues Auge und einen Tagesausflug nach Fleetwood gekriegt" hat, ist enttäuscht, Graham jedoch zufrieden - und die kleine Welt der beiden wieder in Ordnung.
Die Pfarrersfrau Susan dagegen findet "Ein Bett zwischen Linsen". Sie ist, "dass ich nicht mit Jesus verheiratet war". Ihre Aufgaben nimmt sie mehr oder weniger lustlos wahr. Ebenso die Predigt ihres Mannes, der sich des Themas "Sex" angenommen hat - mit dem Tenor "Ehe ist die Lizenz zum Sex". Susan hat zudem einen Hang zum Alkohol, der sie in Kontakt mit dem jungen Inder, einem Lebensmittelhändler, bringt. Ein gewisser Zynismus ist ihr nicht abzusprechen - während sie die überraschende Liebe (?) lebt. Auch später nicht, als sie von dieser Liebe und vom Alkohol geheilt ist.
Traurige Gestalten und absonderliche Figuren sie alle: die manische Briefschreiberin, die im Gefängnis landet; Lesley, für die es eine "interessante Erfahrung" war, letzte Woche ihren Mann erschossen zu haben; die über siebzigjährige Doris aus der Titelgeschichte "Ein Kräcker unterm Kanapee", die in einem besessenen Kampf mit dem Staub steht, hat bereits "ihren Mann ins Grab gewischt" und ist dabei, sich durch diese Obsession selbst zu erledigen.
Das alles ist very british, voller skurillen Humors, aber auch menschlich sehr anrührend, weil, wie der Autor im Nachwort schreibt, "einige Ereignisse in diesen Geschichten auf tatsächliche Vorfälle in meinem Leben" zurückgehen. Und Alan Bennett gibt keine seiner Figuren der Lächerlichkeit preis. Das Alltägliche in seinen Erscheinungsweisen und Ausprägungen ist bei ihm allerdings immer komisch.