Nachdem das Spiel vor einiger Zeit angekündigt wurde und die Beschreibung damals sehr vielversprechend klang, haben wir es uns jetzt gekauft. Und, das will ich vorwegnehmen - Wir waren sofort in den Bann gezogen.
Wir spielen sehr gern und kennen und lieben die Siedler von Catan. Die Serie haben wir in (fast) allen Variationen hoch und runter gespielt und können uns dafür immer noch begeistern.
Nun also 'Targi' von einem neuen Spieleentwickler. Auch hier geht es um die Vermehrung des eigenen Wohlstandes, auch hier geht es um Handel und Rohstoffe und es gibt Mächte (in Form eines, in Uhrzeigersinn Schritt für Schritt um das Spielfeld ziehenden Räubers), die einem die sauer erworbenen Rohstoffe wieder abnehmen wollen. Oder den Gegner, der einem das eigenen Fortkommen vergällt. All das vor der Kulisse einer sternfunkelnden arabischen Wüste, durch die die Stämme der Tuareg ziehen....
Aber die Möglichkeiten und Spielzüge sind viel feiner und variantenreicher, als bei den Catan-Siedlern. Bei diesem Spiel ist die Mischung von Strategie und Glück ausgewogener und der Grips deutlich mehr gefordert.
Aber zunächst einmal zum Spiel und zum Spielverlauf:
Nachdem alle Teile aus dem vorgestanzten Karton befreit, die Karten gemischt und die Anleitung studiert wurde (dafür sollte man etwas mehr Zeit kalkulieren und sich auf keinen Fall abschrecken lassen - und keine Angst davor, das hat man schon beim ersten Mal begriffen, alles logisch aufgebaut - kurz durchlesen, dann kann es eigentlich losgehen!)
Jeder Spieler bekommt Startkapital für die Grundversorgung (Gold, Salz, Datteln, Pfeffer). Dann muss er sich für Positionen auf dem Randfeld entscheiden, welches am Beginn jeden Spieles immer in gleicher Reihenfolge ausgelegt wird. Die aufgedruckten Nummern erleichtern das Auslegen ungemein. Eigentlich könnte das auch ein fester Karton sein, aber Kosmos hat sich für die losen Karten entschieden (wahrscheinlich der Kosten wegen). Ich liebäugele damit, die Karten auf Karton zu kleben, um mir das Auslegen zu sparen.
Die eigentliche Variation der Spielsituation erfolgt durch die 9 Innenkarten, die am Anfang wechselweise aus Waren- und Stammes (Aktions-)karten gelegt werden. Diese Karten werden, und das ist der eigentliche Clou, während des Spiels nach 'Benutzung' durch die jeweils andere Art (Waren- durch Stammeskarten und umgekehrt) von danebenliegenden Kartenstapeln 'Warenkarten' und 'Stammeskarten' ausgetauscht.
Das Auswechseln schafft die eigentliche große Dynamik des Spieles. Durch die Position auf den Randfeldern entscheiden sich die Spieler für bestimmte Karten der Innenfelder.
In jedem Spielzug stellen die zwei Spieler die (3) Figuren wechselweise auf die Randfelder neu auf und schaffen somit eine neue Situation in Bezug auf die Innenfelder. (an die Kreuzungspunkte der 3 Figuren stellt man 2 'Stammes'figuren, die entweder Waren einsammeln oder Aktionen ausführen). Es gibt einen Führungsspieler, der anfangen darf.
Dieser wechselt bei jedem Spielzug, was wiederum noch mehr Gerechtigkeit herstellt. Dann nimmt sich jeder Spieler das, was ihm an Rohstoffen gegeben wurde, kauft entsprechend seiner Aktionskarten ein, vermehrt seinen festen Besitz und sammelt dabei Gewinnpunkte einzeln ein, oder Gewinnpunkte mit Aktionskarten.
Die Aktionskarten können Gewinnpunkte aber auch vermehren. (Bsp: 'Der Spieler, der am Ende 10 Karten ausgelegt hat, erhält einen Siegpunkt mehr') Bei jedem Spielzug müssen sich die Spieler neu darauf einstellen, welche Rohstoffe und Aktionskarten des Innenfeldes ihnen nützen könnten und eine Strategie entwickeln, die natürlich auch grandios in die Hose gehen kann, dafür wäre dann das Glück, das fehlende, zuständig.
Ganz nebenbei muss man natürlich seinen Gegner im Auge behalten, denn schließlich gönnt man ihm nicht, dass er gerade die dritte, ihm perfekt in den Kram passende Stammeskarte mit je 3 Siegpunkten erworben hat. Wo gibt's denn sowas, das muss verhindert werden! Aber wie? Schließlich habe ich auch eigene Interessen.
