Kottan ermittelt - Rien ne va plus
Von wegen "Rien ne va plus" oder zu gut Deutsch "Nichts geht mehr"!
Aber doch wohl auf keinem Fall dann, wenn es heißt "Kottan ermittelt". Ganze siebenundzwanzig Jahre nach seinem letzten Einsatz in der von 1976 bis 1983 mit neunzehn Folgen gezeigten und in Österreich Kultstatus besitzenden Reihe wird Major Adolf Kottans (Lukas Resetaris) Suspendierung aufgehoben und er zum Ermittlungsdienst berufen. Begeistert ist Kottan nicht gerade von der Idee.
Um es genau zu nehmen, ist es ihm sogar so ziemlich egal, dass innerhalb der letzten 24 Stunden bereits drei Morde geschehen sind, bei denen ein jedes Mal eine Spielkarte mit der Aufschrift "Rien ne va plus" und sieben auf der Rückseite zu findenden Namen neben den Mordopfern liegt. Erst als Kottan selbst eines der Opfer auf sein Wagendach fällt und seine "Ilse" (Bibiana Zeller) etwas nachhilft, nimmt er sich des Falls an. Das dann allerdings in seiner bereits aus der Serie bekannten so typischen Art des Hin- und hergerissen seins zwischen "Wiener Schmäh" nebst "Heurigenseligkeit" und dem totalen Ausbruch der Anarchie in seinem Auftreten und den Ermittlungsmethoden.
Dennoch sind seine mit ihm ermittelnden Kollegen, in Person des recht sonderbaren "Schremsers" (Johannes Krisch) und des schießwütigen "Alfred Schrammel" (Robert Stadlober), über Kottans Rückkehr zum aktiven Dienst sehr erleichtert. Die beiden konnten bisher nämlich noch keinerlei Ermittlungserfolge erzielen und bekommen inzwischen von dem Polizeipräsidenten "Heribert Pilch" (Udo Samel), der endlich Ergebnisse sehen will, schon mächtig viel Feuer unter deren Allerwertesten gemacht.
Sicher ein Grund mit hierfür ist, dass "Pilch" getrieben von der Mordlust einer gemeinen Kakerlake gegenüber und seiner beruflichen Aufstiegsfantasie sich selbst ins Innenministerium zu befördern, recht verzweifelt ist. Er braucht unbedingt Erfolge, um seinen ärgsten Widersacher und Konkurrenten "Kurt Hofbauer" (Wolfgang Böck), dem Generalmajor der Wiener Polizei mit dessen unbestreitbarem Faible für Napoleon, der von der Presse zudem als "Held von Wien" verehrt wird, entgegenzutreten. Wird es unter diesen Voraussetzungen gelingen den Fall indem es unter anderem um ein Pyramidenspiel und einen zwielichtigen ehemaligen Banker (Erich Schleyer) und dessen Frau (Mavie Hörbiger) geht, zu lösen und die Mordserie zu stoppen?
Wie schon in der TV-Serie nahm auch hier bei "Rien ne va plus" wieder Peter Patzak den Platz im Regiestuhl ein. Zusammen mit Jan Zenker, der im Übrigen der Sohn von Helmut Zenker (1949-2003), welcher die Bücher zur TV-Serie schrieb, ist, entstand das Drehbuch zu dieser 2010 durch die "Satel Film" entstandenen Produktion.
Als der Film im Dezember 2010 seine Premiere in den österreichischen Kinos feierte, waren die Meinungen zu ihm recht gespalten. Natürlich nahm hierbei die Tatsache und der Versuch mit dem Film, nach beinahe vergangenen dreißig Jahren, an den damaligen TV-Serienerfolg nun im Kino anzuknüpfen, eine entscheidende Rolle in der Bewertung und Resonanz durch und bei den Zuschauern ein. Es gab viele kritische Stimmen ob des bisweilen schon recht rüden oder auch deftigen Humors und der vor Absurdität strotzenden Geschichte. Aber diese Kritik gab es auch schon damals beim Start der Serie. Das allerbeste wird es wohl sein, sich seine eigene und höchst persönliche Meinung durch das Ansehen der nun hier vorliegenden DVD zu bilden. Die Entscheidung ob einem dieser Film liegt muss ein jeder für sich selbst treffen und fällen. Das ist beinahe genauso schwer wie diesen Film in ein bestimmtes Schubfach zu stecken, wie wir Deutschen es ja bekanntermaßen nur allzu gerne tun. Dafür ist der Film dann doch schon wieder zu vielschichtig mit seinem Mix aus slapstickartigem Humor, gepaart mit satirischen Elementen und comichaft angelegter und überzeichneter Pauschalisierung von Behördenalltag und Polizeiarbeit.
