Nach Lektüre der Regeln und den ersten Spielzügen machte es "Klick... - da war doch was?" Tatsächlich handelt es sich bei Keltis um eine 2-4-Personen-Variante des 2-Personen-Spiels "Lost Cities" vom gleichen Autor, erstmals 1999 erschienen. Dieses schöne und kurzweilige Spiel ist bei uns besonders deshalb beliebt, weil es auch noch zu später Stunde ohne viele Gehirnverrenkungen gespielt werden kann.
Die Spielidee in Kürze: Durch Auslegen aufeinanderfolgender Zahlenkarten in verschiedenen Farben werden Wertungsteine auf 5 verschiedenen Punktleisten vorgerückt. Jedes Kartenausspiel - es wird pro Zug exakt eine Karte ausgespielt - berechtigt zum Vorrücken eines Steines um ein Feld auf einer farblich passenden Leiste. Die Karten einer Farbe dürfen entweder nur absteigend- (z.B. 9-7-6-2...) oder nur aufsteigend (3-4-5-8...)abgelegt werden.
Nach dem neutralen Startfeld folgen zunächst Felder im Minus-Bereich, mit jedem Zug verbessert sich der Punktestand. Bonusplättchen geben nicht nur Extra-Punkte - und Züge, sondern sorgen durch die immer neue Verteilung für einen variablen Spielfeldaufbau.
Das taktische Element liegt im geschickten Ausspielen bzw. Sammeln der richtigen Karten. Wer zu lange "Karten sparen" möchte, muss zwangsläufig Karten abwerfen (es besteht Zugzwang) - möglicherweise in den dankbaren Rachen der MitspielerInnen, die diese abgeworfenen Karten alternativ zum blinden Ziehen vom Kartenstapel aufnehmen können.
Das Spiel endet, wenn entweder der Kartenstoß aufgebraucht ist oder 5 Spielsteine den "Zielbereich" erreicht haben - mit letzterer Methode können also Spieldauer und Spielende taktisch beeinflusst werden.
Was unterscheidet nun "Keltis von "Lost Cities"?
- Jeder Zahlenwert ist doppelt vorhanden und kann auch doppelt in die Zahlenreihe abgelegt werden (z.B. 3-4-4-6-7-7-9).
- Zahlenreihen können auf- UND absteigend gebildet werden, wobei man sich erst mit ausspielen der 2. oder 3. Karte festlegt.
- Es gibt keine Wettkarten, stattdessen gibt es Bonuspunkte durch verschiedne Wegeplättchen, außerdem werden die Felder mit zunehmender Zugweite wertvoller.
- Einer der fünf eigenen Spielsteine ist ein "Doppler", d.h. er verdoppelt den Punktwert des erreichten Feldes (möglicherweise auch negative...).
- Der Glücksfaktor ist weiterhin beträchtlich, da insbesondere bei drei Gegenspielern nicht mehr so gut kalkuliert und reagiert werden kann.
- Die größte Stärke gegenüber "Lost Cities" ist mit Sicherheit das variable Spielfeld in Form der Wegeplättchen. Dadurch können manche Wege/Reihen sehr begehrt werden, was einen dazu verleitet auch Wege zu beschreiten, von denen man wenige Karten besitzt. Umgekehrt macht es natürlich gerade denjenigen zum Glückspilz, der zufällig von dieser Farbe viele gezogen hat.
- Durch die Wegeplättchen gibt es unterschiedliche Siegstrategien, z.B. viele Bonussteine für die Schlusswertung sammeln oder durch Extrazüge das Spiel überraschend schnell beenden, während ein Mitspieler noch damit kalkuliert, seine gigantische, mühsam zusammengesammelte 10-Karten-Reihe auszuspielen.
Fazit: Ein schönes, kurzweiliges Spiel, ein "echter Knizia", da es mit wenigen und leichten Regeln eine beachtliche Komplexität erreicht, ohne den Otto-Normalspieler zu überfordern. Kurios finde ich, dass der Autor zahlreicher erstklassiger und bahnbrechender 5-Sterne-Spiele ausgerechnet mit "Keltis" den Titel "Spiel des Jahres" gewinnt. Sicher auch eine Auszeichnung für die Art von Spielen, die sowohl für Gegelegenheits- als auch für Viel-Spieler geeignet sind.