Der Pate orientiert sich natürlich sehr stark an der Filmvorlage. Die Spieler schlüpfen in die Rolle einflussreicher New Yorker Mafiafamilien und kämpfen um Einfluss und Ansehen. Dazu werden schonmal gerne unliebsame Konkurrenten im Hudson River versenkt, gegnerische Geschäfte überfallen, geplündert und bestenfalls sogar übernommen, es wird aus fahrenden Autos geschossen, Boxkämpfe manipuliert, Staatsanwälte gekauft, mächtige Freunde der Familie um Gefallen gebeten und Schulden werden gnadenlos eingetrieben. Kurzum: Das Thema Mafia tropft bei dem Spiel aus allen Nähten.
Wie funktioniert das Ganze?
Der Pate ist ein Würfelspiel. Nun ist meine Einstellung gegenüber Würfelspielen ja bekannt - ich mag sie nicht sonderlich. Gerade das gestern gespielte Britannia war ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Würfelsspiel nicht zu sein hat. Ähnlich frustrierende Erlebnisse kann man bei zahlreichen anderen Spielen haben wie z.B. Risiko, Siedler usw. wo man einfach zu sehr von ganz spezifischen Würfelergebnissen abhängig ist.
Das ist zum Glück beim Paten anders, hier wurde ein wirklich gutes System gefunden, die Würfel einzusetzen. Allerdings dauert es einige Zeit lang, bei einigen Spielern sogar die gesamte erste Partie über bis man das System wirklich verstanden und den Bogen raus hat, wie man die Würfel optimal einsetzt.
Neben dem Hauptspielbrett, der ein paar New Yorker Geschäftsviertel, eine Autoroute, das Gefängnis, den Hudsonriver sowie die persönlichen Leisten der bis zu vier Spieler zeigt hat jeder Spieler sein eigenes kleines Spielbrett vor sich liegen auf dem er die Würfel verteilen kann. Ingesamt gibt es vier Würfel in vier verschiedenen Farben. Die Würfel zeigen die Zahlen von 1-5 sowie das Marionettensymbol (bekannt vom Filmplakat). Zunächst würfelt man alle vier Würfel und muss sich dann in der ersten Reihe entscheiden für welche Gebäude man Einkommen generiert. Auf dem Spielplan sind in jedem Geschäftsviertel drei Geschäfte die eine Zahl von 1-5 zeigen. Spieler die hier ein Familienmitglied in einem Geschäft haben bekommen nun Geld, wenn der Würfel (der die entsprechende Zahl zeigt) auf diese Zahl gesetzt wird. Somit hilft man oftmals vielen anderen Spielern, manchmal nur sich selbst, und manchmal ist es das beste komplett leere Geschäfte zu wählen um niemanden zu helfen.
Nun Würfelt man neu und entscheidet sich nun in der nächsten Zeile für einen bestimmtes Feld das zur Würfelfarbe passt, danach würfelt man die letzten beiden Würfel neu und setzt sie dann in den letzten beiden Zeilen ein, wobei in der letzten Zeile die Zahl des Würfels egal ist, dort zählt nur die Farbe.
In den mittleren beiden Zeilen ist die gewürfelte Zahl entscheident. Hier bekommt man je nachdem welchen Würfel man wo hin setzt viel oder wenig Einfluss. Man kann viel Schulden von seinen Schuldnern (also den Mitspielern) eintreiben oder wenig. Man kann viel Geld bei manipulierten Wettkämpfen verdienen oder ziemlich leer ausgehen.
Es gibt für fast jedes Würfelergebnis eine sehr lukrative und eine sehr teure oder ungünstige Option den entsprechenden Würfel einzusetzen. Hier die richtige Strategie und den richtigen Überblick zu entwickeln ist der Schlüssel zum Spiel. Gerade in den ersten Runden ist es dabei ratsam die Spielübersicht zur Hand zu haben.
Natürlich können einem extrem schlechte Würfelergebnisse eine schlechte Runde bescheren, aber in der Regel hat man immer gute Möglichkeiten einen Würfelwurf einzusetzten. Manchmal kommt man aber in Versuchung zu zocken, in dem Fall hat man natürlich selbst Schuld. Hohe Würfelergebnisse sind nicht zwingend besser oder mächtiger als niedrige Würfelergebnisse, so dass der Glücksfaktor der durch den Gebrauch der Würfel normalerweise gegeben ist sehr gering ist.
Gewonnen hat wer zum Ende des Spiels nicht ausgeschieden ist (man muss bestimmte Ziele erreichen (was aber normalerweise kein Problem darstellt)) und dann die besten Geschäfte, sprich das meiste Geld gemacht hat.
Meinung:
Der Pate ist ein gelungenes Spiel, das gerade Menschen ansprechen dürfte, die gerne, aber nicht ganz so oft spielen. Das Spiel setzt das Thema schön um, man bekommt tatsächlich das Gefühl der Chef einer Mafiafamilie zu sein und Mafiageschäften nachzugehen. Für Leute die gerne komplexere Spiele spielen wird dieses Spiel auf Dauer nicht anspruchsvoll genug sein, aber ich werde das Spiel im Weihnachtsgeschäft definitiv sehr oft empfehlen. Die Würfel wurden gut umgesetzt, man kann eigentlich mit fast allen Würfelergebnissen etwas anfangen. Hohe Zahlen sind nicht mächtiger als niedrige, es hängt immer davon ab, welches Ziel man gerade verfolgt. Möchte man z.B. Boxkämpfe manipulieren oder Schulden eintreiben sind hohe Würfelergebnisse toll, möchte man aber Freunde der Familie aktivieren oder Geschäfte überfallen können niedrige Ergebnisse viel besser sein.
Das Spiel benötigt allerdings ein wenig Zeit um zu durchschauen, wie man die Würfelergebnisse optimal einsetzt und welche Optionen man eigentlich gerade hat. In unserer Runde hatten drei von vier Spielern nach drei Runden alles durchschaut, der vierte hat bis zum Spielende ein wenig gerätselt was er da eigentlich tut. Wobei der Pate im Grunde nicht wirklich kompliziert ist. Verliert man Anfangs die Übersicht empfiehlt es sich eindeutig die Spielhilfe zur Hand zu nehmen und immer im Hinterkopf zu behalten das es in erster Linie darum geht viel, viel, viel Geld anzuhäufen.
Sehr angenehm ist auch die Spieldauer, die maximal eine Stunde, tendenziell eher weniger beträgt.
Fazit:
Der Pate setzt sein Thema hervorragend um. Die Würfel werden geschickt ins Spiel eingebunden so das der Glücksanteil gar nicht mal so groß ist wie man denken könnte. Es geht weniger darum immer hoch zu würfeln, sondern darum die Würfelergebnisse am geschicktesten einzusetzen. Was man genau würfelt ist dabei eigentlich fast egal, solange man einen Plan hat was man tut. Das ganze kombiniert mit einer kurzen und knackigen Spieldauer führt zu einer eindeutigen Empfehlung von mir, sich dieses Spiel einmal anzuschauen