Die DVD findet sich in einem Klarsicht-Amaray-Case zusammen mit einem Wendecover, welches den hässlichen FSK-Flatschen verschwinden lässt.
Die Laufzeiten laut Angaben auf dem Cover betragen für den Film ca. 110 Minuten. Für die Extras werden dann nochmals in etwa 24 Minuten veranschlagt. Der Film präsentiert sich passend einer so zeitnah gefertigten Produktion im Bildformat 16:9 Letterbox (1:1,85). Im Gesamteindruck überzeugt er mit gut gesetzten mittleren Einstellungen und Werten beim Kontrast und in der Schärfe. Die Farben zeigen sich zumeist recht natürlich und in ihrer zu erlebenden Intensität gut ausgeprägt. Die von passablen Schwarzwerten durchsetzten Bilder lassen kaum Unruhen oder gar Bildrauschen während der gesamten Wiedergabezeit der DVD erkennen.
Die DVD-Menüs wirken in deren Gestaltung übersichtlich und einfachst bedienbar. Über eine Art Polizeimarke gelangt man direkt aus dem Hauptmenü heraus zu den verschiedenen Funktionen bzw. weiteren sich separat öffnenden Menüs. Neben der Möglichkeit des Wiedergabestarts mit "Film Ab", gibt es zudem noch eine mit Szenenbildern dargestellte "Kapitelauswahl". Über "Set up" gelangt man zu den angebotenen Optionen für Ton und Untertitel. Die DVD hat auch einige Extras, welche über den Menüpunkt "Bonus" abrufbar sind. Diese bieten neben drei Teasern und zwei Trailern, noch eine ca. fünfzehn Minuten laufende "Filmvorschau".
Tonbewertung:
Schon in der TV-Reihe war die Musik wesentlicher und die Reihe mit prägender Bestandteil und stilistisch genutztes Mittel. Hier knüpft man auch bei "Rien ne va plus" wieder an. Kottan's Kapelle kommt beinahe dreißig Jahre, nachdem sie in der TV-Serie das letzte Mal "abrockten", wieder zum Einsatz und das auf die so typische und ihnen so höchst eigene und zudem ganz besondere Art und Weise. Der im Format Dolby Digital zu Gehör kommende 5.1-Kinomix oder 2.0-Fernsehton sind von guter Qualität ohne nennenswerte Auffälligkeiten. Lobenswert ist hier das Angebot an optional zuschaltbaren Sonderfunktionen beim Ton zu nennen.
Neben einer deutschen Hörspielfassung für Sehbehinderte finden sich zudem noch deutsche Untertitel für Hörgeschädigte mit auf der DVD.
Gesamteindruck:
Siebenundzwanzig Jahre nach dem Ende der vor allem in Österreich Kultstatus besitzenden TV-Reihe, sollte im Jahr 2010 mit dem hier auf DVD vorliegenden Film in den Kinos an den damaligen Erfolg angeknüpft werden. Ob dies gelungen ist, kann nun ein jeder selbst mit und beim Ansehen dieser DVD oder wer mag auch Blu ray, für sich selbst entscheiden. Der Film bietet neben den für Kottan so typischen "Running Gags" und dem Sound von "Kottan's Kapelle", eine mit deftigem Humor und vor Absurdität in sich strotzend erzählte Geschichte, die sich selber nicht ernst nimmt und dies auch gar nicht will.