Nach 8 Runden "Drachenherz" und dem Lesen der Bewertungen hier, muss ich die 4-5 Sterne-Wertungen relativieren, damit kein falscher, einseitiger Eindruck entsteht.
Zum Hintergrund:
Auf einem Tableau sind etliche Fantasyfiguren (mit gängigen Klischees wie Drachen, Helden, Trollen usw.) vor einem Küsten-Panorama dargestellt. Inhaltlich geht es um typische "Ziele" der einzelnen Figuren: Drachen wollen Schätze horten, Drachenjäger wollen Drachen töten, Helden wollen Trolle töten, Trolle wollen Prinzessinnen... ähm... entführen? Beglücken? Essen? Wie auch immer...
Eine schön gezeichnete Fantasythematik , die allerdings beliebig ist und nicht mit dem Spielmechanismus an sich korreliert. Es könnten z.B. auch Tiere sein, die sich gegenseitig auffressen.
Zum Spielprinzip:
Man legt aus seiner Hand (5-6 Karten) gleiche Motive an vorgegebene Plätze auf dem Tableau, um möglichst wertvolle Karten mit einem aufgedruckten hohen Punktwert von einem anderen Platz zu gewinnen. Das ganze läuft nach dem Prinzip: Drachenjägerin-Karten auf Platz A legen > Drachen-Karten von Platz B nehmen. Drachen-Karten auf Platz B legen > Schatz-Karten von Platz C nehmen usw.
Das ist alles sehr übersichtlich mit Pfeilen auf dem Spielplan gekennzeichnet und schnell zu verstehen. Das Spiel endet, sobald eine bestimmte Kartensorte (Schiffe) dreimal gespielt wurde. Dann ist der Gegenüber noch einmal am Zug und fertig. Es werden die Punkte der einzelnen Karten gezählt und wer mehr hat, gewinnt.
Zum Zeitfaktor:
Die Anleitung ist in wenigen Minuten gelesen, sodass ein schneller Einstieg gewährleistet ist. Eine Partie dauert etwa 10 min, ist also auch etwas für zwischendurch.
Zur Kritik:
Wie entscheidet man, wann welche Karten zu spielen sind?
Das ist der Knackpunkt an dem Spiel: Man entscheidet das eigentlich nicht. Es wird durch die Kartenhand vorgegeben, was man tun kann und was nicht. Da sich Kartenspiele grundsätzlich am Zufallsfaktor orientieren, haben die Spieler keinen Einfluss auf die Zusammenstellung der eigenen Hand. Wenn auf dem Tableau lukrative Karten liegen, ich aber im Moment nicht die passenden "Schnapper" auf der Hand halte... Pech gehabt. So einfach.
Es gilt: Wer passende Karten hat und damit Punkte holen kann, der soll zuschlagen. Wer keine passenden Karten hat, muss einfach hoffen, dem Gegner keine entscheidende Vorlage zu liefern. Taktische Entscheidungen sind auf wenige Situationen begrenzt, in denen man zwischen zwei Plätzen wählen kann. Normalerweise wählt man den Platz, der mehr Punkte gibt (also keine wirkliche Entscheidung). Bei gleich guten Optionen müsste man raten, was der Gegenüber auf der Hand hält, um ihn durch die eigene Wahl einzuschränken oder zu ärgern. Also ist es auch an dieser Stelle nur Zufall, ob man die richtige Entscheidung trifft.
Nach meinen 8 Testpartien stand es zufallsgemäß 4:4 (4x Glück, 4x Pech).
Fazit:
Ein ziemlicher No-Brainer, der von den Spielern wenig verlangt. Daher auch typische Empfehlungen an dieser Stelle:
> Nicht für...
(Viel-)Spieler, die ein spannendes 2 Personen-Spiel mit einem guten Eigenanteil an Entscheidungen und (zumindest etwas) Planung suchen. Denn dafür ist der Einfluss der Spieler bei diesem Spiel einfach viel zu gering und glücksabhängig. Die Fantasy-Gestaltung sieht nett aus, hat aber sonst keinen Effekt, also vernachlässigbar bei der Kaufentscheidung. Fantasyfreunden, die das Spiel seiner Thematik wegen in Erwägung ziehen, würde ich daher auch eher abraten, es sei denn, sie finden sich unten bei den "Fürs" wieder.
Wer ein halbwegs anspruchsvolles Kartenspiel sucht, das auch mal einen Abend füllen kann, sollte lieber zu "Die Fürsten von Catan", "Jambo" oder "Dominion" greifen.
> Für...
Spieler, die etwas Beschäftigung mit dem Partner für zwischendurch und ohne geistige Anstrengung suchen, oder für Leute, die häufiger mit jüngeren Kindern zwischen 8 und 10 spielen, eine nette Alternative. Allerdings auch nicht für länger, nach 2-3 Partien (30min) dürfte doch die Sättigung für dieses Spiel einsetzen.