In diesem schönen Bildband mit umfangreichen begleitenden Texten wird die Mittelmeerinsel Korsika näher vorgestellt.
Wie man eingangs erfährt, war die Insel an der Küste bereits von den Etruskern, Griechen und Karthagern besiedelt und stand seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. unter karthagoscher, seit 238 v. Chr. unter römischer Herrschaft, im 5. und 6. Jahrhundert unter der Herrschaft der Wandalen, des Byzantinischen Reiches und der Langobarden.
Korsika wurde häufig von Sarazenen und Mauren überfallen. Nach deren Vertreibung durch Pisa und Genua stritten die beiden Städte um die Insel.
1735 machten die Korsen den Abenteurer Baron Theodor Neuhof zu ihrem König. Darüber schreibt die Autorin Dagmar Kluthe sehr ausführlich.
1755-59 war General P. Paoli Diktator. Genua verkaufte die Insel 1768 an Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg war Korsika 1942/43 von den Deutschen besetzt.
Ende der 60er Jahre verstärkten sich die Autonomiebestrebungen, vertreten von der Union des korsischen Volkes (UPC) und der Nationalen Front zu Befreiung Korsikas (FLNC).
1982 erhielt Korsika ein Autonomiestatut, welches 1992 erneuert und erweitert wurde.
Die FLNC, die die Unabhängigkeit der Insel anstrebte, wurde 1983 verboten, trat aber anschließend immer wieder mit Anschlägen hervor.
2003 wurde auf Korsika eine von der französischen Regierung und auch von den Nationalisten befürwortete Verwaltungsreform mit dem Ziel einer größeren Autonomie der Insel im Referendum abgelehnt.
Im Rahmen des historischen Exkurses finde ich die Skizzierung der Vendetta höchst interessant. Besagter Blutrache fielen einer offiziellen Statistik zufolge in den Jahren 1683 bis 1715 fast ein Viertel der Inselbevölkerung zum Opfer- 28715 Menschen.
Bemerkenswert auch ist der Bericht über den Totenkult auf der Insel.
Nach dem historischen Exkurs wird zunächst der Norden Korsikas beleuchtet. Man liest von der Halbinsel Cap Corse, dem Weinanbau dort und der Hafenstadt Bastia, von malerischen Bergdörfern und beliebten Badeorten an der Nordwestküste.
Die Südspitze Korsikas ist nur 12 km von Sardinien entfernt. Anhand vieler Fotos lernt man die Megalithdenkmäler in der Hochebene von Cauria kennen und die einsame Strände mit kristallklaren Wasser dort.
Die Stadt Bonifacia wird näher vorgestellt. Diese klemmt sich auf den letzten Felsen von Korsika. Ferner wird die unberührte Landschaft bei Satène thematisiert.
Die Megalithkultur auf Korsika (etwa 4500 v. Chr.) korrespondierte mit einer Naturreligion, die sich intensiv mit dem Tod auseinandersetzte. Über diese Kultur wird im Buch ausführlich berichtet.
Im Westen liegt Ajaccio, der Geburtsort Napoleons. Diese Stadt ist der Sitz des Parlaments und der gesellschaftliche Mittelpunkt.
Mit Napoleons Namen wird heute noch viel Geld in der Stadt verdient, wie in Kluthes diesbezüglichem Bericht deutlich wird.
Man erhält anhand von Fotos einen sehr guten Eindruck von La Calanche, einer eigenartigen Felsenlandschaft mit aufregenden Wasserfällen und kann über zwei Seiten hinweg den Golf von Porto und Piana, einem der schönsten Orte der Insel, bewundern.
Das Innere von Korsika wird von einer gewaltigen Bergkette durchzogen. Abgeschlossene Täler und winzige Dörfer vermitteln das Gefühl die Zeit sei stehengeblieben.
Im Zentrum der Insel befindet sich übrigens der tiefste See auf knapp 2000 Metern. Der "Lac de Capitello" ist acht Monate im Jahr zugefroren.
Auf den letzten Seiten des Buches werden unter der Rubrik Basiswissen Reisevorbereitungen sehr hilfreich unterstützt. Wenn man sich in diese Daten und Fakten vertieft hat, wird eine Reise nach Korsika gewiss zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die eindrucksvollen Fotos von Gerhard P. Müller können nicht genug gelobt werden. Ihm ist es gelungen die Seele der Insel zu visualisieren.