INGRID UND PETER SCHÖNFELDER, Kosmos-Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora, 2. Auflage 2002
Rund 1.200 wild wachsende und einige wichtige Kulturpflanzen werden in diesem großformatigen Bildband auf 300 Seiten ausführlich beschrieben und abgebildet. Für den Laien nützlich sind die eingestreuten Familien- teilweise auch Gattungskurzbeschreibungen. Die Verbreitungskarten sind winzig, aber trotzdem informativ: das Vorkommen der einzelnen Arten wird pro Anrainerstaat (zusätzlich auch für die großen Inseln) mit einem dicken Punkt gekennzeichnet. So bekommt man einen ersten Eindruck. Angesichts des riesigen Gebiets, das behandelt wird, mehr kann ein Bildband nicht leisten.
Die Stärke des Buchs sind die Fotos: es werden herrliche Portraitfotos der behandelten Arten geboten. Die Fotos sind groß genug und durch die geschickte Variation von Bildformat und Seitenverhältnis der einzelnen Bilder entstehen abwechslungsreiche und sehr ästhetische Bildseiten mit meist acht oder neun Pflanzenfotos. Nur ein oder zwei Dutzend Fotos sind wirklich schlecht gemacht, was angesichts der 2. Auflage überrascht, wäre doch Zeit genug gewesen, dieses Manko zu beseitigen. Als Beispiel sei Crepis neglecta auf Seite 253 erwähnt: viel zu klein reproduzierte gelbe Blüten auf gelb-brauner Erde als Hintergrund, da kann man fast nichts erkennen.
Ein häufiges Ärgernis bei Büchern, wie dem Vorliegenden, ist, dass die gültigen deutschen Namen leider allzu fleißig ausgetauscht werden. Im vorliegenden Werk ist das besonders unschön, geben sich die Verfasser doch selbst einen Freibrief indem sie in der Einleitung schreiben: "Bei den deutschen Namen wurden -soweit vorhanden- eingeführte Namen verwendet, im übrigen mussten sie neu gebildet werden." Neubildungen deutscher Pflanzennamen sind immer problematisch, vielleicht wären die italienischen Namen besser. Ich denke man kauft das Buch nicht nur wegen der Fotos, sondern auch als eine erste Bestimmungshilfe. Pflanzennamen einfach neu zu bilden, ist dafür wirklich nicht zielführend. Leider geht dabei manches schief: Der deutsche Name von Crepis neglecta ist NICHT "Vernachlässigter Pippau", sondern: "Nickender Pippau", ein Name, der den Aspekt des Krauts gut wiedergibt. Hier ist nicht der Ort alle falschen Namen zu korrigieren und, jawohl, es gibt teilweise mehrere Namen für ein und dieselbe Art, aber die See- oder Strand-Kiefer, heißt so, weil sie in Küstennähe zu finden ist, der Name Stern-Kiefer ist ungebräuchlich. Die Buchenblättrige Eiche ist die bekannte Portugiesische Eiche, der Stechwacholder heißt Zedernwacholder, der Hohe Wacholder heißt Griechischer oder Baumwacholder etc etc.
Der Untertitel des Bildbands: "Über 1600 Pflanzenarten" ist übertrieben: besprochen und abgebildet werden rund 1.200 Pflanzenarten. In dieser Zahl enthalten sind ca. 250 endemische Pflanzen der Kanarischen Inseln, einer eigenständigen Flora. Warum diese im vorliegenden Werk mit aufgenommen wurden, ist rätselhaft, liegt doch von den Autoren eine Kosmos-Kanarenflora vor.