Für mich war es äußerst positiv, dass das Gegner'Bashing deutlich in den Hintergrund trat. Ich hatte viel zu sehr damit zu tun, meine eigene Strategie zu verfolgen, als meinem Gegner fertigzumachen und war am Ende auch gar nicht so beleidigt, wie sonst, verloren zu haben. Ich habe mich gar nicht wiedererkannt. Hier setze ich ganz klar auf die Zeit, welche die nötige Härte bringen wird. Versprochen!
Das Spiel ist zu Ende, wenn der erste Spieler 12 Stammeskarten erworben und ausgelegt hat, oder wenn der Räuber einmal um das Spielfeld gerannt ist (und bei jedem Feld, das er betreten hat, die schöne Strategie gestört hat). Der Räuber muss bei jedem Spielzeug ein Feld weitergesetzt werden und an den Eckfeldern führt er bei allen die gleichen Raubzüge aus 'es sei denn, man hat DIE Aktions(Stammes-)karte, die Einen davon freistellt....
Am Ende werden die Siegpunkte zusammengezählt. Dabei kann man Siegpunkte sowohl als 'Rohstoff' in Form von Silberkreuzen einzeln, als auch mit den Aktions(Stammes-)karten, auf die der Siegpunktwert aufgedruckt ist, erwerben (und vermehren).
Es ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach möglich, zu sehen, wer gewonnen hat. Das sieht man erst, wenn die letzte Aktionskarte berücksichtig wurde.
Das erste Spiel hat deutlich länger, als die angegebene Stunde gedauert, aber da hatten wir noch damit zu tun, die Regeln und Situationen richtig zu deuten.
Einmal hatten wir Schwierigkeiten, da bot die Spielanleitung keine Hilfe, das war, als uns durch Aktions(Stammes-)karten pro Spielzug bei jeder besetzten Rohstoff-Randkarte mehr Rohstoffe zustehen sollten. Hier stritten wir uns, ob sich diese-Rohstoffe auch bei besetzten Rohstofffeldern der Randkarten verdoppelt würden? Wir entschieden uns dagegen und sind damit eigentlich gut damit gefahren.
Also hier noch mal die Regel, die wir aufgenommen haben und mit der wir ein ausgewogenes Spiel hatten: 'Rohstoffvermehrungen durch Aktions(Stammes-)karten betreffen nicht die Randkarten, die Rohstofferträge der Randkarten können durch Aktions(Stammes-)karten nicht vermehrt werden'
Weitere Regeln, die wir bei weiteren Spielen für uns aufgestellt haben, sind, dass Gold nicht als Ware zu sehen ist und dass die Rohstoffe, die durch Stammeskarten vermehrt werden, nicht doppelt vermehrt werden. Steht da also, dass man durch eine Stammeskarte Anspruch auf 1x Ware (Pfeffer, Salz, Datteln) mehr hat, dann gibt es nur eine Ware mehr, auch wenn man in dieser Runde 2 oder mehr gleiche Waren erhält.
Das Spiel macht süchtig, gerade weil es so vielschichtig ist und auch nach einer Stunde Spielzeit noch nicht ermüdet.
Es ist durch die ständigen Wechsel der Führungsperson und des Umfelds ein sehr gerechtes Spiel, bei dem die direkte Konkurrenzsituation der zwei Gegenspieler durch die vielfältigen Punktevermehrungsmöglichkeiten in den Hintergrund tritt.
Hier ist Kosmos wieder ein ganz großer Wurf gelungen, der das Zeug zum Spiel des Jahres hat und den Spiele-Entwickler Andreas Steiger wird man sich wohl merken müssen (Wusstet ihr, dass er in einem Kindergarten als Erzieher arbeitet? Ob die Kinder wohl auch Salz, Datteln und Pfeffer sammeln müssen, um Aktionen der Erzieher zu erkaufen? Gewinnt das Kind, das die meisten Datteln gegessen hat, oder das mit der besten Strategie, Pfeffer in Gold zu tauschen???). Vermutlich geht es aber in diesem Kindergarten trotzdem sehr gerecht zu ;o)
Eine ganz klare Kaufempfehlung mit Geheimtipgarantie.
Kleiner Nachtrag: Da hatte mich mein Gefühl doch tatsächlich nicht getrogen - "Targi" ist zum Kenner- Spiel des Jahres 2012 nominiert worden.
Mittlerweile haben wir es viele Male gespielt, es hat für uns noch nichts von seinem Reiz eingebüßt, im Gegenteil...