Das 393seitige Softcover "Kosovo: Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft" ist in erster Auflage im September 2008 erschienen und daher von einer hohen Aktualität. Daher enthält sie auch die Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2009 und ihre unmittelbaren Folgen.
Bereits Wahl des Buchtitels zeugt von einer objektiven Betrachtung und hintergründigen Kenntnissen eines heiklen Themas, zu dem auch der hoffentlich letzte Krieg in Europa zählt. So hat der Autor Oliver Jens Schmitt das Buch auch seinen albanischen und serbischen (in alphabetischer Reihenfolge) Studenten gewidmet!
Nach einem Vorwort erhält der Leser zunächst "Hinweise zur Aussprache", eine "Zeittafel" und eine kurze Darstellung "Zur Schreibung" der Ortsnamen. Nach einer Einleitung werden die konkurrierenden Geschichtsbilder von Serben und Albanern vorgestellt. Zum Ende des Prologs geht der Auto zu einer Betrachtung des (Siedlungs)Raumes, der Ideologischen Bedeutung der Raumbegriffe, Siedlungsstruktur und Pässe und Strassen über.
Dem ersten Hauptteil ist eine Karte des Kosovo vorangestellt. Beginnend bei der imperialen Herrschaft Roms, über die Schlachten auf dem Amselfeld bis zur über 400jährigen osmanischen Herrschaft offenbart der Autor sein profundes historisches Wissen. Danach folgen Betrachtungen zu den sozialen Lebenswelten, wie Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt, Kulturelle Lebenswelten (Religionen und Sprachen), sowie zur Bevölkerungsgeschichte und Wanderungen. Bereits während des Wiener Kongresses (1878) wurden Verhältnisse festgeschrieben, die sich bis in die Gegenwart auswirken....
Der zweite Hauptteil beginnt mit den Balkankriegen (1912/1913 Das Kosovo, albanisch Kosova wurde nach dem 1. Weltkrieg (1918) Bestandteil des neuen Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) und dem 1. Jugoslawien als Bestandteil Serbiens. Von besonderem Interesse für die deutsche und europäische Geschichte ist die Zeit während des 2. Weltkrieges als nach dem Willen Mussolinis und Hitlers für kurze Zeit ein "Grossalbanien" bestand, und die "21. Waffen-Gebirgs-Division der SS "Skanderbeg" (albanische Nr. 1)" aufgestellt wurde.
Der Unterdrückung der Albaner in Titos sozialistischem (2.) Jugolawien in der Rankovic-Ära folgte die Emanzipierung durch die neue Verfassung von 1974, die ihnen zwar keinen Republikstatus, jedoch einen Autonomie verlieh. Dies ging so lange gut, bis Slobodan Milosevic die Verfassung brach und die Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufheben ließ, was schließlich zum Ende des gemeinsamen Staates der Südslawen, Albaner und anderer, kleiner Volksgruppen führen sollte.
Der dritte Hauptteil ist der Flucht und Vertreibung, dem Kampf der UCK, der Intervention der NATO (1999) und dem "Kosovo als internationales Protektorat" (UN & EU)gewidmet. Neben den gescheiterten Verhandlungen zwischen USA, Serbien, Russland und den Kosovoalbanern, die schließlich entgegen der UN-Resolution 1244 zur Unabhängigkeitserklärung v. 17. Februar 2008 führten, werden weitere Schwerpunkte auf die kosovo-serbische Parallelgesellschaft, den Laizismus und die Furcht vor einem neuen "Grossalbanien" gesetzt.
Zum Ende des mit zahlreichen Fußnoten und Schwarz-weiß-Fotos ausgestatteten Buches gibt es neben einer zwölfseitigen Bibliographie und einem Abbildungsnachweis noch ein Orts- und Personenverzeichnis. Das differenzierte und wissenschaftliche Werk ist eine spannende Lektüre zur Einstimmung auf eine Kosova-Reise und führt zu einem umfassenden Verständnis der Hintergründe und Zustände des jüngsten europäischen Staates. Vor Ort bietet der eine oder andere Aspekt zudem die Möglichkeit zur Diskussion mit Kosovaren.
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