Der rumänische Religionswissenschaftler und Schriftsteller Mircea Eliade hat dieses schmale Büchlein als sein wichtigstes bezeichnet, und dem Leser, der sich für das Werk von ihm interessiert, empfohlen mit diesem Buch zu beginnen.
Nach Eliade sieht sich der Mensch bei seinem Versuch seine Stellung im Universum zu deuten, zwei einander entgegengesetzten Grundhaltungen ausgesetzt: Der historische, moderne Mensch sieht sich als Schöpfer der Geschichte, der Mensch der archaischen, "primitiven" Kulturen dagegen wehrt die Geschichte ab, indem er alles Historische in ein System von Mythen und Archetypen einordnet. Mit dem Begriff des "Archetypen" meint aber Eliade nicht die Archetypen, wie sie von Jung beschrieben worden sind. Während für Jung die Archetypen Strukturen des kollektiven Unbewussten sind, verwendet Eliade den Begriff als Synonym für "beispielhaftes Vorbild" und "Paradigma". Dementsprechend sind alle religiösen und rituellen Handlungen des archaischen und "primitiven" Menschen von den Göttern, kulturbringenden Heroen oder mythischen Ahnen eingesetzt worden. Deshalb kennt auch die archaische Welt im Grunde keine "profanen" Handlungen; "denn jede Handlung, die einen klar umrissenen Sinn hat - Jagd, Ackerbestellung, Spiele, Konflikte, Sexualität usw. -, ist auf irgendeine Weise des Heiligen teilhaftig... ." Die Gegenstände oder Handlungen sind nicht an sich und für sich wirklich und von Bedeutung, sondern weil sie Nachahmungen des Archetypen darstellen: "ein Gegenstand oder eine Handlung werden wirklich nur in dem Maße, wie sie einen Archetyp nachahmen oder wiederholen. So wird die Wirklichkeit ausschließlich durch Wiederholung oder Teilhabe erworben; alles, was kein exemplarisches Vorbild besitzt, ist "des Sinnes entblößt", das heißt, es besitz keine Wirklichkeit." In Augenblicken wichtiger Rituale oder Handlungen, zum Beispiel bei dem Vollzug periodischer Zeremonien wird somit die profane Zeit aufgehoben und die Menschen in die mythische Zeit versetzt. Die Regeneration und die Erneuerung der Zeit spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in den archaischen Kulturen. Die Regeneration ist, wie schon der Name besagt, eine Geburt. Die jährliche Austreibung der Sünden, Krankheiten und Dämonen stellen im Grunde den Versuch dar, wenn auch nur vorübergehend, die mythische und primordiale Zeit wiederherzustellen, die "reine" Zeit, die Zeit, die im "Augenblick" der Schöpfung war. Jedes neue Jahr ist eine Wiederaufnahme der Zeit an ihrem Beginn, also eine Wiederholung der Kosmogonie.
Eliade zeigt also in diesem wirklich weisen und lehrreichen Buch und gibt dazu eine Fülle von Beispielen aus den verschiedensten Kulturen der Welt, dass der archaische Mensch mit allen Mitteln versucht sich der Geschichte entgegenzustemmen, die er als eine Folge unumstößlicher, unvorhersehbarer Ereignisse von autonomen Wert betrachtet. Gleichzeitig gelingt es ihm aber nicht, die Geschichte aus seinem Blickwinkel immer zu verbannen. Deswegen erörtert auch Eliade wie der archaische Mensch mit kosmischen Katastrophen, militärischen Niederlagen und sozialen Ungerechtigkeiten umgeht und zeigt letztendlich, dass für den archaischen Menschen kein Leid sinnlos und willkürlich ist, sondern immer provoziert von magischen oder dämonischen Einflüssen, gegen den der "Primitive" mit allen magisch-religiösen Mitteln ankämpft. Auch wenn diese Sicht des Leidens für den heutigen, modernen Menschen nicht mehr nachvollziehbar und zum Glück auch nicht mehr gültig ist, so stellt sie für den "Primitiven" eine Erklärung und Bewältigung des Leids dar, weil es dadurch "verständlich und daher auch erträglich" wird.
Auf der anderen Seite dagegen steht der historische, moderne Mensch und unüberhörbar kann man zwischen den Zeilen die Kritik Eliades an den europäischen Geschichtsphilosophen des Marxismus, Historismus und Existenzialismus lesen, die den Menschen zum Herrn der Geschichte und die Geschichte zum Produkt des Menschen erklären. Deportationen, kollektive Massaker und Atombomben sind die Folgen und somit der Schrecken der Geschichte. Eliade stellt deswegen für den modernen Menschen die wichtige Frage, wie der Schrecken der Geschichte in der Perspektive des Historizismus ertragen werden kann. Und eben weil "die Geschichte in der Lage zu sein scheint, die ganze Menschengattung auf einmal zu vernichten - was weder der Kosmos noch der Mensch oder auch nur der Zufall bisher fertig gebracht hat...", stellt sich auch für Eliade und für alle anderen modernen Menschen die Frage, ob es denn so verkehrt wäre, wenn "die Menschheit, um ihr Fortleben zu sichern, sich gezwungen sehen könnte, nicht mehr "Geschichte zu machen", wie sie es in diesem Sinne seit der Schaffung der ersten großen Reiche getan hat. Sie mag sich dann vielleicht damit zufrieden geben, die vorgeschriebenen archetypalen Handlungen zu wiederholen, und sich bemühen, jede spontane Handlung als bedeutungslos und gefährlich zu vergessen, die möglicherweise "historische" Konsequenzen nach sich ziehen könnte." Zudem ist die Freiheit, Geschichte zu machen, nach Eliade für fast alle Menschen eine Illusion, denn die Geschichte wird zumeist immer von einer kleineren Menschengruppe gemacht, oder im schlimmsten Fall nur von einem (im Faschismus ist nur der Führer der einzig wirklich "Freie"), dagegen kann der archaische Mensch ebenso und sogar vielleicht noch viel berechtigter für sich beanspruchen frei und vor allem schöpferisch zu sein, indem er die periodische Kosmogonie nachahmt und an ihr teilhat.
Schon in diesem frühen Werk von Eliade wird deutlich, worauf Eliade immer hingewiesen hat, dass nämlich die Überlegenheit des modernen Menschen gegenüber dem "Primitiven" nur scheinbar sei, ja dass in vielen Teilen sogar das Gegenteil näher liege.