Ein schönes großes Buch, dieser Himmelsatlas, 34 cm auf 26 cm mit einer schönen Aufnahme des Trifid-Nebels als Buchcover. Das sieht doch nach mehr aus... Die Spiralbindung macht es leicht, die großen Hochglanzseiten umzublättern. Zunächst gibt es eine Einführung in das bewegte Firmament, die teilweise etwas "blumige" Sprache zeigt sofort, hier hat jemand mit Begeisterung geschrieben. Jetzt folgt das Herz des Buches: 30 Himmelskarten, die aus den insgesamt 51 Himmelsaufnahmen der Autoren hervorgegangen sind. Pro Doppelseite befinden sich auf der rechten Seite die Fotografie des Himmelsausschnitts und links der dazugehörige Text. Dazwischen befindet sich eine Folie mit den Sternbildnamen, Sternbildlinien und anderen interessanten Objekten. Blättert man die Folie vor die Himmelsaufnahme, hat man den Effekt einer Sternkarte, blättert man sie weg, kann man die Himmelsaufnahme pur genießen, wobei das so eine Sache ist: vor lauter Sternenpünktchen - viele davon leider mit einem unschönen breiten roten Farbsaum versehen - verliert sich das Auge sofort in der Menge der Sterne. Fast wie ein zweites darüber gelegtes Foto treten da die Nebel, Sternhaufen und Galaxien hervor.
Die Textseite besteht aus einer Übersichtskarte, auf der der fotografierte Himmelsausschnitt farblich besonders hervorgehoben wird, und dem eigentlichen Begleittext, der ausführlich über die Sagen und Geschichten zu den auf diesem Himmelsausschnitt sichtbaren Sternbildern Auskunft gibt. Der linke Bildrand ist reserviert für genauere Erläuterungen und ein detaillierte Fotos besonders schöner Himmelsobjekte dieser Region.
Das Buch endet mit einer Beschreibung, wie die Fotos entstanden sind, was das besondere an diesem Atlas ist, einer Auflistung der abgebildeten Sternbilder und Himmelsobjekte und einem Glossar. Ebenso wichtig sind die Literatur- und Internettipps sowie der Bildnachweis, denn nicht alle Fotos aus diesem Atlas wurden von den Autoren selbst gemacht - viele hochwertige Fotos (unter anderem auch das oben genannte Foto auf dem Buchdeckel) stammen nicht von den Autoren!
Was ist nun das besondere an diesem Atlas, der den leuchtenden Aufkleber "Weltneuheit" trägt (mit Ausrufezeichen)? Bei Weitwinkelaufnahmen werden bei der Abbildung eines Ausschnitts der Himmels"kugel" auf eine Film"ebene" gleiche Winkelabstände von Sternen nicht ebenfalls gleich abgebildet. Je näher man an die Randbereiche des Bildes kommt, desto größer ist der Unterschied zwischen dem, was das Auge am Himmel sieht, und dem, was auf der Filmebene abgebildet wird. Das besondere an den vorliegenden Aufnahmen ist nun, dass Axel Mellinger die Fotos eingescannt und mittels Computer entzerrt hat, sodass es nun möglich ist, zwei Aufnahmen, die am Rand dieselben Sterne zeigen, so übereinander zu legen, dass es einen nahtlosen Übergang gibt... ob dies nun eine "Weltneuheit" ist, wie es in dem Verlagsprospekt heißt, sei dahin gestellt. Jeder (Hobby-)Astronom, der sich ein wenig mit Bahnbestimmung auskennt und seine Daten aus Fotomaterial entnimmt, hat auch seinen Taschenrechner oder Computer schnell auf diese größeren Förmelchen getrimmt! Das ganze dann auf ein Bild zu übertragen ist sicher eine tolle Idee und programmiertechnisch um einiges aufwendiger, aber da übertreibt der Verlag mit seiner Werbung. Überhaupt sind dem Lektorat einige "Kleinigkeiten" entgangen: der Buchauschnitt, der auf der Buchrückseite potentielle Leser zum Kauf animieren soll, entspricht nicht (!) dem tatsächlichen Layout des Buches. Es ist nichts dramatisches aber doch peinlich. Außerdem ist dem Graphiker bei dem ansonsten sehr ansprechend gestalteten Hintergrundgraphiken das Lineal ausgerutscht - radial wegführende Linien sind nicht radial, sondern extrem schief - wieder nur eine Kleinigkeit, aber störend und unnötig.
Auf den Folien, die die Details des Himmelsauschnittes anzeigen, hätten meiner Meinung nach nicht nur die Sternbildstriche gehört, sondern auch eine richtige Sternbildzeichnung (z.B. auf einer weiteren Folie). Im Text wird sehr oft ausführlich auf die Gestalten der Sternbilder eingegangen, die sich leider mit den paar Strichen jedlicher Vorstellungskraft entziehen. Wie soll man sich z.B. aus den vier Strichen des Sternbildes Widder einen solchen vorstellen? Im Text ist auf einmal vom "Bauch" des Widders die Rede, wo doch eigentlich der Schwanz ist! Und wenn der Schwerpunkt nicht auf der Beschreibung von Sternbildern liegt, dann impliziert der Name Himmels"atlas" zumindest ein Gradnetz, wie es bei den gezeichneten Himmelsatlanten der Fall ist - im Gegensatz zu einem reinen Bildband.
Was ist nun dran an dem Buch: Die Autoren hatten eine gute Idee und haben schöne Fotos mit begeisternden Texten zusammengestellt. Die meisten der qualitativ "hochwertigeren" Fotos stammen allerdings nicht von den Autoren sondern sind "Profi"-Aufnahmen (Ausnahme ist z.B. die 360°-Panoramaansicht der Milchstraße). Texte, Graphiken und Fotos sind bis auf Details gut aufeinander abgestimmt. Als Geschenk für einen Hobbyastronomen ist das Buch daher durchaus geeignet, und es lässt sich auch als Nachschlagewerk immer wieder verwenden.
Rezensent: Natalie Fischer
So haben Sie den Sternenhimmel noch nie gesehen! Dieser Atlas enthält den gesamten Fixsternhimmel auf 30 fotografischen Sternkarten.
Systematisch geordnet und nützlich wie ein gezeichneter Sternatlas, ästhetisch beeindruckend und mit den Sternbildfolien unschlagbar praktisch -- Der große Kosmos Himmelsatlas bringt Beobachtungsspaß und optischen Genuss in klaren wie bewölkten Nächten.
Entdecken Sie die Sternbilder am Nord- und Südhimmel, wie man sie in einer sternklaren Nacht bewundern kann. Jede fotografische Sternkarte besitzt eine transparente Folienseite, auf der Sternbildlinien, Sternnamen und die schönsten Himmelsobjekte markiert sind.