Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Zeiten der „Halbgötter in Weiß“ sind schon lange passé. Skandale, Patientenmassenabfertigung etc. haben gehörig am Image der Ärzte gekratzt. Dabei sind die für die Missstände im Gesundheitswesen größtenteils gar nicht verantwortlich. Den weitaus größten Anteil an den ein ums andere Mal explodierenden Kosten hat dagegen die Pharmaindustrie – doch zu deren Handlanger macht sich leider auch so mancher Vertreter der Ärzte-Zunft. Dies belegt der Enthüllungsjournalist Hans Weiss in diesem unbedingt lesenswerten, profund recherchierten Buch anhand einer Reihe erschreckender Fälle.
In der Rolle eines Pharmareferenten, zu dem er sich im Zuge seiner dreijährigen Recherchen eigens hatte ausbilden lassen, gelang es ihm, sich das Vertrauen von „Kollegen“ aus dem Gesundheitswesen zu erschleichen. Welche Ungeheuerlichkeiten sie unter vier Augen preis gaben, hat er minutiös in seinem Buch dokumentiert. Da werden Pharmakonzerne beim Namen genannt, die Ärzte nach ihrem Nützlichkeitsgrad für das Marketing einteilen. Da kommen Industrievertreter zu Wort, die unumwunden zugeben, dass es trotz gigantischer Forschungsbudgets kaum noch Innovationen gibt und die meisten Medikamente, die auf den Markt drängen, nur Nachahmerprodukte sind. Und da werden ärztliche Koryphäen vorgeführt, die sich für viel Geld an riskanten medizinischen Studien beteiligen.
25 Jahre nach seinem Bestseller Bittere Pillen liefert Hans Weiss mit Korrupte Medizin. Ärzte als Komplizen der Konzerne ein weiteres Mal starken Tobak. Klagen sieht der Autor nach eigenen Worten gelassen entgegen. Über 100 Mal habe man schließlich bereits vergeblich versucht, ihn auf dem Rechtsweg mundtot zu machen. Arnold Abstreiter
Pressestimmen
Nie zuvor wurden so detailreich Ross und Reiter benannt: Hans Weiss dokumentiert detailreich den verdeckten Einfluss der Pharmaindustrie auf Politik, Forschung und medizinische Behandlung. (Robert Jütte, FAZ, 3.12.2008)
Kurzbeschreibung
Wie Ärzte sich bestechen lassen - Korruption im Gesundheitswesen. Ein Journalist wechselt seine Identität und geht in die Pharmaindustrie. Erschreckendes Resultat seiner Recherchen: Die Medizin steht unter der Kontrolle der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Spitzenmediziner machen sich zu Komplizen. Der Autor absolviert eine sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründet - auf dem Papier - eine Beratungsfirma für die Arzneimittelindustrie. Damit baut er sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren eine respektable Identität als Pharma-Consultant auf, nimmt an brancheninternen Symposien teil, erhält Zugang zu geheimen Marketingdokumenten, kauft brisante geheime Studien und wird begehrter Gesprächspartner von Klinikchefs. Warum sind Medikamente so teuer? Weil so viel in die Entwicklung und Erforschung von neuen Medikamenten investiert wird, die allen Patienten zugute kommen! So die Antwort der Pharmaindustrie. Tatsächlich wird intern ungeniert kritisiert, dass es mit der Innovationskraft der Industrie nicht weit her ist. Was unter "Forschung und Entwicklung" verbucht wird, sind meist Marketingmaßnahmen, die nur den Zweck haben, den Gewinn der Konzerne zu erhöhen. Die Pharmaindustrie beschäftigt ein ganzes Heer von Marktforschern und Informanten, die ständig untersuchen, wie häufig Medikamente verschrieben werden, welcher Umsatz damit erzielt wird, warum Ärzte bestimmte Medikamente verschreiben und andere nicht, welche Wirkung Pharmavertreter auf die Zahl der Verschreibungen haben. Ohne die aktive Mithilfe von Ärzten wäre das alles nicht möglich. Pharmakonzerne kontrollieren das Gesundheitswesen durch das so genannte "Thought Leader Management" - spezielle Firmenabteilungen, die sich nur damit beschäftigen, wie einflussreiche Ärzte für die Zwecke der Pharmaindustrie am besten eingesetzt werden. Die Antwort: Das geschieht am wirksamsten mit Hilfe von lukrativen Beraterhonoraren, teuren klinischen Studien und Einladungen zu hoch bezahlten Vorträgen vor Ärzten.
Über den Autor
Der Autor ist immer noch in der Pharmaindustrie tätig. Um die laufenden Recherchen nicht zu gefährden, wird sein Name erst bei Erscheinen des Buches bekannt gegeben.