Das Buch "Kosmische Impressionen" des international renommierten österreichischen Physikers Walter Thirring geht solchen Fragen nach. Thirring hat während seiner wissenschaftlichen Laufbahn noch die größten Köpfe des goldenen Zeitalters der Physik kennen gelernt. Er arbeitete mit Schrödinger am Dublin Institute for Advanced Studies, war Assistent an Heisenbergs Max-Planck-Institut in Göttingen, arbeitete mit Wolfgang Pauli an der ETH Zürich und traf Einstein am Princeton Institute for Advanced Studies. Seit dem Jahre 1959 war Prof. Thirring Professor für Theoretische Physik an der Univ. Wien.
Während des Lesens des Buches war mir öfters nicht ganz klar, an welche Zielgruppe sich das Buch nun wendet. Zu unterschiedlich sind die Vorraussetzungen an mathematischen und physikalischen Vorkenntnissen, die an den Leser in den einzelnen Passagen gestellt werden. Es wird zwar mit Mitteln der Popularisierung, wie fingierten Dialogen, Wiedergabe von Diskussionen mit Kollegen und Mitarbeitern, Konkretisierungen durch Spiele, Verbannung von mathematisch-physikalischen Überlegungen in die Anhänge und Verwendung einer populären Sprache teilweise erfolgreich versucht dieses Manko zu beheben. Trotzdem bleibt eine gewisse Heterogenität übrig. Ich habe mir dann vorgestellt, dass der Autor einem Bekanntenkreis mit verschiedenen Vorkenntnissen bei einem gemütlichen Zusammensein seine Erfahrungen und Erkenntnisse erzählt, wobei er sich manchmal mehr an die mathematisch-physikalisch Vorgebildeten und manchmal mehr auf den Laien auf diesen Gebieten zuwendet.
Genau so kann man dieses Buch auch lesen: man pickt sich einfach die Passagen heraus, die einem geeignet erscheinen und überliest die anderen ohne schlechtes Gewissen. Es sind nämlich für jeden Leser äußerst interessante Passagen vorhanden. Die Interessantesten beziehen sich unter anderem auf die Schilderungen und Anekdoten über die Begegnungen des Autors mit den großen Physikern. Auch kann man in einem solchen Buch die methodischen Vorgangweisen und wohl auch sogar die durchaus ja nicht-alltäglichen Denkmuster von Physikern studieren.
Das Buch versucht in der Tradition vieler großer Denker einen Brückenschlag zwischen Naturwissenschaft und Religion. Leider gibt es in dieser Hinsicht noch große Berührungsängste, die durch Missverständnisse zwischen diesen beiden Grundpfeilern menschlicher Erkenntnissuche entstanden sind. Die Religion weil sie Aussagen über die Beschaffenheit der Welt trifft und verteidigt, die aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar sind und die Naturwissenschaften, weil sie glaubt zentrale Aussagen von Religionen widerlegen zu können und sie im besten Fall für irrelevant hält. In Thirrings Buch werden solche anmaßenden Ansprüche durch eine erkenntnistheoretische Beschränkung beider Lager auf ihr zentralen Aussagen und Methodik ausgeschlossen. Vielmehr stellen für Thirring Naturwissenschaft und Religion zwei Konzepte dar, die verschiedene Ansätze verwenden um der größten Frage unserer Zeit näher zu kommen: Was ist die Natur der Natur?" Alles in allem ein durchaus schillerndes und lesenswertes Buch.