Ich habe den Film "Koyla (1997)" auf Hindi mit englischen Untertiteln gesehen. Auch im Vergleich zu fast 200 gesehenen indischen Filmen gehört dieser Film für mich zu den eindrucksvollsten. Der Film hat eigentlich B-Qualität und ist wegen der Mischung von Komödie, Lovestory und Gewalt sehr gewöhnungsbedürftig für Bollywood-Einsteiger. Bereits sehr früh wird z. B. ein Mord an einem armen Bittsteller gezeigt. Die Dance-Songs gehören zu den besten, die ich kenne. Insbesondere Madhuri Dixits Tanz vor Shiva ist für mich eine der besten Bollywood-Visualisierungen von Angst, Hoffnung und Liebe. Die Songs selbst, von Rajesh Roshan, höre ich immer wieder gerne.
Obwohl ich keinen anderen Film von Rakesh Roshan als gut empfinde (auch nicht 'Karan Arjun (1995)', bei dem Shah Rukh Khan (SRK) ebenfalls eine Hauptrolle spielt), hier gelingt es Rakesh Roshan, trotz aller Lächerlichkeiten und Schwächen in der Umsetzung, den Zuschauer wirklich mitleiden zu lassen. Es gibt auch eine ganze Reihe wirklich beeindruckender Bilder. Die Story über den verfolgten Stummen Skankar (SRK) und seine Liebe zu Gauri (Madhuri Dixit) entwickelt eine elementare Wucht, ähnlich wie die Leiden von Phoolan Devi in Shekar Kapurs "
Bandit Queen (1994)", nur dass hier der Zuschauer immer wieder durch Bollywood-typische Comedy-Szenen, die weniger platt sind als im Durchschnitt, Erleichterung erfährt (comic relief).
Die Namen des verfolgten Liebespaares [Shankar und Gauri sind volkstümliche Götternamen] machen dem Zuschauer von Anfang an klar, dass es sich hier um ein vorbestimmtes Paar handelt, da beide zusammen das göttliche Paar Shiva [Shankar] und Parvati [Gauri] bilden. Der Kohlenkönig hat den sprechenden Name Raja [König] Saab [Besitzer]. Allein anhand der Namen weiß der Zuschauer schon, dass es sich hier um eine Art Volksballade mit typischen Vertretern von Gut und Böse sowie Arm und Reich handelt.
Der Film "Koyla"='Kohle' ist einer der wenigen Bollywood-Filme, der die Leiden der armen Landbevölkerung zum Thema hat: Zwangsehe, Absonderung der Ehefrauen bei den gehobenen Schichten, sexuelle und feudale Ausbeutung, Ausnutzung der Kasten- bzw. Klassengesellschaft, hier kommt alles in einem Unterhaltungsfilm vor und dient dazu, die Leiden deutlich zu machen, die den Aufstand provozieren.
Der Film hat bei InternetMovieDatabase eine vergleichsweise schlechte Wertung, da auch Inder den Film wegen der B-Film-Qualität und der Bollywood-Übertreibungen nicht mögen. Ich vermute allerdings, dass der Film eher wegen des Themas bei Indern nicht gut ankommt, da der Film "Karan Arjun", der in der Filmqualität nicht besser ist, in Indien besser angekommen ist. Die Frauenrollen sind im Film "Koyla" weitaus wichtiger und stärker als in den üblichen Bollywood-Filmen.
Im Übrigen sehen sich diesen Film auch Leute in meiner Bekanntschaft gerne an, die (im Gegensatz zu mir) mit anderen, eher weich gespülten, Bollywood-Filmen nicht viel anfangen können.